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Schortenser Hausarzt startet Infokampagne für Organspende 36-jährige Mutter lebt nun mit Spenderherz

Angelique Kozlowski
Die Kinder- und Hausarztpraxis in Schortens führte eine Informationskampagne zum Thema Organspende durch.

Die Kinder- und Hausarztpraxis in Schortens führte eine Informationskampagne zum Thema Organspende durch.

Angelique Kozlowski

Schortens/ oldenburg - Sie hat nie geraucht, hat kein Übergewicht und trieb regelmäßig Sport – trotzdem hatte Corinna Osterhues ein schwaches Herz. „Eines Tages merkte ich, dass mir das Treppensteigen in unserem Altbau schwer fiel und ich immer müde und kaputt war“, erzählt die junge Oldenburgerin. Der Tag, der ihr Leben veränderte, ist nun fast drei Jahre her: Corinna Osterhues, heute 36 Jahre alt und Mutter dreier kleiner Kinder, war mit dem Fahrrad auf dem Weg zu ihrer Freundin, als sie merkte, dass irgendwas nicht stimmte. „Durch meine Smartwatch bemerkte ich, dass meine Herzfrequenz verrückt spielt. Da bin ich sofort zum ärztlichen Notdienst gefahren, dort wurde gleich ein EKG durchgeführt“, sagt Corinna Osterhues. Die Oldenburgerin wurde ins Klinikum gebracht, wo sie kollabierte. „Ich wurde reanimiert und mit dem Rettungshubschrauber in das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen geflogen.“ Während des Hubschrauberflugs musste eine Extrakorporale Membranoxygenierung gelegt werden, da sich ihr Zustand verschlechterte.

Banges Warten

„Leider konnte mir nicht sofort ein Spenderherz transplantiert werden, da ich anfangs zu viele Antikörper hatte, die dann bei einer Transplantation andere Organe angegriffen hätten. Ein Kunstherz war zu breit“, berichtet Corinna Osterhues. Daraufhin versuchten die Ärzte die Antikörper zu senken. Als der Wert wieder stimmte, wurde sie auf die Liste mit hoher Dringlichkeit gesetzt und musste bis zur Transplantation im Krankenhaus bleiben – insgesamt fünfeinhalb Monate. Nach der Herztransplantation wurde Corinna Osterhues erst zwei Wochen später von der Vollnarkose wach, da sie unter dem posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndrom litt. Des Weiteren konnte sich die Mutter in Folge eines Rückenmarksinfakts erstmals nicht bewegen. „In meinem Krankenhauszimmer hatte ich Bilder von meinen Kindern hängen. So wurde ich immer daran erinnert, weshalb ich durchhalte.“ Mittlerweile ist die Bewegungskraft der 36-jährigen wieder teilweise da. Um ihre ganze Bewegungskraft wieder zu erreichen, geht die Mutter regelmäßig zur Physiotherapie. Es gibt immer noch Tage, da geht es mir gar nicht gut und dann bleibe ich den ganzen Tag im Bett“, sagt Osterhues.

Berührende Geschichte

Der Schortenser Allgemeinmediziner Dr. Markus Ennen hatte von der Leidensgeschichte der jungen Mutter zufällig erfahren: An der Uni Oldenburg arbeitet Ennen zusätzlich als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Allgemeinmedizin. „Als ich Corinnas Geschichte hörte, war mir sofort klar, dass die Menschen mehr über Organspende aufgeklärt werden müssen.“ So startete in der Schortenser Kinder- und Hausarztpraxis startete Ende Januar eine Infokampagne. Auch die herztransplantierte junge Mutter wurde in die Praxis eingeladen. Dort berichtete sie den anderen Mitarbeitern von ihrer Geschichte.

Die Oldenburgerin ist überzeugt, dass die Zahl der Organspender steigen muss und ihre Geschichte hoffentlich dabei helfen kann. „Ich habe kein Problem damit, ganz offen mit den Menschen über meine Transplantation zu sprechen“, sagt Corinna Osterhues. „Ich bin froh ein neues Herz bekommen zu haben. Viele vergessen immer, dass die Wahrscheinlichkeit viel größer ist, einer Organspende zu benötigen, als selbst ein Organ zu spenden.“

Entscheidung treffen

So hatten Ennen und sein Team in ihrer Praxis einen Infopunkt aufgestellt, an dem die Patienten wichtige Zahlen, Fakten und Hintergründe zum Thema Organspende erhalten, dazu wird das Thema im Arzt-Patienten-Gespräch auch weiterhin angesprochen, „Damit man sich damit einfach mal auseinandersetzt“, so Ennen. Auch Ennens 19-jähriger Sohn unterstützte die Infokampagne in der Praxis. „Ich habe meinem Sohn davon erzählt und er wollte sofort mitmachen. Durch ihn haben wir auch jüngere Menschen mit der Kampagne zur Organspende erreicht.“

„Viele Patienten hatten schon über Organspende nachgedacht, allerdings das Thema wieder aus den Augen verloren“, sagt der Allgemeinmediziner. „Durch die Kampagne gab es keine Ausrede mehr.“ Auch das Team wurde durch die Informationskampagne zusammengeschweißt. „Oft haben wir uns über die geführten Gespräche noch ausgetauscht und sind der Meinung, dass die Aktion Kreise schlagen werden.“ Das Thema Organspende soll auch zur Gesundheitsvorsorge angesprochen werden. „Es muss sich keiner in der Praxis entscheiden, doch finde ich es wichtig, dass man sich für oder gegen das Organspenden entscheidet“, so Ennen. Viele wälzen diese Entscheidung noch auf ihre Angehörigen ab. Die sollten wissen, wie man sich in dieser Frage entschieden hat.“

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