Friedeburg/Marx - „Wir haben einen Bereich festgestellt, der handwerklich genutzt wurde“, sagt Dr. Sonja König. Die Archäologin der Ostfriesischen Landschaft in Aurich ist beim Archäologischen Dienst tätig. Sie ist begeistert, wenn sie etwas Spannendes im Boden findet, das auf Besiedlungen von Menschen in früheren Jahrhunderten andeutet.
So wie in Marx. Dort weisen kleine Scherben, Keramikfragmente, auf keramische Gefäße hin, die Menschen in früheren Zeiten genutzt haben. Die Archäologin schätzt die Funde auf das frühe Mittelalter, zwischen 900 und 1100 nach Christus. „Das ist besonders spannend für Marx“, sagt Dr. Sonja König. Insbesondere aufgrund der Nähe zur St.-Marcus-Kirche in Marx.
Funde im Boden deutenauf Arbeitsstätten hin
Hintergrund ist, dass die Gemeinde Friedeburg im Bereich Marx „Börgerhörn“ ein circa 4,5 Hektar großes, derzeit vorwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet als Bauland ausweisen möchte. Dazu wurde das notwendige Bauleitplanverfahren durchgeführt, welches kurz vor dem Abschluss steht, schreibt die Gemeinde.
Im Zuge des Verfahrens bekam die Ostfriesische Landschaft Hinweise, dass in dem Plangebiet möglicherweise „historische Siedlungsstrukturen“ vorhanden sind. Für eine genauere Aussage führten die Grabungstechniker der Ostfriesischen Landschaft Anfang März eine stichprobenartige Analyse, eine sogenannte Baggerprospektion, der Bodenstruktur durch. Das war nach denkmalschutzrechtlicher Genehmigung des Landkreises Wittmund möglich.
Dabei wurden in regelmäßigen Abständen Streifen des Oberbodens mit einem Bagger abgeräumt. „Wir haben die oberste Bodenschicht weggenommen“, sagt Dr. Sonja König. Die Experten prüften den Boden auf Verfärbungen und Material, das auf menschliches Einwirken in der Vergangenheit zurückzuführen ist. „In Marx konnten so großflächig mittelalterliche Arbeitsstätten festgestellt werden“, schreibt die Gemeinde Friedeburg. Im Untergrund seien Strukturen sichtbar geworden, die auf menschliche Aktivitäten hinweisen, erklärt die Archäologin. Sonja König freut sich, wenn Gruben und Gräben historische Fundstücke bergen und ihr Team diese Funde zutage bringen darf.
Erschließung desGebiets verzögert sich
Derzeit werde laut Gemeinde ein Bericht gefertigt, der eine genauere Beurteilung und Datierung der Fundstellen beinhaltet. „Es ist zu erwarten, dass vor einer Bebauung des Gebietes der gesamte Boden über mehrere Monate untersucht werden muss. Dabei müssen Funde dokumentiert, bewertet und gegebenenfalls gesichert werden“, schreibt die Gemeinde Friedeburg. Sie kündigt an, dass sich deshalb die Erschließung des Wohngebietes verzögert, die nach Abschluss des Bauleitplanverfahrens beginnen sollte.
