Ostiem - Der Weg zum Biohof Ostiem führt direkt in eine Wohnsiedlung von Schortens – weit und breit ist keine Weide zu sehen und kein Tier zu hören. „Wir fahren mit dem Auto zu den Tieren“, erklärt Landwirt Nils Hiller.
Zusammen mit seiner Frau Kirsten und Hund Rupert geht es im Geländewagen los, tief ins Land hinein. Und da sind sie endlich – die Schafe des Biohofs Ostiem: Entspannt grasen sie auf einer Weide mit einer großen Freiflächen-Fotovoltaikanlage, geschützt mit einem hohen Metallzaun.
Der Biohof Ostiem von Nils und Kerstin Hiller nimmt Anfragen und Bestellungen unter Tel. 0172/65 13 520 an. Am 12. Dezember ist nächster Schlachttermin; dann gibt es frisches Lammfleisch bei der Bioschäferei – Gulasch, Hackfleisch oder Keule, Salami, Lammbeißer und Schinken.
Am Freitag, 18. Dezember, baut der Biohof Ostiem erneut seinen Stand auf dem Wochenmarkt in Jever auf. Dort gibt es dann als Geschmacksprobe zum Beispiel die Lammbeißer – geräucherte Minisalamis mit leicht scharfem Abgang.
Geplant ist die Eröffnung eines Hofladens – doch im Corona-Jahr hat sich das verzögert.
Schutz vor dem Wolf
„Die Tiere haben auf der Weide sehr großen Schutz vor dem Wolf“, betont der 44-Jährige. Der Schutz ist wichtig, denn die beiden Schortenser arbeiten nach dem neuseeländischen Prinzip – die Tieren stehen ganzjährig draußen. „Da sind die Fotovoltaikmodule natürlich perfekt, denn sie geben sehr viele Schutz vor der Sonne im Sommer und auch zum Ablammen“, erklärt der gelernte Forstwirt.
Für die kalte und nasse Jahreszeit haben die Schafe einen dicken Wollmantel. Der Schäfer zeigt an Heidschnucke Onno, wie warm und trocken es unter der Wollschicht ist.
Schafe spielen im Leben des Landwirts schon immer eine große Rolle. „Ich habe als Kind schon mit Playmobilschafen gespielt“, sagt Nils Hiller und lacht. Mittlerweile sind aus den Playmobilschafen jedoch 200 echte Schafe geworden – Heidschnucken und Kreuzungen mit dem Wiltshire Horn aus Großbritannien. „Das ist eine der ältesten britischen Schafrassen und sie verlieren von allein ihre Wolle im Frühjahr “, erklärt der Berater für landwirtschaftliche Spezialprodukte.
Die Wolle der Schafe lassen Hillers zu kleinen Plüschschafen verarbeiten. „Die verkaufen wir zusammen mit unserem Fleisch“, erzählt Kerstin Hiller. Und das ist die Besonderheit der Schäferei. „Wir verkaufen unser Fleisch direkt an die Kunden“, erklärt sie. Die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreibt ökologischen Anbau und ist zertifiziert mit dem Bioland-Siegel.
Kurzer Weg zu Schlachter
Alle paar Wochen gibt es Schlachttermine. „Unsere Tiere werden auf sehr kurzen Wegen transportiert“, betont Kerstin Hiller. So geht es zum kleinen Schlachter nach Horsten, wo die Tiere auch zerlegt und verarbeitet werden.
„Die Tiere kennen eigentlich ihr ganzes Leben lang nur die Freiheit der Wiese“, sagt Nils Hiller. Der letzte Gang mit seinen Tieren ist auch für den Schäfer sehr hart . „Ich mag jedes einzelne Schaf.“
Das Fleisch der Bioschäferei ist schon etwas Besonderes: Auf der Weide geboren und bis auf die letzten 20 Minuten nur draußen gelebt – das schmeckt man auch. Geschlachtet werden die Tiere mit zehn bis zwölf Monaten. „Wir beliefern auch Restaurants, die von der Kräuternote unseres Fleischs begeistert sind“, erzählt Kerstin Hiller.
Bisher vermarkten die Hillers ihr Fleisch, aber auch Wurst, Wolle und Felle auf Anfrage unter Tel. 0172/65 13 520. Meist ist beim Anruf sanftes Gemecker im Hintergrund zu hören – denn am liebsten sind die beiden auf der Weide bei ihren Schafen.
