FRIEDEBURG - Zu einer angeregten Diskussion kam es im Friedeburger Gemeinderat über das Für und Wider einer Verordnung über die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht von Katzen. Am Ende stimmten 18 Ratsmitglieder für das Papier, das mit Veröffentlichung im Amtsblatt für den Landkreis Wittmund in Kraft tritt. Sechs Politiker enthielten sich ihrer Stimme und drückten damit aus, dass sie nicht 100-prozentig hinter dieser Neuerung stehen.
Nach dem beschlossenen Papier sind Katzenhalter verpflichtet, ihren Liebling, der älter als sechs Monate ist, von einem Tierarzt kastrieren und mittels eines Mikrochips kennzeichnen zu lassen. 'Als Katzenhalter gilt auch, wer freilaufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt', betonte Fachbereichsleiter Nils Janßen in der von Wolfgang Hoffmann (CDU) geleiteten Sitzung. Allerdings könnten für die Zucht von Rassekatzen auf Antrag Ausnahmen von der Kastrationspflicht zugelassen werden, 'sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft nachgewiesen werden kann'. Dies sei laut Janßen ebenso möglich, wenn die durch die Verordnung geschützten öffentlichen Interessen im Einzelfall erheblich überwiegen.
Die Kastration und Kennzeichnung von Katzen sieht die Gemeinde Friedeburg 'vorausschauend als das einzig wirksame Mittel, die Population wildlebender Katzen zu regulieren und das wachsende Elend der Tiere nachhaltig zu verringern', heißt es in der Beschlussvorlage. Den gleichen Tenor schlagen der Tierschutzverein Harlingerland und die Tierärzteschaft an.
Die Kennzeichnungspflicht mit einem Mikrochip ermöglicht es, Fundkatzen ihren Besitzern zuzuordnen. 'Für die kostenlose Registrierung gibt es zwei Portale im Internet. Die Halter erhalten eine Nummer für jedes Tier', erklärt Nils Janßen. Und der Tierschutzverein gewähre Bedürftigen Gutscheine für einen Zuschuss zur Kastration und Kennzeichnung. 'Auch das Land Niedersachsen stellt jährlich Mittel zur kostenlosen Kastration freilebender Katzen bereit.'
In der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Ratssitzung hatte schon der Marxer Erich Janssen seinen Unmut über diese jetzt kommende Kastrationspflicht geäußert und den hohen Stellenwert einer Katze bei der Maus- und Rattenbekämpfung im ländlichen Raum betont. Bürgermeister Helfried Goetz entgegnete, dass die Gemeinde die Tierärztin Dr. Heike Schiffner-Mehrens bereits in eine Fachausschusssitzung eingeladen hatte, in der die Friedeburger Spezialistin über die Situation der Katzen und die Dringlichkeit des Erlasses einer entsprechenden Verordnung berichtete.
Aber auch CDU-Ratsherr Hermann Behrends, Landwirt in Hesel, konnte der Verordnung eine Zweckmäßigkeit nicht abgewinnen. Er glaubte sogar, dass sich die in Landwirtschaftsbetrieben willkommenen Katzen so dezimieren könnten, dass sie aussterben.
Gegen Behrends Meinung stellte sich Ratsherr Thomas Gerbracht (SPD), der die unkontrollierte Vermehrung ins Feld führte. Katzen könnten sich leicht infizieren und Krankheiten übertragen. 'Es geht nur darum, die Population zu begrenzen', betonte der Bentstreeker. Dass die Jäger eine Regelung und die Kastration durchaus befürworten, berichtete Björn Fischer (CDU). Stefan Gaidies ('Die Friesen') regte Informationen zu diesem Thema auch auf der Gemeinde-Internetseite an. Hier sollten auch Angaben über die Ausgabe von Gutscheinen für die Kastration von freilebenden Katzen aufgeführt sein.
