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Bier-Laster im Graben 24.000 Flaschen Jever Pilsener wurden von Hand geborgen

Von Hand haben Helfer die Bierflaschen geborgen, auch die Scherben der geborstenen Flaschen.

Von Hand haben Helfer die Bierflaschen geborgen, auch die Scherben der geborstenen Flaschen.

Jörg Grabhorn

Jever/Wangerland - Die Bergung des Sattelzugs, der am Donnerstag gegen 14 Uhr auf der L812 in Auskündigerei bei Jever in den Graben gekippt ist, ist abgeschlossen. Die Strecke ist wieder frei; sie war von 18 bis 2 Uhr in der Nacht für die Bergung des Lkw voll gesperrt.

Da die Landesstraße die Hauptverbindung zwischen Jever und dem Wangerland ist und derzeit überdies als Umleitung (U10) für die in Richtung Wilhelmshaven gesperrte B210 dient, ist das eine gute Nachricht für alle Autofahrer.

Fahrer hilft beim Aufräumen

Der Fahrer des Lasters, ein 36 Jahre alter Pole, blieb unverletzt. Er half am Donnerstagabend bei den Aufräumarbeiten mit. Abschlepp- und Bergungsunternehmer Hans Mewes (Hooksiel), der mit der Bergung beauftragt war, hat dem Fahrer über Nacht bei sich Quartier gegeben.

Unfallursache laut Polizei unklar

Die Unfallursache ist nach Angaben der Polizei noch ungeklärt. Auch zum Schaden an Lastzug, Ladung und Böschung liegt noch keine Schätzung vor. Er wird aber sicherlich im fünfstelligen Bereich liegen.

Der Sattelzug war auf der Fahrt von Jever ins Wangerland auf die schmale Berme geraten, in den Graben gerutscht und in ganzer Länge umgekippt. Die Landesstraße ist in dem Bereich relativ schmal. „Busse und Lastwagen müssen dort im Begegnungsverkehr ganz am Rand der Fahrbahn fahren“, sagt Hans Mewes. Kommen die Räder einmal auf die Berme, sind schwere Laster kaum zu halten.


Die Bergung gestaltete sich aufwendig. Die Ladung bestand aus 1200 Kästen Halbliterflaschen Jever Pilsener: 24.000 Flaschen, 12.000 Liter Bier. Die Bierkisten sind nicht nur umgekippt, eine Vielzahl an Flaschen ist auch zu Bruch gegangen.

Hans Mewes hat einen Trupp von rund 20 Helfern organisiert, die die heilen Flaschen von Hand aus dem Auflieger geborgen haben. Die Kisten wurden auf Paletten gestapelt und per Gabelstapler zum Abtransport in einen Sattelzug gestellt.

Glasscherbeneinsammeln

Die Helfer mussten auch den Glasbruch komplett einsammeln. Theoretisch hätte man den Graben mitsamt Glasscherben nach der Bergung des Sattelzugs einfach auskoffern können, nur: „Keine Deponie nimmt das an“, sagt Mewes. Also gab es keine Alternative, als zigtausende von Bruchstücken von Hand einzusammeln.

Das Herausziehen des Sattelzugs (Leergewicht: etwa 14 Tonnen) aus dem Graben war dann noch einmal eine Herausforderung für Mewes und seine Leute, darunter auch welche vom Abschlepp- und Bergungsunternehmen Koopmann (Oldenburg), mit dem Mewes häufig zusammenarbeitet. Mit Stahlseilen an den Achsen wurden Auflieger und Zugmaschine von schweren Lkw-Bergungsfahrzeugen aus dem Graben gezogen und gegen 22.30 Uhr wieder auf die Straße gestellt.

Zugmaschine erstfünf Monate alt

Mewes hat den Lkw, eine DAF-Zugmaschine, die erst fünf Monate alt ist, zu seinem Betrieb in Hooksiel geschleppt. Vermutlich ist der Laster fahrfähig, sagt Mewes. Die Fahrerkabine ist allerdings demoliert. Und der Auflieger könne wahrscheinlich mit geringem Reparatur-Aufwand wieder in Betrieb genommen werden, sagt Mewes.

Allerdings: Der Aufbau mit Plane ist Schrott, da verbogen und beschädigt. Mewes musste zudem den Aufbau abnehmen, um den Sattelzug überhaupt bergen zu können. An diesem Freitag sollen diese Reste und auch die Bierkisten, die in den Graben gepresst wurden, geborgen und abtransportiert werden.

Einige Scherzbolde fragen nun, wie viele Bierflaschen kaputt gegangen sind und ob das Pfingstfest gefährdet ist. Und: Nein, die geborgene Ladung ist gesichert – da kann niemand „für umme“ einen Kasten Bier abstauben.

Viel Papierkramfür Hans Mewes

Bei allem Ärger für die Betroffenen und trotz aller Verkehrsbehinderungen – für Hans Mewes war es ein erfolgreicher Einsatz, der gut gelaufen ist. Auf ihn wartet jetzt viel Papierkram: Er muss die Bergung akribisch dokumentieren. Gutachter von den Versicherungen werden Ladung und Fahrzeug in Augenschein nehmen, und der Zoll geht der Frage nach, was aus dem Bier geworden ist.

Bei Unfall-Fahrzeugen aus einem Nicht-EU-Land (wobei Auflieger und Zugmaschine auch in unterschiedlichen Ländern gemeldet sein können) und einer Spedition sonst wo kann die versicherungstechnische Abwicklung richtig kompliziert werden, sagt Mewes. In diesem Fall dürfte es relativ glatt laufen: Spedition, Zugmaschine, Auflieger – alles aus Polen, also aus einem EU-Land.

Jörg Grabhorn
Jörg Grabhorn Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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