Mariensiel - Nach einem Schlaganfall vor etwa drei Jahren kämpft Claus Janssen Stück für Stück dafür, wieder etwas beweglicher zu werden. Um diese Mobilität zu üben, bringt seine Frau Monika den benötigten Rollstuhl häufiger mal ein Stück entfernt an eine Stelle, wo er nicht stört und beispielsweise am Rand des Gehwegs steht. Anschließend kommt sie wieder nach Hause, unterstützt ihren Mann beim Laufen, bis sie gemeinsam den Rollstuhl erreicht haben.
Das hat immer gut geklappt – bis vor wenigen Tagen. Denn da war der abgestellte Rollstuhl plötzlich einfach weg. Das für Claus Janssen wichtige Hilfsmittel war gestohlen worden. Später wurde der Rollstuhl an anderer Stelle wieder gefunden – defekt.
Spaziergänge als Training
„Wer macht so was? Und warum?“, fragt sich Claus Janssen im Gespräch mit unserer Redaktion. In dem kleinen Sander Ortsteil Mariensiel leben gerade mal 350 Menschen. Hier kennt jeder jeden, auch Claus und Monika Janssen, die schon seit Jahrzehnten hier zu Hause sind, sind gut bekannt. „Die meisten wissen, dass ich einen Rollstuhl habe“, sagt der 80-Jährige. Seit einem Schlaganfall vor rund drei Jahren hat er eine halbseitige Lähmung zurückbehalten, gegen die er mit viel Willenskraft angeht. Das Sprechen musste er neu lernen, bei der Bewegung geht es Schritt für Schritt. „Ich will erreichen, dass ich wieder mit einem Rollator laufen kann“, sagt er voller Ehrgeiz. Ein gutes Training sind dabei die kleinen Spaziergänge mit Hilfe seiner Frau.
Vorfall am 1. Mai
Doch zurück zu dem Vorfall: Am Maifeiertag war das Ziel der Janssens das alte Siel. „Ganz schaffe ich das nicht mit der Gehilfe, dann bringt meine Frau den Rollstuhl schon vor, platziert ihn an einem sicheren Ort – so dachten wir bisher. Und früher hat das auch immer geklappt“, berichtet der Mariensieler. Doch diesmal dann die böse Überraschung: Der abgestellte Rollstuhl war verschwunden.
Zum Glück hatte eine Passantin Kinder mit dem Rollstuhl gesehen und konnte Hinweise geben, wo der Rollstuhl geblieben war. So kam Claus Janssen wenigstens wieder nach Hause – wenn auch ein Teil vom Rollstuhl abgebrochen und eine scharfe Kante entstanden war.
„Mangelnder Respekt“
„Wie kommen Kinder dazu, einen Rollstuhl einfach mitzunehmen?“, fragt sich Claus Janssen. „Mangelnder Respekt vor anderen Menschen und dem Eigentum anderer“, mutmaßt er. „Warum lässt man Dinge, die einem nicht gehören, nicht einfach in Ruhe?“, fragt er sich. Sicher könnte ein leerer Rollstuhl am Straßenrand auch mal für Verwirrung sorgen, weil jemand einen Unfall vermuten könnte, wo gar keiner passiert ist, gibt Janssen zu. Doch das sei tatsächlich bisher noch nie passiert.
Der Rollstuhl wurde mittlerweile von einer Fachfirma wieder repariert. Ihre Gehübungen mit einem in überschaubarer Entfernung abgestellten Rollstuhl machen die Janssens aber seit dem Erlebnis nicht mehr.
Ob er die Kinder zur Rede stellen will? „Ich glaube nicht, dass das Sinn macht. Ich habe über das Ganze schon mit Erwachsenen gesprochen und zu hören bekommen: Wieso, der war ja auch unbeaufsichtigt. Wenn schon Erwachsene meinen, dass man sich Dinge, die unbeaufsichtigt sind, einfach nehmen kann, wo kommen wir denn da hin? Ich wünsche mir dringend wieder mehr Respekt vor dem Eigentum anderer“, sagt Claus Janssen.
