Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Als Grüne Direktkandidatin Nicole Henkel aus Friedeburg möchte in den Landtag

Friedeburg/Wittmund - Nicole Henke will die Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis 87 für den Niedersächsischen Landtag werden. „Ich möchte meine bunten Lebenserfahrungen teilen und die Politik für die Menschen dadurch etwas alltäglicher machen“, sagt sie. Die Heselerin sieht sich als bodenständig und nordisch stur. „Mir wird nachgesagt, dass ich mein Herz auf der Zunge trage. Das führt zu manchem Konflikt. Aber nur so lernt man, gemeinsam Lösungen zu finden.“ Nachdem sie im Herbst in den Friedeburger Gemeinderat eingerückt ist, wurde Henkel kürzlich zur Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kultur im Grünen-Landesverband Niedersachsen gewählt. „Die beschäftigt sich unter anderem mit Themen wie Angebotsunterschiede zwischen Stadt und Land und eine gelingende Kulturpolitik vor Ort“, berichtet die 45-Jährige. Es gehe aber auch um die Frage, wie alle soziale Schichten an Angeboten aus Kultur und Bildung teilhaben können.

Interesse am Thema LAndwirtschaft

Bei der Großmutter in Wiesede auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat Nicole Henkel eine feste Meinung bezüglich der Landwirtschaft: „Ich bin für die Abschaffung von Intensivtierhaltung und Monokulturen“, betont sie. Mit Förderung müsse es möglich werden, dass die Bauern Hafer und Dinkel anbauen. Ein Wandel in der Landwirtschaft sei nötig – hin zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Produktion von Lebensmitteln. „Die Landwirtschaft sehe ich als Teil des Problems, aber auch als Teil der Lösung.“ Aufklärung, Strategien und nachhaltige Entwicklungen mit den Landwirten auf Augenhöhe seien für sie selbstverständlich, erklärt die Friedeburger Ratsfrau. Das Tierwohl, aber auch ein Verbot von giftigen Pestiziden- und Herbiziden sieht die Politikerin als ein Muss ohne Kompromisse.

Besonders liegen Nicole Henkel Kultur und Bildung am Herzen. Beide Bereiche müssten für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein. „Besonders wichtig ist das Ehrenamt, ohne das vielfältige Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebote hier auf dem Land nicht möglich sind.“ Und da bezieht sie auch die Feuerwehren ein, denen „vernünftige Arbeitsbedingungen geschaffen“ werden müssten. Sie wolle sich für ein Bildungs- und Kulturangebot stark machen, das für jeden unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten erreichbar ist.

Mit dem Thema Gesundheit hat sich die Heselerin bereits besonders intensiv auseinander gesetzt – historisch, philosophisch und auf persönlicher Ebene. Henkel: „Meine überwundene Krebserkrankung bringt nicht nur Selbsterfahrung mit sich. So nervt mich derzeit die dramatische Unterversorgung von Fachärzten in unserem Wahlkreis, besonders in den Bereichen Gynäkologie, Geburtsbetreuung und Pädiatrie.“ Sie setzt sich für eine Erweiterung der psychologischen Beratungs- und Hilfeleistungen ein. Im Lokalen plädiert Nicole Henke für das Aufstellen von Luftfiltern in Klassenräumen. „Dafür könnte die Friedeburger Rathaus-Erweiterung noch etwas zurückstehen.“

Konfliktpotenzial in der Windenergie

Auch die LAG-Sprecherin weiß, dass die Gesellschaft hinsichtlich der Energiewende aus Klimaschutzgründen zu größten Veränderungen kommen muss. „Windparks – auch die Offshore-Entwicklung – müssen ausgebaut werden. Diese bergen aber auch ein großes Konfliktpotenzial“, weiß Nicole Henkel. Die Frage laute, wie man sozial und zugleich klimagerecht damit umgehen kann. Spannend seien die beabsichtigte „Drehscheibe Wasserstoff“ beim Untertagelager Storag Etzel und die Frage, wie diese Entwicklung die Landschaft und das Leben auf dem Land verändert. „Ich bin dabei für Transparenz und eine offene Diskussion.“

