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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Das waren die ersten Vareler Abiturienten

02.07.2016

Varel Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg, der Revolution und der Gründung der Weimarer Republik änderte sich vieles in Deutschland – auch an der Realschule. Zunächst einmal wurden die Vorklassen abgeschafft, mit denen sich die Volksschule umgehen ließ. Das war, wenn man Karl Steinhoffs Klassenlehrer Helms glauben darf, kein pädagogischer Verlust.

Doch wenn jetzt auch alle Schüler ohne soziale Differenzierung in eine gemeinsame Grundschule gingen, so gab es doch – wenigstens im Freistaat Oldenburg – in den Volksschulen weiterhin die Trennung nach Religion und Geschlecht. Das Gleichheitsverlangen stieß hier auf eine offenbar nur schwer überwindbare Grenze.

Ausbildung neu geordnet

Für die Realschule zeichnete sich aber bald eine Kompensation ab. Die Volksschullehrer wurden in sogenannten „Seminaren“ ausgebildet, „die den Doppelcharakter einer auf der Volksschule aufbauenden Anstalt der Allgemeinbildung und einer Fachhochschule“ (Steinhoff) zugleich besaßen. Für das Großherzogtum befand sich das einzige Seminar in Oldenburg.

1913 wurde in Varel ein zweites Seminar gegründet (siehe Infobox). Doch der Weltkrieg verhinderte die Realisierung der Ausbaupläne. Und nach dem Krieg wurde die Ausbildung der Volksschullehrer neu geordnet, schrieb doch die neue Verfassung in Artikel 143 vor, dass auch die Lehrerbildung „nach den Grundsätzen, die für höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich zu regeln“ sei.

Erst Realschule, dann Landwirtschaftsschule und Lehrerseminar, heute Grundschule (Postkarte von 1908). BILD: Archiv

Wechselvolle Geschichte der Schule an der Osterstraße

Für das Großherzogtum befand sich das einzige Seminar zur Lehrerausbildung in Oldenburg. Schon um die Jahrhundertwende war jedoch klar, dass das wegen seiner strengen disziplinarischen Vorschriften so genannte „graue Kloster“ nicht genügend Lehrer-Nachwuchs ausbilden konnte. Deshalb wurde 1913 ein zweites Seminar in Varel gegründet – provisorisch untergebracht in der auslaufenden Landwirtschaftsschule an der Osterstraße.

Die Seminare sollten für begabte Schüler aus den Volksschulen durch „Aufbauschulen“ ersetzt werden, die zur allgemeinen Hochschulreife führen. Dr. Reiche, der Direktor der Realschule, entwickelte sogleich den Plan, „an seiner Anstalt sogenannte Aufbauklassen einzurichten, die auch nach acht Volksschuljahren in sechs Jahren zur Reife führen sollten. Er hoffte, dass eine solche Erweiterung seiner Schule eine größere Bedeutung verschaffen würde, und rechnete mit der Zustimmung der Schulbehörde, weil auf diese Weise eine besondere Schule eingespart werden könnte.“

Lange Diskussionen

Reiches Vorschlag fand jedoch keine Zustimmung, der Stadtmagistrat in Varel zeigte sich – anders als in Oldenburg – nicht bereit, für eine Aufbauschule „größere Opfer“ zu bringen. Für den Seminarlehrer Purnhagen lag das daran, dass die Stadtverwaltung durch die der Inflation geschuldeten „Scheinblüte“ der Vareler Industrie „den sachlichen Maßstab verloren“ hatte: „Jeden Morgen setzte mit der Ankunft der Züge von Wilhelmshaven eine wahre Völkerwanderung ein, da viele Arbeiter der in Wilhelmshaven abgebauten Werft hier in Varel einen neuen Arbeitsplatz gefunden hatten.“

So zog sich die öffentliche Diskussion über die Entwicklung des Vareler „Schulwesens“ über das ganze Jahr 1922 hin. Widerstand gegen Ausbaupläne für die Realschule gab es vor allem von Seiten der Linken, die vorrangig für eine Verbesserung der Verhältnisse in den Volksschulen eintrat und überhaupt an der Verfassungs-treue Dr. Reiches und seines Kollegiums zweifelte. Dieser reagierte im September 1922 mit einem Antrag auf Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen sich selbst beim Oldenburger Oberschulkollegium.

Schließlich war aber auch die Linke mit einer Umwandlung der Realschule in eine Oberrealschule einverstanden, konnten doch angehende Volksschullehrer nun ihre Reifeprüfung vor Ort ablegen. Es fehlte nur noch eine Einigung mit dem Amtsverband über die Aufteilung der Kosten.

Zehn Absolventen

Als dies 1923 trotz der galoppierenden Inflation gelang, konnte die erste Oberstufenklasse eingerichtet werden. 1926 – gleichzeitig mit der endgültigen Abwicklung des Vareler Seminars – verabschiedete Dr. Reiche höchstpersönlich den ersten Abiturienten-Jahrgang: sechs Jungen und immerhin vier Mädchen.

Varel hatte nun seine Oberrealschule, doch nur fünf Jahre später, 1931, vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und den Notverordnungen, wird von der Regierung in Oldenburg die Notwendigkeit dieser Oberrealschule – genauso wie der in Brake – wieder in Frage gestellt.

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