Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Bauausschuss Straße erhält Namen des Reepsholter Schulleiters Gerhard Eckhoff

Reepsholt - Auch wenn Grünen-Ratsfrau Doris Stehle nichts von einem „Personenkult“ hält, wie sie in der Sitzung des Friedeburger Bauausschusses sagte, so ist doch die Mehrzahl der Politiker dafür, die geplante Straße im Reepsholter Neubaugebiet „Nördlich der Frieslandstraße“ gegenüber der Alten Pastorei nach einem Mitbürger zu benennen, der im 20. Jahrhundert das Miteinander im Dorf geprägt hat. Stehle hingegen plädierte für eine naturbezogene Bezeichnung.

„Er war ein Kümmerer“

Ortsvorsteherin Frauke Heeren (CDU) hatte den Namen Gerhard-Eckhoff-Straße nach gründlicher Recherche und Gesprächen mit der Familie vorgeschlagen und empfand diesen Vorschlag als sinnvoll. „Er ist ein Mann der ersten Stunde, ein Kümmerer“, unterstrich sie. Und: „Er war einer, der sich um die kleinen und großen Sorgen der Menschen in seinem Dorf gekümmert hat“, beschreibt Heeren den am 3. Juli 1922 in Dose geborenen Pädagogen, der später gerne Führungsaufgaben übernahm. Nach dem Besuch der Volksschule in Abickhafe und der Mittelschule in Wittmund ließ sich Gerhard Eckhoff an der Hochschule in Lunden/Schleswig zum Lehrer ausbilden und wurde 1941 zum Kriegsdienst eingezogen.

Zur Nachahmung empfohlen

Kommentar: Zur Nachahmung empfohlen Handelt es sich um Personenkult, wenn eine Straße nach einem engagierten Mitbürger benannt wird, wie es Ratsfrau Doris Stehle sieht? Auch wenn es sicher keine leichte Aufgabe ist, die richtige Wahl zu treffen, so kann die Benennung nach einem Zeitgenossen doch auch Wertschätzung für dessen herausragende Lebensleistung bedeuten.

Diese Form der Anerkennung kann den Menschen heute einen Anreiz bieten, sich – wie in diesem Fall der Reepsholter Gerhard Eckhoff – für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl einzusetzen. Sei es kommunalpolitisch, in kulturellen Projekten oder mit sozialen Aufgaben.

Derartiges Engagement ist zur Nachahmung empfohlen. Und: Straßenbenennungen nach Persönlichkeiten konservieren immer auch ein Stück lokaler Identität für nachfolgende Generationen.

Nach Gefangenschaft kam er 1946 als Lehramtsanwärter an die Volksschule Reepsholt. Nach weiteren Prüfungen und der Befähigung zum Englischunterricht wurde Eckhoff 1949 zum Lehrer ernannt und 1953 Beamter auf Lebenszeit. Nachdem er ab 1965 als Konrektor beschäftigt worden war, übernahm er für die Jahre 1976 bis zur Pensionierung 1984 die Stelle des Schulleiters und Rektors. Ganze Generationen von Reepsholtern saßen auf seinen Schulbänken; mehr als 38 Jahre wirkte der Reepsholter als „Schulmeister des alten Schlags“. Bekannt war er wohl für Güte und Verständnis, aber auch für ein gewisses Maß an Härte und Strenge.

Erst Ortsvorsteher

Als politischer Mensch blieb es nicht aus, dass Gerhard Eckhoff auch an anderer Stelle Führungsaufgaben übernahm: Ab 1964 als Reepsholter Bürgermeister und im Anschluss nach der Gemeindegebietsreform ab 1972 als Ortsvorsteher für Reepsholt/Hoheesche. 19 Jahre wirkte er als Bürgermeister-Stellvertreter in der Einheitsgemeinde Friedeburg, als Kreistagsabgeordneter in Wittmund, als CDU-Fraktionsvorsitzender im Friedeburger Gemeinderat und als langjähriger Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Friedeburg.

Als Ratsmitglied gestaltete und prägte Gerhard Eckhoff insbesondere die Schulentwicklung in der Gemeinde Friedeburg mit. „Er hat sich uneigennützig und mit großer Einsatzbereitschaft in den Dienst der Kommunalpolitik gestellt. Mit seiner Tatkraft und Durchsetzungsvermögen hat er viele Entwicklungen positiv beeinflusst“, erinnert sich Hillrich Reents, der zum Zeitpunkt des Todes Eckhoffs, 21. Januar 1998, Bürgermeister war. „Im Gemeinderat wurde seine sachliche und überzeugende Mitarbeit sehr geschätzt.“ Selbst seine politischen Gegner schätzten seine ruhige Art.

Engagiert für Landkreis

Ebenfalls von 1964 bis 1991 gehörte er dem Wittmunder Kreistag an und lieferte dort insbesondere im Schul-, Sport- und Kulturausschuss offenbar wertvolle Impulse. Zwölf Jahre fungierte Gerhard Eckhoff als stellvertretender Landrat und vertrat den Kreis in diversen Gremien außerhalb des Kreistags. Er engagierte sich in zahlreichen weiteren Gremien wie im Vorstand des Europahauses Aurich, im Beirat der Kreismusikschule und im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Wittmund. Die Leistungen des Reepsholter Pädagogen wurden mit dem Ehrenwappenteller der Gemeinde (1977), dem Bundesverdienstkreuz am Bande (1984) und der Dankesurkunde des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes gewürdigt.

In seiner zurückhaltenden Art stand Eckhoff nie im Vordergrund, aber voll im Mittelpunkt des dörflichen Lebens. So brachte er sich in zahlreichen anderen Institutionen und Vereinen aktiv mit. Die Leidenschaft für das Schützenwesen führte dazu, dass Eckhoff ein Vierteljahrhundert lang den örtlichen Schützenverein leitete. Mit der Herausgabe des Buches „Lebenserinnerungen des Pastoren de Boer“ und durch Beiträge in Dorf- und Vereinschroniken half er, die Geschichte seines Dorfes für die Nachwelt zu erhalten. Für damalige Zeiten ungewöhnlich: Für Mitbürger organisierte er Urlaubsreisen.

Mit seiner Ehefrau Alice, die er 1949 geheiratet hatte, bekam er die Kinder Christa, Wilko und Richard. Sie genoss als langjährige Vorsitzende des Landfrauenvereins und Mitglied des Kirchenvorstandes der Mauritius-Kirchengemeinde Reepsholt ähnlich große Beliebtheit und besaß einen hohen Bekanntheitsgrad im Dorf.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden