Jever - „Ein Buch schreibt man nie alleine“, sagt Tymon Bugla. Und er muss es wissen. Bereits im September dieses Jahres hat der 36-Jährige seinen Debüt-Roman „Die Gerechten von Jever“ veröffentlicht.
Das Besondere: Der Roman spielt nicht nur im Jever der 1980er Jahre, sondern basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten. Neben dem fiktiven Protagonisten, dem 15-jährigen Hajo, nimmt so auch der wohl bekannteste Jeveraner Fritz Levy – bekannt auch als „der letzte Jude von Jever“ – eine wichtige Rolle in Buglas Erstlingswerk ein. Doch von vorn.
„Die Gerechten von Jever“ ist erschienen im Virtual Epoch Verlag, gegründet ebenfalls von Autor Tymon Bugla. Das Buch ist erhältlich als Taschenbuch, Hardcover oder E-Book und kann entweder unter www.veverlag.de oder im Buchhandel bestellt werden. Empfohlen wird es für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren.
Eine Online-Lesung des Autors aus dem Roman gibt es unter youtu.be/xSwGu-InazE
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Im Alter von zwei Jahren zog Tymon Bugla mit seiner Familie aus dem polnischen Krakau in die Marienstadt. „Schon als ich klein war, habe ich versucht, Schriftsteller zu spielen“, erinnert sich Tymon Bugla. Schnell stellte er jedoch fest: Das Spielen des Schriftstellers funktionierte nicht so gut. „Ich habe gemerkt, dass ich das richtig ausprobieren muss, wenn ich groß bin.“ Einen weiteren Ansporn, dies in die Tat umzusetzen, erlebte er in seiner Schulzeit. Lehrer zeigten sich begeistert von seinen Texten. „Da habe ich gemerkt, dass ich das Schreiben vielleicht etwas besser kann, als andere“.
Das Buch „Die Gerechten von Jever“, geschrieben von Autor Tymon Bugla.
PrivatIn seinen Jugendjahren hörte Tymon Bugla dann erstmals von Fritz Levy. Persönlich haben sich beide nicht mehr kennen lernen können. Levy verstarb bereits im Jahr 1982. Im Jugendzentrum, dass der Autor regelmäßig besuchte, hing jedoch ein Zeitungsbericht über Levy an der Wand. Wie eine kleine Gedenktafel sei das gewesen, erinnert sich Bugla, den das Schicksal Levis (siehe Infobox) zunehmend beschäftigte.
Als Sohn einer jüdischen Viehhändlerfamilie wuchs Fritz Levy in Jever auf und besuchte als Schüler das Mariengymnasium.
Am 15. Juni 1938 wurde Fritz Levy in das KZ Sachsenhausen in Oranienburg bei Berlin verschleppt. Ein halbes Jahr später durfte er jedoch nach Jever zurückkehren. Hier hielt es Levy allerdings nicht mehr lange. Am 11. Mai 1939 wanderte er nach Shanghai/China aus.
Nach einem weiteren Zwischenstopp in Canberra, Australien, wurde Levys Heimweh immer größer. 1951 kehrte er deshalb nach Jever zurück – ohne vorher zu wissen, dass seine Familie im KZ Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordet worden war.
Zurück in Jever engagierte sich Fritz Levy vor allem für die Jugendkultur.
Bis es zum ersten veröffentlichten Buch kam, sollte es allerdings noch einige Jahre dauern. Im Alter von 18 Jahren zog es Tymon Bugla zunächst nach Berlin. Hier legte er das Abitur für Nichtschüler – Schüler, die zuvor keine Gymnasiale Oberstufe besucht haben – ab. Schon in dieser Zeit schrieb er fleißig, veröffentlichte allerdings zunächst nichts. Es folgte ein Studium in Braunschweig in Kunstwissenschaft und Geschichte. Im Anschluss zog es ihn wieder nach Berlin.
Wahre Begebenheiten
Fritz Levy ließ Tymon Bugla in all dieser Zeit nicht los. Und so begann der 36-Jährige schließlich mit der Arbeit am Roman „Die Gerechten von Jever“. „Ich habe versucht, in der Geschichte möglichst historisch korrekt zu sein, auch wenn der Protagonist Hajo und seine Freundin Ida zum Beispiel erfunden sind“, so Bugla.
Geschrieben in der Ich-Perspektive handelt die Geschichte von Hajo, einem 15-jährigen Neonazi, der sich aufgrund seines immer stärkeren Freiheitsdrangs schließlich zwischen den Fronten der Friedens- und Jugendzentrumsbewegung und seiner rechtsextremen Clique wiederfindet. Dies führt sogar so weit, dass Hajos Vater ihn wegen seiner Aufsässigkeit in ein Zeltlager der neonazistischen „Wiking-Jugend“ – diese gründete sich tatsächlich 1952 in Wilhelmshaven – schicken will. Hajos Jugendliebe Ida hingegen macht ihn mit dem alten Juden Fritz Levy vertraut, der sein Haus für die Jugend geöffnet hat.
Hajo muss sich schließlich entscheiden: Sind ihm seine Gefühle wichtiger als die verbrecherische Gesinnung seiner Freunde?
Tymon Bugla betont: „Es ist keine idyllische Geschichte“. Trotzdem sei der 124-Seiten starke Roman, für den er sich immer wieder Feedback eingeholt und ihn mehrmals überarbeitet habe, unterhaltsam, auch mal witzig und liefere einen Blick auf die Stadt Jever, wie man ihn sonst nicht oft habe. „Es ist wie eine kleine Zeitkapsel“, beschreibt Tymon Bugla sein Erstlingswerk „Die Gerechten von Jever“.
