WIESEDERMEER - 'Schön, dass es euch wieder gibt', rief In-grid Sims aus Marcardsmoor Anita Fabricius zu, als sie mit einem Blumenstrauß in der Hand im Januar 2011 den wiedereröffneten Milchladen betrat, der seither unter der Bezeichnung 'Ostfrieslandmilch' geführt wurde. Doch die neue Ära währte nicht sehr lange – das Geschäft ist seit Weihnachten vergangenen Jahres geschlossen.
'Um dem internationalen IFF-Food-Standard entsprechen zu können, der von unseren Kunden gefordert wird, benötigen wir diese Fläche, um ein Labor einrichten zu können', erklärte Claus Wiegert, Inhaber des Unternehmens Ostfrieslandmilch, auf Nachfrage des HARLINGER . Nach dem Food-Standard würden zusätzliche chemisch-physikalische und bakterielle Untersuchungen von Rohmilch und Endprodukten gefordert, was einen vergrößerten Raumbedarf innerhalb der Wiesedermeerer Produktionsstätte erfordere – im Hauptwerk in Velen werden diese vorgeschriebenen Laboruntersuchungen bereits seit fünf Jahren vorgenommen. In diesem Zusammenhang werden für das Labor zwei weitere Mitarbeiter eingestellt, so dass das Team um die Werksleiter Johann Fabricius und Dirk Dübbelt auf 18 Personen, darunter fünf Fahrer, steigt.
Zudem, so Claus Wiegert, sei es nach aktuellen hygienischen Bestimmungen nicht mehr gestattet, dass betriebsfremde Personen Zugang zu den Produktionsräumen haben. Man sei nicht umhin gekommen, aus wirtschaftlichen Gründen 'Eigenbedarf' anzumelden. 'Dieser Schritt bedeutet letztendlich auch eine Standortsicherung für das Werk in Wiesedermeer', betont Wiegert, der bedauert, dass der Milchladen nicht weiterbetrieben wird. Man habe Anita Fabricius eine Verkaufsmöglichkeit außerhalb des Molkereigebäudes und das Bereitstellen der Molkereiprodukte angeboten.
Anita Fabricius, die zusammen mit ihrem Team fast drei Jahre lang in beruflicher Selbstständigkeit ein Sortiment aus Frischmilch, Käse, frischer Sahne, der hauseigenen Sauerrahmbutter, Buttermilch, loser Butter, Joghurt und vielen Sorten Käse anbot, hätte einen Verkaufswagen betreiben können. 'Doch das kommt wegen der vielen Handarbeit beim Verpacken der losen Produkte nicht in Frage – das ist einfach zu aufwendig', erläutert sie. Den bekannten Frischestandard zu halten, bereite einen erhöhten Aufwand, der in einem Verkaufswagen nicht leistbar sei.
Wegen der hohen Qualität der Milchprodukte und des Sortiments hatten Bürger teils langen Anfahrtswege in Kauf genommen. Der Milchladen war bislang wirkungsvoller Bestandteil der Außenwerbung. Keine Frage, dass die Kunden jetzt enttäuscht reagierten, als sie unverhofft vor verschlossener Geschäftstür standen. Das Milchgeschäft hatte bis Ostern 2010 bereits die Molkereigenossenschaft Wiesedermeer viele Jahre lang als Abteilung betrieben.
