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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Führerschein: Fahrerlaubnis voller Flecken         und Falten

16.07.2016

Jeverland Was hat viele Falten und Altersflecken und macht einen doch Jahrzehnte jünger? Na klar, der Führerschein. Der gute alte „graue Lappen“, der auch viele bekannte und inzwischen ergraute Gesichter des Jeverlandes in jugendlicher Frische zeigt. In Hosentaschen wurde der alte Führerschein jahrelang zusammengefaltet herumgetragen, wurde faltig gesessen, schweißgetränkt, vom Regen durchnässt, wurde von manchem Besitzer etliche Male zu heiß mitgewaschen und auf der Heizung getrocknet. So wurde aus unzähligen alten Führerscheinen mit den Jahren hässliche, abgewetzte graue Lappen. Innig geliebte alte Lappen, in denen viele Erinnerungen stecken...

Renate Huckfeld lacht. Die Jeveranerin, Jahrgang 1940, die bis heute viele Jahre kommunalpolitisch engagiert ist, hat ihren „alten Lappen“ hervorgeholt. Das Bild zeigt die immer noch adrette Frau von Mitte 70 und begeisterte Cabriofahrerin als junges Ding mit damals typischer Bienenkorbfrisur. Ihren Führerschein hat sie 1963 in Kiel gemacht, da war sie 23 Jahre alt. „Führerschein und Tanzschule, das gehörte zum Erwachsenwerden dazu“, sagt sie. Ihr erstes Auto war ein kleiner Italiener, ein Fiat 500. Mit dem hat sie in Eckernförde und Umgebung Tupperware herumgefahren. Selbst ist die Frau, auch 1963 schon.

Der Führerschein war nicht immer ihr treuer Begleiter. Vor etlichen Jahren, da lebte die Kielerin längst in Jever, hat sie nach einer Feier, bei der viel Alkohol floss, ihren Führerschein abgeben müssen. Gefahren war damals allerdings ihr inzwischen verstorbener Mann. Weil der aber auf seinen Führerschein angewiesen war, gab Renate Huckfeld später an, sie habe am Steuer gesessen. So wurde aus der fröhlichen Feierrunde wenige Tage später eine skurrile Trauergemeinschaft: Ähnlich einer Prozession in New Orleans brachte Huckfeld ihren Führerschein auf einem schwarzen Kissen gebettet, begleitet von Kapelle und ganz in schwarz gekleideten Freunden, zur Polizeidienststelle. Die Aktion sorgte damals tagelang für Gesprächsstoff in der Kreisstadt.

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Apropos Polizei: Michael Ramke, SPD-Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister in Sande, leistete sich als junger Kerl als erstes Auto nach bestandener Führerscheinprüfung einen Polizeiwagen. Einen ausrangierten grünweißen Passat Variant Automatic, für 3000 Mark. Plus 300 Mark fürs Umlackieren. „Der hatte hinten noch die Ablage für die Maschinenpistole....“, so Ramke.

„Durch die theoretische Prüfung bin ich einmal durchgerasselt“, sagt der 60-Jährige, der seine Fahrprüfung im Frühjahr 1978 in Wilhelmshaven gemacht hat. „Beim zweiten Versuch sechs Wochen später hat’s dann aber geklappt.“ Die praktische Fahrprüfung hat er gleich im ersten Anlauf bestanden. 22 Jahre war er damals. „Ich hatte das Geld mit 18 für den Führerschein noch nicht zusammen.“ Und bei der Bundeswehr, wie er gehofft hatte, konnte er den Führerschein dann doch nicht machen.

Sein Führerscheinbild zeigt einen jungen Mann mit dünnem Schnauzbart, vollem Haar, dem mit Gewalt ein Scheitel gezogen ist, und einer Brille mit Gläsern so groß wie die Deckel von Omas Einmachgläsern. „Viele sahen damals so aus“, sagt Ramke lachend. Abgeben musste er den „Lappen“ nie. „Ich habe auch keine Punkte in Flensburg.“ Seit fast 40 Jahren fährt Ramke unfallfrei – inzwischen einen braven Citroën ohne MP-Ablage.

Arnulf Hartl, Jeveraner Kommunalpolitiker mit Münchner Migrationshintergrund, hat seinen Führerschein 1966 in der bayrischen Landeshauptstadt gemacht. „Fahrschulwagen war ein Opel Rekord mit Drei-Gang-Lenkradschaltung“, sagt Hartl. Den Führerschein hat er vor 50 Jahren am 3. August 1966 gemacht. „Da war ich noch 17 – und musste noch fast drei Monate bis zu meinem 18. Geburtstag warten, bis ich fahren durfte.“ Man muss Hartl schon sehr lange kennen, um zu erkennen, dass er das auf dem alten Schwarzweiß-Bild sein soll...

An seine erste große Tour kann sich Hartl noch gut erinner. Er hatte damals einen 850er Fiat, mit dem fuhr er von Bayern bis nach Schweden und fand sich als Fahranfänger im Linksverkehr gut zurecht. Später – bei seiner Ausbildung zum Jet-Piloten in den USA – fuhr Hartl auch in Amerika. „Die hatten damals Anfang der 70-er in den USA schon Führerscheine im Scheckkartenformat“.

Seinen grauen Lappen darf er den Plänen des Bundesregierung zufolge noch bis 2033 behalten. „Dann bin ich, so Gott will, 85 Jahre alt. Dann wird es Zeit, den Führerschein endgültig abzugeben.“

Auch Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling hat noch den grauen Lappen – ausgestellt 1976 in Aurich. Sein erster Wagen war ein VW Käfer, es folgten etliche Opel Kadetts. Unfallfrei blieb auch er nicht: „Einmal wollte ich ausparken und hab mich verschaltet. Da bin ich dann statt rückwärts zu fahren nach vorne in eine Mauer geknallt. Aber erzählen Sie’s nicht weiter...“, sagt Böhling und lacht.

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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