Schortens - Durch die zugezogenen Vorhänge im Bürgerhaus Schortens fällt ab und zu ein Strahl der Abendsonne in den Saal. Ein herrlicher Frühlingstag geht zu Ende, macht Lust auf Sommer. Besser hätte die Einstimmung auf dieses Konzert gar nicht sein können: Auf der Bühne steht Anna Depenbusch, ein breites Lachen im Gesicht, in der Hand die Ukulele. Sie singt „Sommer aus Papier“.
Eine kleine Tour hat sie hinter sich, mit der Band war sie die letzten zwei Wochen täglich woanders, verrät Depenbusch. Vielleicht hat sie jeden Abend mit dem „Sommer aus Papier“ eröffnet. Vielleicht – aber in Schortens wirkt es wie für diesen Abend gemacht. Im Grund geht es zwar um eine Beziehung, aber das Lied klingt nach Sonne. Und die Hamburgerin fängt damit auch sofort ihr Publikum ein.
Spaß schwappt über aufs Publikum
Elf Jahre ist es her, dass Anna Depenbusch in Schortens auf der Bühne stand. Damals präsentierte sie ihr Album „Schwarz-Weiß“, saß ebenso gekleidet allein mit dem riesigen Flügel auf der Bühne, damals als eine der großen Neuentdeckungen mit einem bemerkenswerten Konzert. Heute wirkt sie bunter, frischer, selbstbewusster. Und hat ihre Band mitgebracht. Die vier Vollblutmusiker und Anna Depenbusch haben viel Spaß auf der Bühne und der schwappt sofort über ins Publikum.
„Beziehungsratgeberlied“
Die Liedermacherin präsentiert unter dem Motto „Echtzeit-Gala“ eine bunte Mischung aus 17 Jahren Anna Depenbusch und bevorzugt natürlich ihr Lieblingsgenre: das „Beziehungsratgeberlied“. Oftmals mit Augenzwinkern, immer mit Poesie. Dabei wechselt die Mittvierzigerin mühelos von der Brust- in die Kopfstimme, pfeift virtuos und greift immer wieder zu unterschiedlichen Instrumenten.
Was sie besonders liebenswert macht: Anna Depenbusch hat ihre Anfänge nicht vergessen, erzählt noch einmal, wie Ina Müller dafür sorgte, dass sie mit einem Auftritt bei „Ina’s Nacht“ einem breiteren Publikum bekannt wurde, und dann darf dieses einmalig-schön-melancholisch-dramatische „Kommando Untergang“ natürlich auch nicht fehlen, das es damals bei Ina Müller gab.
Das Schortenser Publikum war begeistert, so spontan kennt man es eigentlich gar nicht: Kaum begann der Schlussapplaus, da stand auch schon fast der komplette Saal und forderte nachdrücklich Zugaben – die es selbstverständlich auch gab: „Alles auf Null, alles wird gut, alles wird groß, alles wird gold“. Eine Melodie, die noch lange nachklingt, ein Kontrapunkt in diesen unruhigen Zeiten. Dieser Abend traf genau den richtigen Nerv: Bravo!
