REEPSHOLT - Mäher gehen nicht, wenn Herbst ist und die Gedanken an einem sonnigen, aber doch recht frischen Morgen langsam Richtung Ofen streifen, vor dem man gerne die Winterabende verbringen wird. Kein Gebot für Mäher und auch nicht für die tolle Edelstahl-Waschbeckenarmatur. Was Gutes wollen die Leute nicht, muffelt Auktionator Werner Herden scherzend in seinen Schnurbart. Er geht von einem Anhänger zum anderen, und die Traube Menschen folgt ihm. So wie jedes Jahr beim Herbstmarkt in Reepsholt, bei dem die Auktion viele Menschen zusammenkommen lässt.
'Hier trifft man so viele Bekannte', sagt Horst Tjaden aus Eversmeer, und sein Freund Bertold Eilers fügt hinzu: 'Es ist einfach interesssant.' Die Männer kommen jedes Jahr nach Reepsholt, aber nicht nur zum Gucken. Diesmal hat Horst einige Kisten Kaffeebecher, Mokkatassen und Gläser gekauft. Jetzt braucht er nicht mehr so oft abwaschen, meint er.
Einer, der nicht nur an seinen Ofen denkt, sondern auch an die seiner Familie, ist Christian Willms aus Roggenstede. Sein nagelneues 25 Meter langes Seil kostete pro Meter einen Euro. 'Wirklich günstig', sagt er froh. Zum 'Luken' der Bäume braucht er das Arbeitsgerät, wenn es ans Holzholen geht. Da müsse man gutes Werkzeug haben.
Insa und Helfried Janssen aus Sandelermöns haben Inge und Eduard Albers getroffen, die Eltern von Insa. Sie genießen die Ruhe im Teezelt der Landfrauen, denn wenn die Auktion erst mal vorbei ist, wird es voll in den Zelten und an den Buden. 'Da muss man einfach immer wieder probieren', schmunzelt Insa über die Vielfalt der selbst gebackenen Kekse. 'Das ist Tradition, hier zu sein', meint ihr Mann. Eduard Albers tut seine Erinnerungen an frühere Reepsholter Herbstmärkte kund, der rüstige Rentner aus Friesland scheint immer Spaß gehabt zu haben.
In der langsam kräftiger scheinenden Sonne macht es Spaß, über das Gelände zu laufen, sich beim Landvolk über die Herbstarbeiten zu informieren, der Live-Musik an der Klosterschenke zu lauschen oder in den herbstlichen Angeboten der Firmen zu stöbern.
Auch die vielen Flohmarkt-Händler haben Glück und genießen den schönen Herbsttag unter den großen Bäumen. Der Reepsholter Naturfreund Relef Haxsen schält in Seelenruhe vor dem Zelt der Landfrauen Äpfel aus seinem Garten mit einer speziellen Schälmaschine, die den Apfel in hübsche Spiralen schneidet, die gerne im Weitergehen verzehrt werden. Wer es hören will, dem erzählt er Wissenswertes über Obstbäume und wie man sie beschneidet, damit sie gut tragen.
Viele Reepsholter in Gruppen oder auch Einzelpersonen sorgen mit ihren Ideen für eine Vielfalt, die einen Besuch auf dem Herbstmarkt zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Wer nichts bei der Auktion gefunden hat, schlägt vielleicht bei der Bude der Dorfgemeinschaft zu. Hier gibt es frisch zubereiteten Eierlikör in witzigen Behältern. 'Den machen wir jetzt seit vielen Jahren für den Herbstmarkt in Reepsholt', sagt Frauke Heeren, Dorfgemeinschaftsvorsitzende.
