Friedeburg - Helfried Goetz sitzt auf der Terrasse seines fast 200 Jahre alten Bauernhauses in Hoheesche und schaut in die idyllische Landschaft mit Wallhecken, genießt die Stille in der Natur. Von Stille indes sei in seinem Job vielfach nichts zu spüren gewesen, erklärt der Rathauschef, der sich am 12. September als alleiniger Bewerber erneut zur Wahl stellt.
Denn gleich in den ersten Amtstagen als oberster Repräsentant ohne Parteibuch bekam es Goetz mit einem unliebsamen Rockerclub zu tun, der das Marxer „Tunis“ bezogen hatte. Ihm gelang es mit politischer Unterstützung, die Bande zu vertreiben, indem die Gemeinde kurzerhand das Gebäude erwarb und dort eine kulturelle Begegnungsstätte und die örtliche Tafel-Ausgabe installierte.
Dauerthema: Kavernenanlage der Storag
Eine Welle von Bürgerprotesten schlug dem Bürgermeister einige Monate später entgegen, als 2015 auch im Südkreis Unterkünfte für die Geflüchteten benötigt wurden und eine frühere Bäckerei-Immobilie in Upschört ins Visier genommen worden war. Eine Bürgerversammlung ließ die Stimmung im Ort von Skepsis hin zur Integration umschlagen. „Die Friedeburger haben die Flüchtlingskrise sehr gut gelöst“, resümiert Goetz heute, der die Thematik seinerzeit zur Chefsache machte. Im Rathaus habe er eine Organisationsstruktur aufgebaut, mit der das starke ehrenamtliche Engagement koordiniert werden konnte. Und im ersten Corona-Jahr habe eine von ihm initiierte Facebook-Gruppe dazu beigetragen, dass Anbieter von Hilfestellungen Kontakt zu interessierten Nutzern bekommen.
Ein emotionales Dauerthema sei in all den Jahren ebenso die Kavernenanlage der Storag in Etzel gewesen, berichtet Helfried Goetz. „Auch hier ist es wichtig, die Ängste der Bürger zu verstehen“, betont er. Wichtig sei es außerdem, dass die Gemeinde eine eigene Position bezieht und sich angesichts der umfangreichen Kavernen-Thematik gegebenenfalls durch externe Berater Fachwissen aneignet. Als Erfolg bezeichnet der Verwaltungschef, dass es gelungen ist, die Zuständigkeiten der Feuerwehr im Zusammenhang mit der Kavernenanlage in einem Vertrag zu regeln. „Seitdem profitiert auch unsere Kommune finanziell.“ Und dass die Hohlräume im unterirdischen Salzstock bei der kommenden Wasserstofftechnologie eine wichtige Rolle spielen könnte, bezeichnet der Bürgermeister als „riesige Chance“. Damit könne die Gemeinde ein attraktiver Wirtschaftsstandort werden.
Als Bürgermeister sei es wichtig, die Menschen mit ihren Ängsten, Nöten und Fragen ernst zu nehmen, sie mitzunehmen und zur Lösung beizutragen, weiß Helfried Goetz. Unterm Strich sei es wichtig, dass jede der zwölf Ortschaften ihre Identität bewahrt. Daher seien die Daseinsvorsorge und Zukunftssicherung für ihn von großer Bedeutung.
“Müssen Regionalität vermarkten“
„Zentrales Thema sind dabei Neubaugebiete und andere Baumöglichkeiten, die durch Innen- und Außenbereichssatzungen sowie ein Lückenkataster in vielen Ortschaften bereits geschaffen wurden.“ Aber auch die ärztliche Versorgung besitzt nach Auffassung des Bürgermeisters einen hohen Stellenwert für die Lebensqualität in den Ortschaften. Dass es in Horsten gelungen ist, nach Jahren wieder eine Arztpraxis zu etablieren, ist wohl auch der Beharrlichkeit des Friedeburger Verwaltungsleiters zu verdanken. Ebenso setzte sich Helfried Goetz für den Erhalt und die Neuschaffung von Kindertagesstätten in der Fläche ein.
Baustellen gibt es aber auch in Zukunft einige für den Bürgermeisterkandidaten: So soll das touristische Angebot in der Region weiterentwickelt werden. Ein Generationswechsel bei den Vermietern, zunehmend höherwertige Unterkünfte und eine Online-Buchbarkeit lassen Goetz auf eine positive Entwicklung hoffen. „Wir müssen die Regionalität vermarkten“, fordert er.
Die Betreuung von mehr als 400 Kilometern Gemeindestraßen, der umfassende Breitbandausbau und die Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben seien große Zukunftsaufgaben. Und dann steht ja noch die Erweiterung des Friedeburger Rathauses mit dem Umbau der denkmalgeschützten Amtshäuser an – ein aufwendiges Vorhaben, das ihn die ganze nächste Amtszeit beschäftigen dürfte. „Der Sanierung begegne ich mit Respekt, aber sie ist energetisch einfach erforderlich“, betont Helfried Goetz.
Zur Person
Geboren in Klein-Wiesedermeer absolvierte Helfried Goetz (49) im Friedeburger Rathaus die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Er ging zum Landkreis Wittmund und schloss später ein Studium zum Verwaltungsbetriebswirt (VWA) ab. 2014 bewarb er sich das erste Mal als parteiloser Kandidat für das Amt des Bürgermeisters. Der zweifache Familienvater – seit Januar sogar Großvater – lebt heute ländlich in Hoheesche bei Reepsholt.
Zu seinen Hobby zählt Helfried Goetz vor allem den Sport: Seit Kindesbeinen widmet sich der Landwirtssohn dem vom Vater angetragenen Klootschießersport, am 17. September soll er sogar zum Vorsitzenden des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV) gewählt werden. Außerdem gehört der Laufsport zu Goetz’ Freizeitbeschäfti-gungen. Mittlerweile absolvierte er fast 70 Ossiloop-Etappen.
