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Pogrom-Gedenken auf jüdischem Friedhof in Schortens „Erinnern, um für die Zukunft zu lernen“

Der SPD Ortsverein Schortens hatte sich mit weiteren Teilnehmern am 84. Jahrestag der November-Pogrome zu einer Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof an der Menkestraße versammelt.

Der SPD Ortsverein Schortens hatte sich mit weiteren Teilnehmern am 84. Jahrestag der November-Pogrome zu einer Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof an der Menkestraße versammelt.

Oliver Braun

Schortens - „Beim Gedenken und Erinnern kann es nicht nur darum gehen, daran zu erinnern, was in der Vergangenheit war. Aus dem Erinnern müssen wir unsere Lehren für die Zukunft ziehen“, sagte Kreistagsvorsitzender Jannes Wiesner am Jahrestag der Novemberpogrome auf dem Jüdischen Friedhof in Schortens. „Mit dem Erinnern an die Gräuel und das unvorstellbare Leid der Opfer können wir dafür sorgen, dass sich solche Taten nicht wiederholen.“

Dunkelstes Datum

Die Schortener SPD hatte am Mittwoch mit einer Gedenkveranstaltung an die Pogromnacht vor 84 Jahren erinnert. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten in Deutschland hunderte Synagogen angezündet und jüdische Geschäfte geplündert. Die Pogrome gelten als Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland. Hass und Terror gegen Juden brachen sich Bahn. Das Datum ist eines der dunkelsten der deutschen Geschichte.

„Das wichtigste an diesem Gedenken ist nicht das ritualisierte Zusammenkommen. Es muss ein Auftrag für die Zukunft sein, damit sich die Taten des 9. November 1938 sich niemals wiederholen. Die Geschehnisse jenes Tages und jener Nacht vor 84 Jahren sind kein losgelöstes historisches Ereignis oder einen unvorhersehbaren Zivilisationsbruch“, sagte Wiesner vor rund 30 Teilnehmern der Gedenkveranstaltung. „Es war eine ganze Periode von Hass, Gewalt und Ausgrenzung, die diese Taten erst möglich gemacht haben. Und auch jetzt leben wir in einer Zeit, in der Gewalttaten wieder zunehmen gegen Menschen, die einer bestimmten Religion zugehören, die eine andere sexuelle Orientierung haben, eine andere Sprache sprechen oder eine andere Hautfarbe haben.“ Das Erinnern sollte sich daher nicht allein auf einen Tag wie den 9. November beschränken, so Wiesner.

Beschämende Vergleiche

Anna Schoof, Achtklässlerin der Integrierten Gesamtschule Friesland-Nord in Schortens, ergriff auf der Gedenkveranstaltung ebenfalls das Wort: Der Antisemitismus hatte bereits viele Jahre die Köpfe der Menschen vergiftet. Der 9. November 1938 markierte das Datum des Beginns eines noch viel größeren Leidens der Juden, das noch folgen sollte, so die Schülerin. „Auch wenn meine Generation diese Verbrechen nicht begangen hat, so haben wir doch die Verantwortung dafür zu sorgen, dass sich dieses Grauen niemals wiederholt.“ Wir gedenken der Opfer, um zu lernen, sagte Anna Schoof. Alle, die des Gedenkens müde sind, haben leider nimmer noch nicht verstanden, wie präsent unsere Vergangenheit gerade heute noch ist. Die Verbrechen der Nazis mit Corona-Schutzmaßnahmen zu vergleichen, relativiere den Nazi-Terror, sei beschämend und geschichtsvergessen.

Pogrom-Gedenken gab es am späten Nachmittag und frühen Abend auch in Jever am Gröschler-Haus und in der Synagoge in Neustadtgödens.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever
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