HORSTEN - Etwa 20 interessierte Bürger aus Horsten und Umgebung waren zu einer Informationsveranstaltung über Naturschutzmaßnahmen auf dem ehemaligen Sprengplatz Zweiberge erschienen. In die Alte Pastorei in Horsten eingeladen hatten die Ökologische Nabu-Station Ostfriesland (ÖNSOF) und die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreis Wittmund.

Das Areal, das an diesem Infoabend näher betrachtet werden sollte, wird in Horsten allgemein 'Sprengberge' genannt. Es gehört naturräumlich zur Barger oder Horster Heide und ist eine nährstoffarme Heide- und Moorlandschaft. 'Solche Landschaften waren früher in unserer Gegend weit verbreitet und wurden meist extensiv durch Beweidung mit Schafen genutzt', berichtete Hinrich Frerichs von der Naturschutzbehörde. In seinem Vortrag ging er allgemein auf die historische Landnutzung ein. Er berichtete, dass es auf der Geest im Harlingerland im 19. Jahrhundert noch großflächige Schafbeweidung mit mehr als 19.000 Tieren gab.

Speziell ging Frerichs auf die Geschichte des zwischen Horsten und Marx gelegenen Heidegebietes ein. Nach der Beweidungsnutzung fand dort im 20. Jahrhundert Bodenabbau statt, und ein Flugplatzareal entstand. Ganz massiv war die Beeinträchtigung der Landschaft durch Munitionssprengungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Als später giftige Altlasten und verbliebene Munitionsreste festgestellt wurden, musste das Gebiet vor knapp 20 Jahren großflächig – auf etwa 7,5 Hektar – geräumt werden. Die nach dieser Maßnahme verbliebenen Sand-, Moor- und Gewässerflächen besiedelten sich in den darauffolgenden Jahren mit besonderen Pflanzengesellschaften. Auch stellten sich seltene Tiere ein, sodass auf dem einstigen Sprengplatz ohne viel Zutun schützenswerte Biotope entstanden.

Diese besondere Lebensgemeinschaft stellte im zweiten Vortrag des Abends Michael Steven, Leiter der Ökologischen Nabu-Station Ostfriesland, vor. Anschaulich ging er auf die seltenen und schützenswerten Arten der offenen Sandflächen, Heideflächen, Mooren und nährstoffarmen Stillgewässern ein. Beispielhaft seien die Heide-Seidenbiene, der Sandlaufkäfer und der Heide-Grashüpfer, Sand- und Grabwespen, Libellen, die Schlingnatter, Kreuz- und Knoblauchkröte, Filzkraut, Sonnentau, der Wasserschlauch und dort brütende Flussregenpfeifer genannt.

Langfristig können diese besonderen Lebensgemeinschaften aber nur existieren, wenn ihnen geholfen wird. Ansonsten würden sich – durch Samen- und Nährstoffeintrag – Busch- und Waldvegetation diese Biotope wiedererobern. Deshalb muss immer wieder einmal eingegriffen werden, so der Referent. Das kann, wie kürzlich passiert, durch Großmaschinen wie Bagger und Schlepper oder durch Pflegetrupps mit Motorsägen und Freischneidegeräten passieren. Die aus Naturschutzsicht notwendigen Maßnahmen, unerwünschten Aufwuchs von Gehölzen zu entfernen und Kleingewässer zu entschlammen, wurden den Anwesenden erläutert.

Künftig möchten der Landkreis und die Nabu-Station in einer Vor-Ort-Gebietsbetreuung mildere Verfahren praktizieren. Sie machen sich kulturhistorische Erfahrungen zunutze und werden die Flächen am Sprengplatz Zweiberge mit Tieren beweiden lassen. Unterstützt durch das Land Niedersachsen und ein Förderprogramm der Europäischen Union werden bald Ziegen auf den Flächen weiden. Auch als 'vierbeinige Heckenschere' bezeichnet, fressen Ziegen fast jedes Gehölz. 'Wo eine Ziegenherde weidet, kann eigentlich keine Verbuschung oder Bewaldung passieren', so Michael Steven. Sich im Heide- und Moorbiotop ansamende, besonders unerwünschte Pflanzen wie Balsampappel, Japanischer Knöterich, Douglasie und Spätblühende Traubenkirsche würden von Ziegen sofort abgeweidet. Nach einer derartigen 'Grundinstandsetzung' könnte in den nächsten Jahren dann periodische Schafbeweidung mit Heid- oder Moorschnucken folgen.

Für das Beweidungsprojekt seien die Flächen allerdings einzuzäunen, so der Referent. Trotz Zaun hätten durch spezielle Tore Spaziergänger aber weiterhin Zugang. In beweidungsfreien Zeiten ist auch an größere Zaunöffnungen gedacht. Die Abschlussdiskussion ergab, dass die Veranstaltung notwendig gewesen ist, um die Hintergründe der Maßnahmen zu verstehen und angeregt zu werden, aktiv mitzumachen.

Die Veranstalter begrüßten, dass naturinteressierte Spaziergänger besondere Tierbeobachtungen oder Störungen im Biotop dem Landkreis oder dem Nabu mitteilen wollen.