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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Ratlosigkeit In Sande: Situation in Kindergärten „dramatisch“

06.02.2020

Sande Viele Erzieherinnen fallen krank aus, Vertretungskräfte gibt es nicht, viele Stellen bleiben dauerhaft unbesetzt: In Sandes Kindergärten wird die Luft immer dünner. Die Erzieherinnen gelangen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Inzwischen gibt es Überlegungen, Betreuungszeiten einzuschränken oder einzelne Gruppen zeitweise zu schließen. Eltern, aber auch die Gemeinde Sande sind alarmiert.

Und zugleich sind sie hilflos: Denn selbst die Personaldienstleister und Zeitarbeitsfirmen, mit denen die Gemeinde zusammenarbeitet, können nicht weiterhelfen: Der Markt an Erzieherinnen ist leer gefegt.

Während vielerorts kräftig in den Ausbau von Kinderbetreuung investiert wird, mangelt es überall an Fachpersonal, das in den Kindertagesstätten und Krippen arbeitet (siehe Infokasten). Sandes Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales, Hans-Hermann Tramann, sprach im Fachausschuss von einer „dramatischen Situation“.

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„Die Kinder sind ja da“

Was die Teams und die Leiterinnen in den Kindergärten und Krippen mit Blick auf die krankheitsbedingten Ausfälle ihrer Kolleginnen leisten, sei beachtlich, sagte Tramann. Jeden Morgen müsse neu geplant und das wenige Personal klug auf die Gruppen verteilt werden – „denn die Kinder sind ja da“, so Tramann. 

Ein Beispiel: Vor 14 Tagen wurde dringend eine Kraft für die Kita Cäciliengroden gesucht. Beide Personaldienstleister zuckten mit den Schultern: „Frühestens ab 10. Februar“, hieß es. In die Hoffnung, dass die Verstärkung dann kommt, mischt sich aus Erfahrung auch Skepsis: Die neue Erzieherin kam nicht, weil ihr eigenes Kind krank wurde.

Kindergärten: Warum es an personal fehlt

Die Zahl von Krippen und Kindergärten ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. In Sande entstand 2019 eine weitere Kita in Neustadtgödens, in der Nachbarkommune Schortens wurden eine neue Kindertagesstätte in Jungfernbusch und eine Krippe in Oestringfelde eröffnet – beides noch als Übergangslösung in Containern. Die Neubauten für die neuen Kindertagesstätten starten in diesem und im nächsten Jahr.

Seit Eltern einen Rechtsanspruch auf Betreuung ihrer Kinder ab einem Jahr haben, steigen die Anmeldezahlen, denn in aller Regel nehmen junge Eltern ein bis maximal zwei Jahre Elternzeit. Hinzu kommen steigende Kinderzahlen durch Zuzug von Familien und von Migranten. Dadurch müssten in vielen Kommunen Kindergärten baulich und personell aufgestockt werden.

Ein weiterer Punkt für den steigenden Personalbedarf sind die längeren Öffnungszeiten. Je mehr Ganztagsgruppen eröffnet werden, desto mehr Personal ist notwendig. Nicht zu vergessen: die seit etwa eineinhalb Jahren bestehende Elternbeitragsfreiheit, die ebenfalls für mehr Nachfrage nach Kindergartenplätzen sorgt.

Die Personalnot in den Kindergärten wird auch dadurch verschärft, dass Erzieherin immer noch ein Frauenberuf ist. Noch viel zu wenige junge Männer entscheiden sich für diesen Beruf – obwohl auch in Krippe und Kindergarten Männer als Bezugspersonen für Kinder dringend benötigt werden. Und: Viele Mitarbeiterinnen wollen selbst Kinder und fallen dann durch Schwangerschaft und Elternzeit oft länger aus.

„Das sind Situationen, die in den Einrichtungen Tag für Tag gemeistert werden müssen“, so Tramann. Er dankte auch den Eltern, die viel Verständnis zeigen, wenn aus Personalnot Betreuungsangebote zeitlich eingeschränkt werden und Eltern ihre Kinder statt um 17 Uhr schon um 14 Uhr abholen müssen. Die Eltern müssen dann selbst eine Kinderbetreuung organisieren. So ist das am heutigen Donnerstag in der Kita in Neustadtgödens wieder der Fall.

