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NWZonline.de Region Friesland Bildung

Jugendliche aus Zetel prangern Missstände an

30.10.2018

Zetel Beim Projekt „Map the Gap“ haben zwölf Jugendliche aus Zetel, Bockhorn, Varel und Jever eine GPS-Tour rund um die Themen Diskriminierung und Vielfalt ausgearbeitet. Mit vielen Anregungen und Ideen haben sich die Jugendlichen beim zweiten Workshop an diesem Wochenende in den politischen Diskurs eingebracht. Und die Gemeinde hat im Dialog mit ihnen konkrete Zugeständnisse gemacht.

Interessierte können die rund fünf Kilometer lange GPS-Schatzsuche jetzt schon mit dem Smartphone über die App „Actionbound“ in der Testversion spielen. Einfach die App herunterladen, Zetel in das Suchfeld eingeben und los geht’s. Ab Dezember, wenn alle Fehler ausgemerzt sind, ist die Zetel-Route dann als erste Tour im ländlichen Raum auch über die Map-the-Gap-App des Landesjugendrings verfügbar.

Start- und Zielort ist der Jugendtreff „Steps“ in Zetel, der das Projekt gemeinsam mit der Onlinezeitung FRI News der Oldenburgischen Landschaft nach Friesland geholt hat.

In zwei Workshop-Wochenenden haben sich die Jugendlichen intensiv mit dem Thema gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, also die Diskriminierung von Menschen, weil sie einer bestimmten Gruppe zugerechnet werden, in ihrer Umgebung auseinandergesetzt. Am Ende stand ein ganzer Forderungskatalog mit Wünschen und Anregungen, die Bernd Hoinke als Erster Gemeinderat am Sonntag dankbar entgegennahm.

Die Jugendlichen störten sich an einer Reichskriegsflagge, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Integrierten Gesamtschule (IGS) in einem Privatgarten gehisst ist. Sie regten an, Flagge zurück zu zeigen und etwa den EWE-Stromkasten direkt gegenüber als Zeichen für Toleranz in den Regenbogenfarben zu bemalen. „Eine tolle Idee“, fand Hoinke.

Am Denkmal zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt im Friedensgarten fehle es an Sitzgelegenheiten, finden die Jugendlichen. Hoin­ke erinnerte sich, dass der Ort einmal ein Treffpunkt für junge Leute war und dass genau das irgendwann nicht mehr gewünscht war. Aber: „Ein Denkmal ist kein Denkmal, wenn es dort kein Leben gibt“, erklärte der Erste Gemeinderat und lud die Jugendlichen ein, über das Jugendparlament einen Plan einzubringen, wo die jungen Leute sich Bänke wünschen.

Außerdem klagen die Jugendlichen über schlechte Busanbindungen. „Am Sonntag habe ich keine Möglichkeit, von Varel aus zu meinen Freundinnen nach Zetel und Neuenburg zu kommen“, sagt die 14-jährige Clairia. Jonas schlug vor, Taxen einzusetzen, die Jugendliche mit ihrer Busfahrkarte nutzen könnten. Doch Bernd Hoinke musste auf den Landkreis als zuständige Behörde verweisen. „Dort sind wir als Jugendparlament mit dem Thema Mobilität nicht weitergekommen“, bedauerte Lea. „Man wird schnell abgespeist.“ Hoinke riet den Jugendlichen, sich nicht abspeisen zu lassen. „Der Landkreis arbeitet an einem Konzept. Stellt einen schriftlichen Antrag an die Gemeinde: Wir wollen informiert werden!“ Er brachte außerdem die Mitfahrerbank ins Gespräch. „Fast alle sind bereit, junge Leute mitzunehmen“, ist Hoinke überzeugt. „Wir könnten mit der Strecke Zetel-Neuenburg anfangen und das Konzept dann weiter bis nach Varel ausbauen.“

Müll und verschmutzte Toiletten monierten die Jugendlichen am ZOB. „Das geht überhaupt nicht. Ich werde mich darum kümmern“, versprach Hoinke. In Sachen Überdachung sei bereits eine Lösung in Sicht.

Größter und schwierigster Kritikpunkt bleibt wohl die IGS: Viele Kinder und Jugendliche hätten Vorurteile gegenüber homosexuellen Mitschülerinnen und Mitschülern. In Fällen von Ausgrenzung und Mobbing fühlten sich Betroffene durch Lehrkräfte und Schulsozialarbeit nicht ausreichend geschützt. „Wir brauchen einen Methodentag zum Thema Diskriminierung“, fordert die 14-jährige Sham.

Darüber hinaus gibt es auch ganz triviale Probleme von der Schulhofgestaltung bis zum Mensaessen. „Draußen sind zu wenig Spielgeräte und im Winter ist die Aula überfüllt. Außerdem fehlt es dort an Sitzgelegenheiten“, beobachtet Jonas. Bernd Hoinke empfahl, im Wahlkampf für die Landratswahl 2019 die Kandidaten in die Pflicht zu nehmen. Immerhin sei der Landkreis Schulträger. Und: „Keiner kann sich zurücknehmen und sagen, es ist kein Geld da. Man kann auch Sponsoring durch Unternehmen betreiben. Das ist eure Schule!“ Er verwies auf das Beispiel der Grundschule Zetel, wo Schüler und Eltern gemeinsam mit der Schulleitung einen Arbeitskreis gegründet und damit viel erreicht hätten.

Das Essen in der Schulmensa ist nach Einschätzung der Jugendlichen „ungesund und überteuert“. „Dagegen muss man sich wehren“, pflichtete Hoinke ihnen bei. Von der Kritik habe er schon oft gehört. „Schule ist kein Ort für irgendjemanden, um damit Geld zu verdienen. Schule ist ein Ort zum Lernen und sich Wohlfühlen. Kommt ins Rathaus. Wir machen uns für euch stark. Wenn ihr nicht gehört werdet, müsst ihr den Protest verstärken.“


Mehr Infos unter   www.mapthegap.de 

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