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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Als die Bildung das Bürgertum erreichte

26.03.2016

Varel Am Sonnabend, den 3. April 1841, publizierte „Der Gemeinnützige“ die Mitteilung des „Geistlichen Collegiums der edlen Herrschaft Varel“, dass „die Einrichtung der hiesigen Bürgerschule nunmehr glücklich so weit gediehen ist, daß sie Anfang Mai dieses Jahres eröffnet werden kann, und zwar gleichzeitig in drei Classen.“

Den Unterricht übernehmen „der 2te hiesige Prediger, Pastor Bödecker, als oberster Lehrer, der Candidat Sägelken aus Bremen, als Hauptlehrer (Cantor), der Bau- und Domainen-Inspector Gieschen, der Schreib- und Rechenlehrer Hoyer hieselbst, und endlich der bisherige Schullehrer Oeltjen zu Seggehorn.“ Unterrichtet werden – und das war keine Selbstverständlichkeit – „Knaben und Mädchen gemeinsam“, schrieb der Vorgänger der NWZ  vor 175 Jahren.

Wie immer hatte auch damals die Gründung der neuen Schule Auswirkungen auf das bestehende Schul-System: In Varel gab es also für „Privatschulen kein ferneres Bedürfnis mehr“, sie sollten „hieselbst nicht mehr verstattet werden.“

Seit 1836 war – unter anderem im „Gemeinnützigen“ – debattiert und gestritten worden, ob und wie aus der schon bestehenden Cantorschule eine „Bürgerschule“ werden kann. In dieser Schule sollte „namentlich in neuern Sprachen, im Zeichnen, in der Mathematik“ unterrichtet werden, weil diese Lehrgegenstände „nach jetzigen Anforderungen“ im „Handelsstande, der Landwirtschaft, dem Fabrikwesen oder einem Handwerke (…) ganz unentbehrlich sind“.

Die Stadtgemeinde Varel hatte 1841 rund 3500 Einwohner. Sie war zu dieser Zeit also knapp halb so groß wie Oldenburg, und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Industrie- und Handelszentren im Oldenburger Land.

Amtmann Barnstedt dokumentierte in seiner Schrift „Die Bürgerschule in Varel – Entstehung und Stiftung“ aus dem Jahre 1840 nicht nur die wichtigsten Etappen der Entstehung der Schule, sondern auch, wie die Mittel zu ihrer Finanzierung beschafft wurden. Selbst Reichsgraf Gustav Adolph Bentinck spielte dabei noch eine wichtige positive Rolle, indem er Geld und das Grundstück an der Nebbsallee stiftete, auf dem das Gebäude mit seinen vier Klassenräumen errichtet wurde.

Wer die Liste der Subscridenten durchgeht, die „Beiträge zum Bürgerschulfundus“ geleistet hatten, gewinnt ein plastisches Bild von den Bürgern, die sich hier durch „Eintracht und gemeinsames Streben für Varel’s Wohl“ engagierten. Barnstedts Broschüre enthält zudem einen Plan des Baus, die Reden zur Grundsteinlegung und detaillierte Regelungen, die „Statuten“, nach denen die neue Schule funktionieren sollte.

Mit der Einrichtung der „Bürgerschule“ – welch ein schöner Name in einer Zeit, in der die Herrschenden noch von „Untertanen“ sprachen – beginnt die wechselhafte Geschichte des höheren Schulwesens in Varel. Es lässt sich zwanglos eine Linie von dieser Bürgerschule über ihren Ausbau zu einer Realschule und Oberrealschule bis hin zum heutigen Lothar-Meyer-Gymnasium ziehen. Das Gymnasium kann damit auf eine 175-jährige Tradition zurückblicken und wird das auch in diesem Jahr entsprechend feiern.