Neuenburg - Am Samstag ist Bäckermeister Helmut Eicke vorerst zum letzten Mal um Mitternacht aufgestanden, um frisches Brot und Brötchen zu backen. Seit 1951 konnten sich die Neuenburger ihr tägliches Brot in der Lindenstraße 14 holen, doch damit ist jetzt erst einmal Schluss. Helmut Eicke hat seine Bäckerei geschlossen.
Der Backstube ist das Alter deutlich anzusehen und es gibt behördliche Auflagen, einiges auf den aktuellen Stand zu bringen. „Das wäre ja noch zu stemmen gewesen“, sagt Helmut Eicke, doch jetzt kommen noch die hohen Energiepreise hinzu. So habe sich der Gaspreis für den Backofen bisher verdreifacht, außerdem ist ein Teil der Rohstoffe wesentlich teurer geworden. „Es tut mir vor allem für die Stammkunden leid, der Kontakt wird mir fehlen“, sagt der Bäckermeister, „aber mein Entschluss ist der aktuellen Situation geschuldet“.
20 Jahre hatte er das Geschäft geführt. Damals übernahm er die Bäckerei von seinen Eltern Ursula und Horst Eicke. Sie hatten seit 1967 die einst von Julius Oltmanns gegründete Bäckerei übernommen. Zu dieser Zeit war gerade der Pachtvertrag mit ihrer Bäckerei in Braunschweig ausgelaufen und das Ehepaar suchte nach etwas Neuem. Das Bäckerehepaar zog in die Friesische Wehde und eröffnete am 11. Juli 1967 die Bäckerei Eicke.
„Vieles war noch echte Handarbeit“, sagt Helmut Eicke, und das wussten die Kunden zu schätzen. An das zeitige Ausstehen, kurz nach Mitternacht, habe er sich in all den Jahren gewöhnt. „Ich ging ja auch früh schlafen, nur wenn es im Fernsehen Fußball gibt, blieb ich mal länger auf“, erzählte der begeisterte Anhänger von Eintracht Braunschweig. „Das wird jetzt eine Umstellung auf ein normaleres Leben für mich“, sagte Helmut Eicke. Er wird jetzt mehr Zeit seinem Hobby, den vielen Rosen im Garten, und seiner Familie widmen. „Bald werde ich zum zweiten Mal Großvater, das kann ich dann genießen“, freut sich der 61-Jährige. Wie die Zukunft der Bäckerei Eicke aussieht, ist zur Zeit ungewiss.
