Sande - Die riesigen Trecker, voll beladen mit Schotter, die derzeit durch Sande fahren, sind nicht zu übersehen. Ihre Aufgabe ist es, immer wieder das Gleisbett zwischen dem Bahnhof Sande und dem Ems-Jade-Kanal anzufahren und dort den Schotter aufzunehmen. Die Bahn hat damit begonnen, das Schotterbett der früheren Gleisanlage abzutragen.
Rückbau wurde einst festgelegt
Wie sinnvoll das ist, mag sich jeder selber überlegen. Fakt ist, dass in den Planfeststellungsunterlagen zur Bahnumfahrung Sande vor Jahren aufgenommen wurde, dass die Deutsche Bahn (DB) das bisherige Gleisbett samt Anlagen, Schienen und Schotter zurückbaut und naturnah gestaltet. Mittlerweile sind die Überlegungen der Verwaltung und die Wünsche der Bürger aber in eine ganz andere Richtung gegangen: Die frühere Bahntrasse könnte als Fuß- und Radweg ausgebaut werden und eine schnelle Verbindung zwischen Bahnhof Sande und früherem Bahnhof Sanderbusch schaffen.
Weiterhin ist sicher, dass in Kürze die Kreisstraße 294, die Sander Hauptstraße, völlig neu gestaltet wird. Dabei soll auf jeden Fall zwischen Ems-Jade-Kanal und früherem Bahnhof Sanderbusch ein neuer Fuß- und Radweg entstehen – und zwar dort, wo früher die Bahntrasse verlief. Bisher teilen sich Fußgänger und Radfahrer einen sehr schmalen Streifen auf der anderen Fahrbahnseite – es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen. Bei all den Planungen wäre das Schotterbett ein idealer Untergrund, um darauf eine Asphaltschicht oder auch eine Schicht mit feinem Mineralgemisch (das wäre kostengünstiger) aufzubringen. Am besten sollte im Augenblick also alles so bleiben, wie es nach dem Ausbau der Schienen war. Sobald die Planungen fertig vorliegen und sicher ist, welche Fördermöglichkeiten bestehen, könnte man dann idealerweise auf dem Schotterbett mit dem Bau eines Fuß- und Radweges beginnen.
Voraussetzung dafür wäre aber die Zustimmung der Deutschen Bahn. Man habe darüber ausführliche Gespräche mit der Bahn geführt, sagte Klaus Oltmann, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auf Nachfrage. Es sei der Bahn sogar eine andere Ausgleichsfläche angeboten worden, damit das Schotterbett bleiben könnte.
Ohne Bürokratie geht es nicht
Doch ohne Bürokratie geht nichts: Es musste bei der DB-Immobilien in Hamburg eine „Entbehrlichkeitsprüfung“ in Auftrag gegeben werden. Sozusagen eine Bescheinigung darüber, dass die Bahn diese Anlage nicht mehr benötigt – eine Anlage, bei der alle Schienen bereits im Frühjahr 2022 abgebaut wurden. Diese Bescheinigung sei aber erst im Verlauf des kommenden Jahres (2024) zu erhalten, so eine Nachricht der Bahn an die Gemeinde. Weil aber das Bauunternehmen für die Bahnumfahrung laut Planfeststellungsunterlagen im Herbst 2023 fertig sein und komplett abziehen soll, ist die Entsorgung des Schotters sozusagen über Nacht einfach angelaufen.
Finanztechnisch nicht anders zu regeln
Es handelt sich dabei wohlgemerkt um jahrelang genutzten Bahnschotter, der wohl Sondermüll-Charakter haben dürfte. Fachleute schätzen, dass für eine Entsorgung ein mittlerer sechsstelliger Betrag in die Hand genommen werden muss. Wenn das Gleisbett entsprechend zurückgebaut und für eine naturnahe Gestaltung vorbereitet ist, werden vermutlich Büsche und ähnliches angepflanzt, die gepflegt werden müssen. Die Bahn habe der Gemeinde mitgeteilt, dass diese Arbeiten jetzt erfolgen würden, weil das finanztechnisch nicht anders zu handhaben sei, teilte Klaus Oltmann mit.