Zur Person

Nicole Henkel, Jahrgang 1976, war schon während ihrer Schulzeit in Wiesede bei der Greenpeace-Jugend aktiv und interessierte sich für Umweltschutz, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. So wirkte sie in der Kirchenarbeit mit. Nach dem Abitur in Aurich (1995) studierte sie in Göttingen Politik- und Kulturwissenschaften und arbeitete als Wissenschaftliche Assistentin mit den Schwerpunkten Tod und Gesundheit in der Gesellschaft sowie Frauen- und Kinderforschung.

Zu Forschungszwecken ging sie an die Universität von Cork, Irland, und legte den Magister und 2001 das zweite irische Staatsexamen ab. Innerhalb der zwölf Jahre auf der Insel arbeitete Nicole Henkel als Lehrerin an der Douglas Community School und absolvierte 2004 nach schwerer Krankheit in England, USA und Indien eine Ausbildung zur Yoga-Therapeutin. Acht Jahre betrieb sie in Cork eine Yoga-Schule und arbeitete danach in Madras als Lehrerin für Englisch und Yoga.

In Hesel lebt die Plattdeutsch sprechende Nicole Henkel mit Ehemann Eoin Murphy und drei Kindern seit 2014. Im Dezember 2020 wurde sie – von Doris Stehle ermutigt – Mitglied bei Bündnis 90 / Die Grünen und im vergangenen Herbst auf deren Liste in den Friedeburger Gemeinderat gewählt. Dort wirkt das Mitglied im Deutschen Naturschutzbund (BUND) als stellvertretende Ratsvorsitzende, Vorsitzende des Planungs- und Umweltausschusses.

Als Mitgründerin des neu formierten Grünen-Ortsverbandes Friedeburg wurde Henkel 2021 zur Sprecherin gewählt. Außerdem arbeitet sie neben Julia Roesler als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kultur im Grünen-Landesverband Niedersachsen. Als Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 87 Wittmund/Inseln wäre die Heselerin für den Landkreis Wittmund, die Städte Wiesmoor und Norderney sowie die Gemeinden Dornum, Baltrum und Juist zuständig

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wills Woche

BUCH DES AFD-SPITZENKANDIDATEN KRAH „Politik von rechts“? Politik gegen die Freiheit!

Alexander Will
Interview
Niels Bötel (Mitte) spricht mit seinen Spielerinnen. Der VfL Oldenburg hat die Bundesliga-Saison auf Rang sieben abgeschlossen und war beim Final-Four-Turnier dabei.

HANDBALL-TRAINER NIELS BÖTEL IM INTERVIEW „Meine Aufgabe beim VfL Oldenburg ist noch nicht erledigt“

Otto-Ulrich Bals
Kleine Kinder haben Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und Stillen. In Oldenburg wollen Hebammen Unterrichtsstunden zu diesen Themen in den vierten Klassen geben.

PILOTPROJEKT IN OLDENBURG Schwangerschaft, Geburt und Stillen – Was Grundschüler bei Hebammen lernen

Anja Biewald
Oldenburg
Analyse
Bundeskanzler Olaf Scholz besucht den Katholikentag in Erfurt

SPD-WAHLKAMPF ZUR EUROPA-WAHL Zieht der Kanzler im Osten?

Kerstin Münstermann Büro Berlin
Delitzsch
Blick in die Räucherkammer bei Aal Bruns in Kayhauserfeld: Marco Pawlik ist mit der Qualität zufrieden.

DELIKATESSE NACH ÜBERLIEFERTER REZEPTUR Woher kommt der Zwischenahner Aal?

Kerstin Schumann
Kayhauserfeld