Varel - Pünktlich zum Denkmalstag am vergangenen Sonntag hat kürzlich der maßgetreue Wiederaufbau des Daches der alten Börse an der Nebbsalle/Drostenstraße in Varel begonnen. Es musste wegen unerwarteter Schadstoffrückstände am Holz erneuert werden. Die Barthel-Stiftung hatte die denkmalgeschützte „Alte Börse“ 2020 erworben und baut sie derzeit zu einer „Börse der Ideen“ um – einem multifunktionalen Ort der Vernetzung, Begegnung und Kreativität, der allen Bürgerinnen und Bürgern offenstehen soll.
Viele Fragen
Dabei steht das Team der Barthel-Stiftung vor vielen Fragen, berichtet Stiftungsmanagerin Theresa Hornischer: Wie erhält man ein Denkmal und kommt trotzdem in der Gegenwart an? Was ist erhaltungswürdig, was steht einer zukünftigen Nutzung im Weg? Wie geht man mit einem schadstoffbehafteten Dach um, das einer öffentlichen Nutzung entgegensteht? Welche energetischen Sanierungsmaßnahmen sind möglich, ohne zu tief in die Substanz des Denkmals einzugreifen? In intensiven Gesprächen mit den Denkmalschutzbehörden sei es der Stiftung gelungen, gute Lösungen zu finden.
Nicht zu retten
„Dass der Umbau eines denkmalgeschützten klassizistischen Gebäudes von 1812 Überraschungen bieten würde, war allen klar“, so Hornischer, „wie groß die Aufgabe sein würde, war aber nicht absehbar“. So seien während erster Umbaumaßnahmen Rückstände von Stoffen im Dachboden und an den Dachbalken gefunden worden, die heutzutage nicht mehr als Holzschutzmittel verwendet werden dürfen und gesundheitsgefährdend sind. Das Dach hatte irreparable Schäden erlitten. Nach eingehender Prüfung und externen Fachgutachten sowie auf Empfehlung gemäß heutiger Statik- und Brandschutzverordnung hatten sich die Stiftung und das Planungsteam deshalb gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde dazu entschieden, das Dach fachgerecht abzutragen und maßgetreu wieder errichten zu lassen. Der bedeutsamen Historie des Hauses bewusst, begleitet Fotograf Thomas Weber den gesamten Umbau, so dass „Abgetragenes“ nicht ganz verloren geht.
Gastherme
Eine weitere Herausforderung ist die energetische Sanierung. „Unter den aktuellen Bedingungen kann derzeit nur eine neue Gastherme eingebaut werden“, berichtet die Stiftungsmanagerin. Daher wurden weitgreifende technische Baumaßnahmen beschlossen, um den zukünftigen Heizungsbedarf möglichst gering zu halten und den Energieverbrauch zu optimieren. Die Stiftung sei um Nachhaltigkeit bemüht, um bestehende Bausubstanz zu erhalten und die „Alte Börse“ in ihrer Ursprungsform mit all den Möglichkeiten aber auch Grenzen im Einklang mit Denkmalschutz, Brandschutz und Bauphysik der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Eröffnung nächstes Jahr
Gemeinsam mit der Stiftung geht das Planungsteam um die Berliner Architekten Schönborn, Schmitz und den Bauleiter Axel Jachol aus Oldenburg trotz unerwarteter Zusatzaufgaben und dadurch verschobenen Zeitplänen und gestiegenen Kosten von einer Eröffnung im kommenden Jahr aus. Bis dahin werden noch weitere Aktionen, Veranstaltungen und Workshops von der Barthel-Stiftung, der Agenda Varel und der Freiwilligenagentur angeboten.
