MSC Zoe verlor vor drei Jahren 340 Container in der See – Schutzgemeinschaft will Konsequenzen"> Navigation überspringen
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UMWELT Fischer finden immer noch Containerreste

Klaus Händel

Bensersiel/Nordsee - Der 2015 gebaute Frachter MSC Zoe war mit einer Länge von 395,4 Metern zur damaligen Zeit das größte Containerschiff der Welt. Berühmtheit erlangte der Riese jedoch nicht nur aufgrund seiner Dimension, sondern auch wegen einer Havarie. Mehr als 340 Container gingen vor der deutsch-niederländischen Küste über Bord. Sie zerbarsten; tonnenweise Müll landete auf den Stränden der Inseln und auf dem Meeresboden der Nordsee.

Die Havarie

In der Nacht vom 1. auf 2. Januar 2019 hatte die „MSC Zoe“ im Sturm vor den Inseln insgesamt 342 Container verloren. Viele brachen beim Sturz ins Wasser auf. Tonnenweise wurde damals der Inhalt an Strände der Inseln vor den Niederlanden und Niedersachsen angespült – darunter Fernseher, Plastikspielzeug, Verpackungsmüll. Von zwei Containern mit Gefahrgut fehlte damals zunächst jede Spur.

Experten schätzen, dass auch nach Ende der monatelangen Aufräumarbeiten etwa ein Drittel der über Bord gegangenen Ladung (900 Tonnen) auf dem Meeresboden liegt.

Die „MSC Zoe“ – mit 396-Metern eines der größten Containerschiffe der Welt – hatte rund 13 000 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) an Bord; sie war auf dem Weg vom portugiesischen Hafen Sines nach Bremerhaven.

Im Abschlussbericht vom November 2020 konnten sich deutsche und niederländische Unfallexperten nicht in allen Punkten einigen. Einig waren sie sich, dass sich eine derartige Havarie aufgrund der Bauweise der Containerriesen wiederholen wird.

Container vor Borkum

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste fordert Konsequenzen – drei Jahre nach der Havarie, die noch immer spürbar ist. Ein Lied davon singen können unter anderem die Krabbenfischer. Einer von ihnen ist der mit seinem Kutter „Möwe“ in Bensersiel liegende Heinz Steffens: „Die meisten der etwa 340 Container wurden damals vor Borkum angespült, aber auch vor den übrigen Ostfriesischen Inseln – mit unterschiedlichster Fracht.“

Überreste der Container und deren Inhalte gehen den Krabbenfischern seit dem Unglück immer wieder ins Netz.

Wattenmeer entmüllen

Entgegen ihres bei Natur- und Umweltschützern aufgrund der Schleppnetzfischerei schlechten Rufs sorgen die Fischer in diesem Fall für die Entmüllung des Weltnaturerbes und Nationalparks Wattenmeer. „Während einer 24-stündigen Fangfahrt Mitte Dezember sind mir zwischen Baltrum und Norderney diverse Ladungsteile der MSC Zoe ins Netz gegangen“, erzählt der Fischer.

Zurück im Hafen Bensersiel habe er die mühevoll aus dem Fischernetz herausgepulten Hinterlassenschaften des Schiffsunglücks näher untersucht. „Aufgefischt hatte ich eine Fahrzeugstoßstange, ein Schutzblech für ein Motorrad, Solarlampen, diverse Teile aus Plastikgeflecht für Gartenmöbel und verschiedene Kleinteile. Alles war bereits von Seepocken und anderem Getier beziehungsweise Algen überzogen.“

Allein während dieser 24-stündigen Fahrt zusammengekommen sei ein nicht unerheblicher Meeres-Müllberg. „Dieser Unrat muss dann jeweils in einem von der EU, dem Bund und dem Nabu im Rahmen des europaweiten Umwelt-Projektes ,Fishing for Litter‘ entsorgt werden“, erklärt der Bensersieler Heinz Steffens.


Nur Bruchteil

Doch das, was er und seine Berufskollegen nach der Havarie der MSC Zoe aus der Nordsee herausfischen, sei nur ein Bruchteil der Ladung, die über Bord gegangen ist. Davon viel stärker betroffen als Heinz Steffens selbst seien die Krabbenfischer aus Greetsiel und Norddeich. Wie die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste oder Bürgermeister der Ostfriesischen Inseln befürchten auch die Krabbenfischer, dass die Havarie des Containerfrachters MSC Zoe nicht die letzte in der Deutschen Bucht gewesen sein wird.

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