Jeverland - Das war ein hartes Wochenende für die Gastronomie in Friesland: Die Testzentren überlaufen, viele Gäste verwirrt – am Samstag galt im Landkreis erstmals die 2G plus-Regel für die Gastronomie. „Ein Albtraum“, sagt Mario Krar, Chef des „Leuchtfeuers“ in Horumersiel. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Landkreis nicht im Hauruck-Verfahren vorprescht, sondern uns einen Vorlauf gewährt – ab Mittwoch gilt doch ohnehin 2G plus in ganz Niedersachsen“, sagt er.
So mussten er und viele andere Gastronomen am Donnerstagnachmittag, als der Landkreis die Inhalte seiner neuen Allgemeinverfügung bekannt gab, ganz schnell neu organisieren. „Wir hatten zum Glück noch einige Selbsttests da“, berichtet Krar. Und so konnten er und sein Team alle Gäste, die ohne Test dastanden, mit dem beaufsichtigten Selbsttest samt Bescheinigung versorgen. „Die Gäste haben das mit Fassung getragen.“
„Aufwand enorm“
Allerdings: „Verschenken können wir die Testkits nicht. Wir müssen das berechnen“, betont er. Denn der Aufwand sei enorm: Nicht nur, dass ein Raum für die Selbsttests unter Aufsicht geschaffen werden muss – „bei dem Wetter können wir das ja nicht vor der Tür machen“ –, auch Personal muss bereit stehen. „Und personell ist es in allen Gaststätten mehr als eng“, so Krar. Sein Fazit: „Die Selbsttests unter Aufsicht könnten für uns Gastronomen ein Lösungsansatz sein – wenn der Aufwand nicht so groß wäre.“
Ähnlich hat es am Wochenende der Schützenhof in Jever gehandhabt – es galt, schnell Tests für eine Reisegruppe zu organisieren, was Dank Kooperation mit einer Apotheke dann auch funktioniert hat.
Dehoga: kaum umsetzbar
Die Dehoga Jever-Jeverland kritisiert die Einführung von 2G plus in Friesland deshalb scharf: „Und wieder hat die Gastronomie das Nachsehen“, sagen die Vorsitzenden Carsten Neumann und Jens Hinrichs: „Für unsere Betriebe ist es heute schon schwer genug. Diese neue Verordnung ist in vielen Betrieben gar nicht umsetzbar. Einen zusätzlichen Raum für die Tests und auch zusätzliche Mitarbeiter hat keiner mehr zur Verfügung. Die 2G-Regelung hat schon dafür gesorgt das Weihnachtsfeiern abgesagt wurden. 2G plus hat uns jetzt den Rest gegeben und dafür gesorgt, dass wir jetzt eine Absagequote von über 80 Prozent haben. Das bringt uns wieder in die Situation, was wir mit unseren Mitarbeitern machen sollen. Für die paar Gäste die noch kommen, brauchen wir nicht die volle Besetzung. 2G plus kommt einem erneuten Lockdown gleich“, so Hinrichs und Neumann.
So funktioniert der Selbsttest nach dem Vier-Augen-Prinzip: Man erkundigt sich vorab in der Gaststätte, im Veranstaltungsort, Sporthalle und überall, wo 2G plus gilt, ob ein beaufsichtigter Selbsttest möglich ist.
Leider sind mittlerweile Selbsttests in Drogeriemärkten, Apotheken und anderen Geschäften in Friesland wohl nur noch schwer zu bekommen. Im Großhandel gibt es sie noch – die Preise haben angezogen auf 4 bis 5 Euro pro Test.
Allerdings gibt es auch Gastronomen, die die Selbsttests unter Aufsicht als gute Möglichkeit sehen, den Betrieb aufrecht zu erhalten: So hat etwa das „Haus der Getreuen“ in Jever bereits am Samstag in seinem Weihnachtszelt eine feste Teststelle eingerichtet – für selbst mitgebrachte oder dort gekaufte Tests. Denn: „Man muss flexibel sein in der jetzigen Zeit.“
Auch die Seemannskneipe „Lands End“ in Schillig und zahlreiche weitere Gaststätten bieten den Selbsttest nach dem Vier-Augen-Prinzip an – natürlich gegen Gebühr.
