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Agrarforum der Volksbank Jever Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Wirtschaft

Melanie Hanz
Volksbank Agrarforum „Bauernfrühstück“ mit Silvia Breher

Volksbank Agrarforum „Bauernfrühstück“ mit Silvia Breher

Melanie Hanz

Jever - Sie wollen sich künftig nur noch miteinander und nicht in Konkurrenz zueinander aufstellen, ihre Kompetenzen und Ressourcen bündeln und zur Erfüllung ihrer Aufgaben arbeitsteilig vorgehen: Der Kreislandvolkverband Friesland und der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) haben am Donnerstag beim Agrarforum der Volksbank Jever intensive Zusammenarbeit vereinbart. „Die gesellschaftlichen Erwartungen an Wirtschaft und Landwirtschaft sind riesig – da macht der Schulterschluss Sinn“, sagte Volksbank-Vorstandsvorsitzender Michael Engelbrecht, warum er diese Kooperation gefördert hat.

Hohe Erwartungen

Artenschutz und Tierwohl, Naturschutz und Versorgungssicherheit, stark schwankende Marktpreise, ausufernde Bürokratiekosten – die Landwirtschaft hat eine Menge Erwartungen zu erfüllen und Herausforderungen zu meistern, stellte Engelbrecht dem so genannten Bauernfrühstück voran. Dabei werde die Landwirtschaft stets als „spezieller“ Wirtschaftszweig wahrgenommen. Und das ist nach Ansicht von Silvia Breher, stv. Bundesvorsitzende der CDU, auch sinnvoll: „Würde die Landwirtschaft nicht mehr im Landwirtschafts-, sondern im Wirtschaftsministerium angesiedelt, fände sie in der Öffentlichkeit gar nicht mehr statt“, sagte sie. Stattdessen könnte sie sich aber gut vorstellen, Landwirtschaft und Umwelt in einem Ministerium zu vereinen, denn: „Wir müssen diesen Konflikt lösen.“

Für die Sache streiten

Die 48-Jährige aus dem Oldenburger Münsterland, Rechtsanwältin, ehemalige Geschäftsführerin des Kreislandvolkverbands Vechta, jetzt für die CDU im Bundestag, sprach vor Landwirten, Landfrauen, Vertretern der Städte und Gemeinden des Jeverlands über „Landwirtschaft und Gesellschaft“.

Dieses Verhältnis ist in den vergangenen Jahren schwierig geworden. „Die Erwartungen der Gesellschaft an Landwirtschaft sind riesig – warum? Weil die meisten Menschen keine Ahnung von Landwirtschaft haben“, sagte Breher, selbst auf einem Hof aufgewachsen.

Als Beispiel nennt sie die Glyphosat-Debatte: „In einem Gespräch wurde mir gesagt: dass die Landwirte mit Glyphosat die Bienen totspritzen, geht doch nicht.“ Genau so informiert seien aber viele Deutsche „und die Politik setzt dann eben um, was d i e Gesellschaft denkt.“


Faktor Preis

Heißt auf der anderen Seite: Die Landwirtschaft muss sich viel intensiver für ihre eigene Sache engagieren, fordert Silvia Breher.

Insofern habe sie sich 2019 sehr über den Bauernprotest in Berlin gefreut: „Endlich wird Landwirtschaft mal sichtbar.“

„Wir stehen für Versorgungssicherheit“

„Wenn ich heute 20 wäre – ich würde wieder Landwirt werden“: Hartmut Seetzen, Kreislandwirt Frieslands, macht sein Beruf viel Spaß. „Denn Landwirtschaft ist innovativ und entwickelt sich stetig weiter.“ Und obwohl es vieles gebe, was auch ihm keinen Spaß macht: „Es geht immer weiter“, betonte er beim Bauernfrühstück der Volksbank Jever.

Er warf einen Blick auf Versorgungssicherheit: „Uns ist bewusst, dass zur Versorgungssicherheit mit Erdgas über unsere Ländereien quer durch Friesland zügig eine Pipeline gebaut werden muss – und daran haben auch wir Interesse.“ Denn die Schlachthöfe und Molkereien gehören nicht zu den Betrieben, die ganz oben auf der Versorgungsliste stehen, wenn Gas tatsächlich zu knapp wird um alle zu versorgen.

Der Rahmenvertrag zum Pipeline-Bau enthalte aber natürlich auch finanzielle Leistungen: „Natürlich muss es bei Schäden für Flächeneigentümer und Landwirte eine Entschädigung geben“, betonte Seetzen.

Und genau so müsse sich ein Mehr an Aufwand durch Tierwohl- und Umweltschutz-Auflagen in der Produktion natürlich auch in den Preisen niederschlagen. „Wir Landwirte stehen seit den 50er/60er Jahren für Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln – doch offensichtlich ist das nun nicht mehr gewünscht“, so Seetzen mit Blick auf die EU-Auflage, pauschal nur noch die Hälfte Pflanzenschutzmittel auszubringen – für den Klimaschutz.

Seetzen zufolge bedeutet das praktisch, dass statt 2 Litern Diesel pro Hektar zum Spritzen künftig 20 Liter Diesel pro Hektar verfahren werden. Denn das mechanische Unkrautjäten müsse dann eben deutlich öfter geschehen. „Immerhin sind wir bei solchen Auflagen der Politik aus der Verantwortung raus“, sagte der Kreislandwirt. Und: „Am Ende des Tages werden wir für eine kleinere Ernte mehr Geld verdienen“, prognostiziert er zudem noch. Denn die Preise für die qualitativ hochwertigen deutschen Produkte werden zwangsläufig steigen, ist Seetzen überzeugt.

Ein Muss für die Branche ist nach Ansicht der CDU-Politikerin die Einführung des Tierwohllabels und die Herkunftskennzeichnung – das fordert die Landwirtschaft seit Jahren. „Nur dadurch können wir den Mehrwert der Produkte aus deutscher Herstellung deutlich machen“, betonte sie.

Und ebenso wichtig: der Faktor Preis. „Geforderte Veränderungen sind noch nie an der Landwirtschaft gescheitert. Aber der Preis muss stimmen“, betonte sie. Hohe Tierwohlstandards, Naturschutzauflagen, weniger Mineraldünger- und Pflanzenschutzmittel-Einsatz: All das muss sich auch in höheren Preisen für die Produzenten niederschlagen.

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