Was den Erzieherinnen neben den vielen Ausfällen auf den Schultern lastet, ist die ständige Ausweitung ihrer Aufgaben: Sie müssen sich fortbilden, sie müssen Standards erfüllen. Dann kommt die Sprachförderung dazu, die Dokumentation muss auch gemacht werden. „Das alles ist Teil der Praxis und muss gemacht werden“, sagt Tramann. Das alles werde zwar temporär vom Land geförderte, aber die eigentliche Arbeit liegt beim Personal in den Kitas. Hinzu komme seit einigen Jahren die höhere Erwartung der Eltern bei Betreuungsform und -umfang.

Zu wenige Plätze

Tramann sieht für die Gemeinde als Träger der Einrichtungen neue Problemfelder: „Es zeichnet sich jetzt Anfang Februar schon ab, dass wir im neuen Kindergartenjahr nicht genügend Plätze in Kindergärten und Krippen haben. Ich weiß nicht, wie wir das schaffen wollen.“ Dazu wird die unzureichende personelle Ausstattung der Kitas als Folge des Fachkräftemangels ein immer größeres Problem.

„Man hangelt sich irgendwie durch die Zeit. Als Gemeinde müssen wir die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und können nicht den oder die Erstbeste einstellen, sondern nur Kräfte mit den entsprechenden Ausbildungen. Das ist auch gut so – aber es wird immer schwieriger“, sagt Tramann.

Welch ein Glück hatte da die Nachbarstadt Schortens, die im vergangenen Jahr für den weiteren Ausbau ihres Kinderbetreuungsangebots fast 30 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialassistenten – einige in Vollzeit, viele in Teilzeit – neu anstellen konnte. „Es ist zunehmend ein Kraftakt, für Kitas und Krippen gutes qualifiziertes Personal zu bekommen“, sagt indes auch Anja Müller als zuständige Fachbereichsleiterin der Stadt Schortens. Die Stadt habe diese Stellen daher permanent ausgeschrieben und bemüht sich außerdem darum, Betreuungskräfte mit externen Bildungsträgern auszubilden und weiter zu qualifizieren.

Zeiten einschränken?

Auch Sandes Bürgermeister Stephan Eiklenborg spricht angesichts fehlenden Kita-Personals von einer „ernsten Lage“. Heute könne der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz wegen fehlender Fachkräfte nicht gewährleistet werden. „Wenn keine Betreuungskräfte nachwachsen, dann muss schlimmstenfalls die Betreuungszeit schrumpfen“, so Eiklenborg. Er appellierte an die Politik im Land, da dringend aktiv zu werden.

Stefanie Hentschel vom Kindergarten Cäciliengroden berichtet von langen Krankenlisten. Am Montagmorgen haben sich sechs Kolleginnen krank gemeldet, alles musste umorganisiert werden. Eltern wurden gebeten, zwei Tage lang ihre Kinder drei Stunden früher abzuholen.

„Eine meiner Hauptaufgaben ist, jeden Morgen das Personal so einzusetzen, dass irgendwie die Zeit von 7 bis 16.30 Uhr abgedeckt ist.“ Damit die Ganztagsmitarbeiter mal Pause machen können, springe sie jeden Tag in alle Gruppen.

„Wir schieben Personal nur hin und her. Der Kindergartenalltag leidet darunter“, sagt Hentschel. Hinzu komme, dass eine vakante 39-Stunden-Stelle immer noch unbesetzt ist – „das haut richtig rein. Wenn wir diese Stelle bis zum Sommer nicht besetzen können, müssen wir die Gruppe um 14 Uhr schließen.“

Kollegin Sandra Tholen aus Neustadtgödens steht vor ähnlichen Problemen. Nicht nur Erzieherinnen, sondern auch elf von 15 Kindern in der Krippe seien krank zu Hause geblieben. Das sei aber eine Win-Win-Situation, sagt Tholen und setzt das Wort mit ihren Fingern in Gänsefüßchen: „Andernfalls hätte ich die Gruppe heute dichtmachen müssen.“

Oliver Braun Agentur Hanz / Redaktion Jever
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