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Archäologischer Fund in Schortens Ausgrabung am Diekenkamp: Doch keine Brunnen?

Henning Karasch
Georg Eggenstein und Ulrike Beverungen zeigten Keramikscherben, die bei der Ausgrabung in Schortens zum Vorschein kamen.

Georg Eggenstein und Ulrike Beverungen zeigten Keramikscherben, die bei der Ausgrabung in Schortens zum Vorschein kamen.

Henning Karasch

Schortens - Die Ausgrabung am Diekenkamp stellt die Archäologen Georg Eggenstein und Ulrike Beverungen weiterhin vor Rätsel. In Luftbildern wurde die erstaunliche Anzahl von 83 Brunnen deutlich. Alles wurde digital zentimetergenau vermessen. Besonders rätselhaft seien sich schneidende Brunnen, die auf eine gewisse zeitliche Tiefe schließen ließen. „Der Sandboden ist nicht allzu standfest: Ob die Brunnen vier Monate oder sieben Jahre existierten, ist nicht nachweisbar“, erklärte Eggenstein. Ebenso mysteriös seien die sich kreuzenden, einen Meter tiefen Gräben mit muldenförmigem Profil. „Sie haben wohl nicht lange offen gelegen, weshalb ihr Profil gut erhalten ist“, fand der Archäologe. Der Wasserspiegel war früher hier höher, weshalb niemand vorher und hinterher am Diekenkamp siedelte. Tief genug, um Wasser zu führen, waren die Gräben aber wohl dennoch nicht, und während der Ausgrabung auch bei Regen trocken.

Rund 60 Gäste hörten sich den Vortrag „Schortens-Diekenkamp – ein hochmittelalterlicher Fundplatz mit rekordverdächtig vielen Brunnen“ an, zu dem der Heimatverein Schortens ins Bürgerhaus eingeladen hatte. Aus dem Publikum kam die Idee, es könnten Erdmieten für Vorräte wie Rüben gewesen sein. Denn die Archäologen brachten den Diekenkamp als Wohnplatz der Bauleute der St. Stephanus-Kirche ins Gespräch. Am Bau seien acht Jahre lang gut 200 Menschen tätig gewesen, die essen mussten. Und die Brunnen boten vielleicht nicht nur Wasser zum Ablöschen von Kalkmörtel, sondern ebenso Trinkwasser.

Auffällige Anomalien

Über Jahrhunderte war der Diekenkamp in Schortens eine unbebaute Insel innerhalb des Siedlungsgebiets. Bis vor gut zwei Jahren die Firma Eggenstein Exca aus Dortmund im Auftrag der IDB Oldenburg, einer Immobilien-Tochtergesellschaft der Landessparkasse zu Oldenburg, eine archäologische Grabung durchführte. Auflage der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Friesland und des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege in Oldenburg war, zehn Prozent der sechs Hektar Fläche zu sondieren. „Im anstehenden Sandboden gab es auffällige Anomalien. Das kann ein toter Hund sein, den ein Landwirt dort vor 50 Jahren vergraben hat, oder Menschen haben vor 500 oder 1000 Jahren dort gesiedelt“, stellte Eggenstein die Ausgangslage dar.

Mit Suchschnitten von jeweils zwei Metern Breite wurde das Areal unter die Lupe genommen. „Gräben und Bäume verhinderten, die Fläche in einem Stück zu öffnen“, erinnerte sich der Referent. Wenn 15 Meter weiter keine archäologischen Befunde zu finden sind, darf aufgehört werden zu graben. Unter dem Mutterboden, der durch landwirtschaftliche Nutzung keine brauchbaren Funde birgt, wurde 40 bis 50 Zentimeter tief in den Sand gegraben. Eine Vielzahl runder und langer linearer Befunde kamen zum Vorschein.

Genaue Datierung schwierig

In den runden Befunden von drei bis vier Metern Durchmesser hatte sich durch relativ hoch anstehendes Grundwasser humoses Material abgelagert, wohl Torf- oder Grassoden, die einen Brunnenschacht bildeten. Das habe das Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven untersucht. Die ehemalige Vegetationsdecke der Soden sei dabei nach unten gerichtet. Durch Verfüllung seien die Brunnen eingeebnet worden. Auf der freigelegten Brunnensohle habe sich Holz erhalten, grob zurecht geschlagene Äste oder altes Bauholz mit Zapflöchern. Für eine Altersbestimmung seien 60 bis 70 Jahresringe im Holz nötig. Keramikfunde, typisch für das 12. Jahrhundert, seien nicht auf ein bis zwei Jahrzehnte genau zu datieren, erklärte Eggenstein. Ebenfalls entdeckt wurde eine Brunnenröhre aus zwei alten Zubern ohne Böden sowie ein 35 Meter langer Hausgrundriss. Auf einer vergleichbaren, später aus gleichem Anlass untersuchten Fläche am Huntsteerter Weg seien vier Hausgrundrisse und zehn Brunnen entdeckt worden.


Herausragende Funde am Diekenkamp seien Scherben von Kugeltöpfen, wie sie bis ins 13. Jahrhundert im Feldbrand gefertigt wurden, aber auch scheiben-gedrehte, dünnwandige Keramik des Rheinlands. „Sandboden lässt Knochenerhalt nicht zu. Unverständlich ist jedoch, warum wir kein Metall gefunden haben“, meinte Dr. Georg Eggenstein. Dafür fand sich der Krater eines 1965 abgestürzten Starfighters. Der Archäologe sagte einen weiteren Vortrag über die Grabung am Huntsteerter Weg zu.

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