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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Darum gibt’s 2020 weniger Abiturienten

07.06.2018

Varel Niedersachsen kehrt zum Abitur nach 13 Jahren (G9) zurück. Erster Nutznießer dieser Regelung ist der Abiturjahrgang 2021. Konsequenzen hat das bereits für die jetzigen Oberstufler.

Warum überhaupt wieder Abi nach 13 Jahren?

Die Integrierten Gesamtschulen hatten sich erfolgreich gegen eine Reduzierung auf G8 gewehrt. Die Gymnasien mussten reduzieren – zum Start mit dem Doppeljahrgang 2011 – und kehren nun zurück. Nach der Entscheidung sagte die damalige Kultusministerin Heiligenstadt: „Die Verdichtung der Unterrichtsthemen und die hohe Pflichtstundenzahl pro Woche haben sich belastend auf die persönliche Entwicklung und das Lernverhalten ausgewirkt.“ Nun gebe es „wieder mehr Zeit zum Lernen und Leben“.

Wie bewerten das die Schüler?

Am Lothar-Meyer-Gymnasium stehen die Schüler hinter der Rückkehr zum G9-Abitur. „G9 gibt einem die Möglichkeit, mehr Zeit in die Freizeit zu stecken“, sagt Aljoscha Raschke von der Schülervertretung am LMG. „Und ob man es glaubt oder nicht, Freizeit bildet auch – nicht nur Mathe und Latein.“ Gerade die Freizeit komme beim G8-Abitur aber zu kurz. Aljoscha Raschke rechnet vor, dass ein Oberstufenschüler im G8-Modus schnell auf 47,5 Arbeitsstunden in der Woche kommt. Für Nachhilfe oder ehrenamtliches Engagement bleibe da kaum Zeit. „Die logische Konsequenz ist, dass irgendetwas hängen bleibt. Bei einigen der Schlaf, bei anderen die Schule, bei wieder anderen das Sozialleben.“

Dass es 2020 keinen regulären Abiturjahrgang gibt, stößt einigen Schülern dagegen sauer auf. Manche Schüler, so Aljoscha Raschke, würden ihr Abitur im Zweifel nicht nachholen, weil sie dann im Extremfall mit 21 Jahren immer noch zur Schule gehen müssten. Dass diese Schüler am Abitur scheiterten, liege nicht unbedingt an ihnen selbst, sondern auch an den erschwerten Bedingungen des G8-Abiturs.

Was ist, wenn ich mein Abi 2019 nicht schaffe oder freiwillig wiederhole?

Wer sein Abi 2019 nach zwölf Jahren nicht schafft, muss grundsätzlich insgesamt 14 Jahre investieren und damit zwei weitere Jahre an seiner/ihrer Schule bleiben – bis 2021. Denn 2020 gibt es keinen regulären Abiturjahrgang.

Gibt es einen Ausweg?

Es gibt Brückenjahrgänge, in denen die Schüler auch 2020 ihr Abitur machen können. Wegen der geringen Schülerzahlen gibt es die aber nur an sehr wenigen Schulen. Am Lothar-Meyer-Gymnasium ist so ein Brückenjahrgang aus organisatorischen Gründen nicht möglich, erklärt Oberstufenkoordinator Michael Frels. Brückenjahrgänge gibt es am Neuen Gymnasium Oldenburg oder an der KGS Wittmund.

Grundsätzlich wurden diese Sonderzüge aber nicht für Schüler eingerichtet, die ihr Abi 2019 nicht schaffen, sondern für Schüler, die beispielsweise von der Oberschule kommen und ihr Abitur machen wollen. „Unser Brückenjahrgang ist keine Auffangklasse“, sagt Karin Wutschke, Leiterin des Neuen Gymnasiums in Oldenburg. Es kann aber Ausnahmen geben, beispielsweise wenn es Schüler wegen längerer Krankheit oder eines Auslandsaufenthalts nicht schaffen.

Eine mögliche Alternative für ein Abitur im Jahr 2020 stellen die Integrierten Gesamtschulen da. Die waren von der Umstellung aufs G8-Abitur nämlich nicht betroffen, entsprechend legen die Schüler dort immer unter G9-Bedingungen die Abitur-Prüfungen ab. An der IGS in Zetel brauchen es Varels Gymnasiasten allerdings nicht versuchen, da die Schule keine Oberstufe hat. In Schortens allerdings schon. Dort wird 2020 wie immer Abitur geschrieben. Das gleiche gilt übrigens für berufliche Gymnasien.

Ein Schulwechsel fürs Abitur bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich: Es müssten schließlich Plätze mit der entsprechenden Fächerkombination frei sein. Wer in einem Brückenjahrgang an einem Gymnasium sein Abitur macht, wird auch weniger Auswahl haben: Wegen der geringen Schülerzahlen stehen weniger Fächerkombinationen zur Auswahl.

Was bedeutet G9für den Schulalltag?

Grundsätzlich führt die Umstellung erst einmal dazu, dass das Abitur jetzt wieder in 13 Schuljahren gemacht wird. Das heißt auch: Der elfte Jahrgang stellt wieder die Einführungsphase dar, die so genannte Qualifikationsphase für die Abiturprüfungen erstreckt sich über die Jahrgänge 12 und 13. Andere Änderungen begleiten die Gymnasien bereits seit einigen Jahren: Die Umstellung auf das G9-Abitur machte es notwendig, dass auch die Curricula geändert werden. Das fängt allerdings nicht erst in Klasse elf an, sondern bereits in den unteren Klassenstufen. In der Vergangenheit mussten die Curricula also bereits umgewandelt werden. Für die anderen Lerninhalte braucht es auch andere Bücher, mit denen die Schüler ausgestattet werden.

Müssen sich schlechtere Schüler wegen des Wegfalls des Abi-Jahrgangs 2020 Sorgen machen?

„Bevor die Schüler in die Oberstufe einsteigen, gibt es eine Informationsveranstaltung“, sagt Michael Frels, damit alle Fragen zum Abitur beantwortet werden können. Mit den Schülern, bei denen es mit dem Abitur eng werden könnte, werden Einzelgespräche geführt. „Wir haben schon im Januar mit den ersten gesprochen, ein paar Schüler sind dann auch schon zurück gegangen“, sagt der Oberstufenkoordinator. Wenn die Noten für das zweite Halbjahr feststehen, werde es weitere Beratungsgespräche geben, zu denen auch die Eltern der Schüler eingeladen werden, um zu schauen, was möglich ist.

Welche Folgen hat der Wegfall für die Universität?

Prof. Dr. Sabine Kyora, Vizepräsidentin der Uni Oldenburg, sagt: „Wir gehen davon aus, dass in Folge der sogenannten ‚Abiturpause‘ in Niedersachsen im Wintersemester 20/21 weniger Studienanfänger als in den letzten Jahren zu verzeichnen sein werden. Allerdings erwarten wir keinen dramatischen Einbruch, da die Aufnahme eines Studiums häufig nicht unmittelbar auf das Abitur folgt, sondern sich etwa durch Auslandsaufenthalte oder eine Ausbildung um ein bis zwei Jahre verschiebt. Zudem besteht eine Durchlässigkeit zu benachbarten Bundesländern, insbesondere NRW, über die auch ein gewisser Ausgleich zu erwarten ist.“

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110
Christopher Hanraets
Varel
Redaktion Friesland
Tel:
04451 9988 2504

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