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„Aqua Fit“ Schortens Janto Just übt massive Kritik am Bäderleiter

Wie lassen sich die Besucherzahlen des „Aqua Fit“ steigern? Das ist letztlich der Hintergrund der Debatte.

Wie lassen sich die Besucherzahlen des „Aqua Fit“ steigern? Das ist letztlich der Hintergrund der Debatte.

Jörg Grabhorn/Archiv

Schortens - Freunde sind sie vermutlich nie gewesen und wenn doch, dann dürfte das jetzt vorbei sein. Ratsherr Janto Just (Freie Bürger) machte dem Schortenser Bäderleiter Peter Kramer in der jüngsten Sitzung des Schul-, Sozial-, Jugend- und Sport-Ausschusses heftige Vorwürfe wegen der Führung des „Aqua Fit“.

Andere Redner sprachen Kramer teils überschwänglich und wortreich Dank für seinen Bericht zum „Aqua Fit“ aus – Just, als Stammgast exzellenter Kenner des Bades, übte hingegen massive Kritik am Bäderleiter. Ohne Grund sei das Bad seit Monaten am Dienstagnachmittag für die Öffentlichkeit geschlossen, um dort Schwimmkurse anzubieten. Just bezweifelt jedoch, dass es diese Schwimmkurse überhaupt gegeben hat und äußerte den Verdacht, es werde ein Bedarf behauptet, der weder durch Zahlen belegt noch tatsächlich durch Kurse gedeckt werde.

Stattdessen werde der Dienstag, nach dem Sonntag der zweitstärkste Besuchertag, gestrichen: „Das Bad wird den Menschen immer mehr weggenommen“, sagte Just. Das koste die Stadt, die ja etliche Millionen Euro ins „Aqua Fit“ investiert habe und jedes Jahr Hunderttausende Euro an Zuschusskosten trage, nicht nur Besucher, sondern auch Einnahmen.

Ein „Trauerspiel“

Just erinnerte an das frühere Freizeitbad „Aqua Toll“, das zuletzt rund 140.000 Besucher pro Jahr gehabt habe. Jetzt seien es knapp 30.000 – kaum mehr als ein Fünftel. Just erwähnte auch den einen Tag im Dezember 2022 mit gerade mal fünf zahlenden Besuchern und sprach von einem Trauerspiel: „Die Ursachen liegen auch bei der Bäderleitung.“

Kramer wies die Vorwürfe zu den Schwimmkursen zurück: „Das anders darzustellen, ist falsch.“ Es gebe einen geradezu beängstigende Zahl an Kindern, die nicht schwimmen könne. Zugleich hätten Kinder immer weniger grundlegende motorische Fähigkeit, sodass die Zahl der Teilnehmer pro Kursus verringert werden müsse: „Wir dürfen die Kinder, die Eltern und uns nicht überfordern.“


Und Marc Lütjens (CDU) sagte, dass man das „Aqua Fit“ als Sport- und Gesundheitsbad nicht mit dem Spaß- und Erlebnisbad „Aqua Toll“ vergleichen könne. Was die Schwimmkurse angehe, sei auch immer die Frage, inwieweit die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der DLRG dafür Zeit erübrigen könnten.

Nachholbedarf

Auch Bürgermeister Gerhard Böhling sprang dem Bäderleiter zur Seite: Das Team gebe sich die größte Mühe, das Bad am Laufen zu halten und voranzubringen. Bei den Schwimmkursen habe es großen Nachholbedarf gegeben. „Wir haben vieles richtig gemacht“.

Konkrete Zahlen, inwieweit einzelne Angebote angenommen werden, konnte Kramer indessen nicht vorlegen. Just mahnte eine fortlaufende Datenerhebung an.

Detlef Kasig (SPD) würde es gern noch genauer wissen. Er fragte unter anderem nach der Verweildauer von Badegästen und sieht sich außer Stande, ohne konkrete Zahlen politische Entscheidungen zum „Aqua Fit“ zu treffen. Ingbert Grimpe (Grüne) geht das zu weit: „Ich will kein Micro-Management betreiben – mir reicht die Prosa.“

Eigener Saunatarif

Zahlen fehlten dem Ausschuss auch beim Thema Anpassung der Entgelte: Die Stadtverwaltung schlägt vor, für Bade- und für Saunagäste jeweils eigene Tarife einzuführen. Bislang ist der Saunabesuch inklusive, doch die meisten Badegäste gehen gar nicht in die Sauna.

Wie Olaf Kollmann von der Stadtverwaltung erläuterte, sollen die Entgelte für Badegäste gesenkt und für Saunabesucher angehoben werden. Im Ergebnis erwartet er Mehreinnahmen. Wie das funktionieren solle, fragte Just, wenn das Verhältnis von Bade- zu Saunagästen bei 85:15 Prozent liege? Die Antwort blieb Kollmann schuldig. Das Thema Entgelte wurde vertagt. Die Verwaltung soll erst mal Zahlen liefern.

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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