Jever - Das Jeveraner Traditionsunternehmen Heino Frerichs GmbH hat den Betrieb nach über 100 Jahren erfolgreicher Unternehmensgeschichte zum 1. September eingestellt. Am Freitag wurde über das Vermögen der Heino Frerichs GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet und Rechtsanwalt Michael Waculik zum Insolvenzverwalter bestellt.
Das vorläufige Insolvenzverfahren war Mitte Juni eingeleitet worden. Seitdem wurde der Betrieb aufrechterhalten. Bestehende Aufträge wurden weiter abgewickelt. Die Arbeitnehmer haben in dieser Zeit ihre Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld erhalten.
Keine Zukunftsperspektive
Auf Anfrage teilte Rechtsanwalt Waculik nunmehr mit, dass es leider trotz intensivster Sanierungsbemühungen während des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht gelungen ist, Zukunftsperspektiven für das Unternehmen aufzubauen. Nach Mitteilung des Insolvenzverwalters liegt die Baubranche am Boden und in absehbarer Zeit ist keine Besserung in Sicht. Dies habe sämtliche potenzielle Investoren davon abgehalten, ins Risiko zu gehen und das Unternehmen der Heino Frerichs GmbH zu übernehmen. Die Auftragslage sei katastrophal. Am Markt geht nichts mehr, so Waculik.
Mit großem Bedauern hat der Insolvenzverwalter nunmehr die Mitarbeiter über die Entscheidung der Betriebsschließung im Rahmen einer Betriebsversammlung informiert. Sämtliche noch bestehenden rund 40 Arbeitsplätze werden nunmehr gekündigt. Es bleibe nur zu hoffen, dass die von den Kündigungen betroffenen Arbeitnehmer schnellstmöglich eine neue Anstellung finden.
Die noch bestehenden Aufträge sollen vor dem Hintergrund der Insolvenz bestmöglich abgewickelt werden. Für die von der Heino Frerichs GmbH initiierten Bauprojekte sollen Folgelösungen gefunden werden.
Das Unternehmen hat überall in der Region seine Spuren hinterlassen: Unzählige Mehrfamilienhäuser, Ferienwohnanlagen, Einfamilien- und Architektenhäuser sowie Gewerbebauten hat die Heino Frerichs GmbH über die Jahrzehnte geplant und errichtet.
Anfänge im Wangerland
Die Ursprünge des Bauunternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1908: In Javenloch macht sich der Vater von Heino Frerichs mit einer Zimmerei selbstständig, Ab 1950 beginnt Heino Frerichs, den väterlichen Betrieb von einem dörflichen Handwerksbetrieb zu einem überörtlich tätigen Bauunternehmen zu entwickeln. 1955 wird die Heino Frerichs Bauunternehmung gegründet, sechs Jahre später wechselt der Firmensitz nach Neugarmssiel. Ab 1978 steigt mit Gerd Frerichs die dritte Generation in den Betrieb ein, bald darauf auch dessen Bruder. 1980 schließlich folgt die Betriebsverlegung vom Wangerland ins Gewerbegebiet nach Jever. Nach dem Ausscheiden der Frerichs-Brüder als Teilhaber und Gesellschafter führte Bastian Lockmann seit gut zehn Jahren als alleiniger Geschäftsführer das Unternehmen.
