Friesland - In zahlreichen Apotheken wird an diesem Mittwochnachmittag bundesweit gestreikt. Die Filialen schließen ab 12 Uhr. Grund für die Aktion ist ein Sparpaket, das Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf den Weg bringen will. Damit soll die Finanzlücke der gesetzlichen Krankenkassen geschlossen werden. Für Apotheken bedeutet dies im Umkehrschluss allerdings erhebliche Einschnitte.
Nicht gefallen lassen
Und das wollen sich viele nicht gefallen lassen. Während sich unter anderem in Oldenburg und im Ammerland Apotheken an dem Streik beteiligen, stellt sich auch im Jeverland die Frage: Bleiben die Apotheken an diesem Mittwoch auch hier geschlossen?
Die Antwort gleich vorweg: Im Jeverland beteiligen sich auf stichprobenartige Nachfrage unserer Redaktion (Stand: Dienstag, 13 Uhr) die Apotheken nicht an der Protestaktion. Unter anderem die Umsetzung, die so spontan einfach nicht möglich sei und zu Unverständnis vieler Kunden führen könne, wird von vielen Apotheken-Inhabern und -Filialleitern kritisiert.
Sonja Reuß, Inhaberin der Bären-Apotheke in Jever, findet klare Worte: „Ich finde die Aktion daneben. Es bringt nichts, an einem Mittwochnachmittag zu schließen, an dem ohnehin zahlreiche Apotheken geschlossen haben.“ Dennoch ist Reuß mit den drohenden Kürzungsplänen des Gesundheitsministers alles andere als einverstanden.
Würde eine ähnliche Aktion stattfinden – besser geplant und rechtzeitig an die Kunden kommuniziert – könne sie sich eine Beteiligung durchaus vorstellen.
Arbeitsplatz gefährdet
Uwe Coordes, Inhaber der Vital-Apotheke in Schortens, bedauert hingegen, dass sich die Apotheken im Jeverland gegen eine Teilnahme an der Protestaktion ausgesprochen haben. „Ich finde den Streik sinnvoll. Aber wir können nicht schließen, wenn der Nachbar öffnet“, stellt er klar. Besonders jetzt, bei steigenden Heiz- und Stromkosten, könne der Sparpaket-Plan nicht hingenommen werden. „Im schlimmsten Fall könne das dazu führen, dass es Menschen den Arbeitsplatz kostet. Und das möchte niemand“, so Coordes.
Zum Hintergrund des Streiks: Aktuell bekommen die Apotheken für den Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten eine feste Pauschale pro Mittel. Davon müssen sie derzeit den Krankenkassen einen Rabatt von 1,77 Euro einräumen.
Das Bundesgesundheitsministerium will diesen Rabatt auf zwei Euro erhöhen. Hochgerechnet kann das für viele Apotheken starke Einbußen bedeuten. Am kommenden Donnerstag will der Bundestag über die Sparpläne abstimmen.
