Varel - Die Vareler Windmühle ist ab sofort gesperrt. Diese Schreckensnachricht teilte die Stadt als Eigentümerin am Montag mit. Grund ist eine Schadstoffbelastung im hölzernen Gebälk der Mühle. Bei der Untersuchung einer Holzprobe in einem Labor wurden das einst als Insektizid verwendete Mittel „Lindan“ sowie das als Fungizid eingesetzte PCP (Pentachlorphenol) nachgewiesen. Beide Stoffe gelten als gesundheitsschädlich und sind heute verboten, wurden aber insbesondere in den 1960er Jahren vielfach als Holzschutzmittel eingesetzt.
Umgehend handeln
Bei einer Überprüfung der Standfestigkeit der tragenden Holzelemente war zusätzlich eine Schadstoffuntersuchung veranlasst worden, teilte Bauamtsleiter Olaf Freitag mit. Es wird derzeit ein umfassendes Gutachten erstellt, vorab war die Stadt am Montag über die Ergebnisse der Laboranalyse informiert worden, damit umgehend gehandelt werden konnte. Die Mühle wird im Sinne der Gefahrenabwehr vorsorglich gesperrt, so Antje Schönborn von der Bauverwaltung der Stadt. Das ausführliche Schadstoffgutachten wird Aufschluss über das Ausmaß der Belastung geben und Handlungsempfehlungen enthalten. „Ob und welche Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen sind, dazu können wir derzeit noch keine Angaben machen“, sagt Olaf Freitag, „sobald uns neue Informationen vorliegen, werden wir diese auch bekannt machen.“ Bis auf Weiteres bleibt die Mühle geschlossen, auch am Tag des offenen Denkmals am 10. September wird kein Zutritt möglich sein.
Schwer getroffen
Schwer getroffen von dieser Nachricht ist auch das Mühlenteam. „Es ist unheimlich schade, dass man da früher sowas reingespritzt hat“, sagte Mühlenbaas Peter Fleckenstein. „Wir können jetzt nur abwarten, wie es weitergeht und hoffen, dass die Mühle bald wieder geöffnet werden kann.“
Remise geöffnet
Peter Fleckenstein teilte mit, dass die Gebäude neben der Mühle wie die Remise und die Scheune weiterhin geöffnet sind. Diese Gebäude werden auch beim Tag des offenen Denkmals geöffnet sein. Auch die geplanten Veranstaltungen „Vom Korn zum Mehl“ für Kinder finden weiterhin statt. Die Vareler Windmühle wurde 1847 bis 1848 errichtet und ist mit 29,80 Metern die zweithöchste Mühle Deutschlands. Als einer der größten Galerieholländer überhaupt verfügt sie über einen typischen dreiteiligen Aufbau aus steinernem Unterbau über eine Holzkonstruktion, den „Achtkant“.
