Varel - Von seinem Fensterplatz im Vareler St.-Marien-Stift hat er einen guten Blick auf den Eingangsbereich, wo sich eine ganze Reihe Gratulanten die Klinke die Hand gaben. Der frühere Stadtdirektor August Osterloh feiert am heutigen Dienstag seinen 90. Geburtstag. Das Telefon klingelte häufig und ebenso oft klopft es an der Türe im Obergeschoss des Pflegestiftes.
Gleich neben dem Fenster liegt die aktuelle Ausgabe der Nordwest-Zeitung. Natürlich schon gelesen, denn an einem Geburtstag, noch dazu einem 90., hat Osterloh geahnt, dass er tagsüber dazu wenig kommen würde. „Ich bin ein leidenschaftlicher Zeitungsleser“, sagt Osterloh, der das politische Geschehen in aller Welt genauso wach verfolgt wie das Geschehen in seiner Heimatstadt Varel. Mit der SPD, der er lange angehörte, hat er gebrochen. Stattdessen unterstützte er ab 2011 die neu gegründete Wählergemeinschaft Zukunft Varel.
In des Vaters Fußstapfen
Geboren am 19. September 1933 in Varel, besuchte Osterloh die Volksschule in Büppel und die Oberschule in Varel – so hieß das Gymnasium damals. Eine Ausbildung zum Inspektor-Anwärter beim Landkreis Friesland schloss sich an. Erste Erfahrungen bei der Leitung einer Kommunalverwaltung machte Osterloh in der damals selbstständigen Gemeinde Neuenburg, auf Wangerooge (beide kommissarisch) und schließlich von 1963 bis 1966 beim damaligen Landkreis Süderdithmarschen in Schleswig-Holstein. 1966 wurde August Osterloh zum Gemeindedirektor der damals noch bestehenden Gemeinde Varel-Land gewählt.
Dort war sein Vater, ebenfalls August Osterloh mit Namen, viele Jahre der sozialdemokratische Bürgermeister gewesen, zuletzt 1964/1965. Mit dem Gebietszusammenschluss der Landgemeinde und der Stadtgemeinde im Jahre 1972 wurde Osterloh Stadtdirektor von Varel. Er blieb es 24 Jahre lang bis 1996.
Das Alleinstellungsmerkmal
Und wieder hatte Osterloh ein Alleinstellungsmerkmal, er war nicht nur der letzte Gemeindedirektor der Landgemeinde, er war auch der letzte Stadtdirektor der Stadt Varel. Denn mit Osterlohs Ausscheiden endete die zweigleisige Führung der Stadt Varel – mit einem hauptamtlichen Verwaltungschef und einem ehrenamtlich vom Rat gewählten Bürgermeister. Lange arbeitete Osterloh mit dem damaligen ehrenamtlichen Bürgermeister Karl-Heinz Funke zusammen, der von 1981 bis 1996 amtierte. Funke zählte wie der aktuelle hauptamtliche Bürgermeister Gerd-Christian Wagner zu den Gratulanten an Osterlohs Ehrentag.
Eine Vielzahl von Entscheidungen zur Entwicklung Varels und des Nordseebades Dangast fallen in Osterlohs Amtszeit, die – vom Rat beschlossen – Osterloh und die Verwaltung umsetzen musste. Ein Herz für die Region haben Osterloh und seine Frau Anita stets bewiesen, auch als Mitglieder des Heimatvereins. Die Mühle lag und liegt Osterloh am Herzen, deren Nutzung als Museumsmühle der Stadtdirektor förderte und deren letzten Besitzer er persönlich kannte. Der Müller hatte übrigens einen einprägsamen Namen: Müller.
