Jever - Es hätte eine zweite Chance sein können für SPD und Grüne, ihre Haltung zum Beitritt Jevers zum Biosphärenreservat Wattenmeer noch einmal zu überdenken: Die CDU hatte beantragt, den erst vor kurzem knapp mehrheitlich gefassten Ratsbeschluss aufzuheben, um das Thema unter Beteiligung der Bürger neu anzugehen. Und dann hätte der Rat vielleicht doch noch die erneut ausgestreckte Hand der Landwirte, die in den beiden Landvolkvereinen Cleverns-Sandel-Möns und Jever organisiert sind, annehmen können, um den „Jeverländischen Weg“ zu beschreiten.

Stattdessen entschieden SPD und Grüne im Bau- und Umweltausschuss am Mittwoch mit 4 zu 3 Stimmen, dass sie nicht erneut über das Biosphärenreservat reden wollen. Der Befassungsantrag der CDU wurde abgelehnt.

Da half auch der Appell des jeverschen Landwirts Hilmar Beenken nichts. Die Landwirte befürchten, dass das Label „Biosphärenreservat“ mittelfristig dazu genutzt wird, weitere Naturschutz-Auflagen durchzudrücken. „Aus unserer Sicht wurde mit dem Beitritt das Fundament für künftige Sanktionen und Eingriffe Dritter gelegt“, kritisiert Beenken. Mit dem Ratsbeschluss sei die Partnerschaft zwischen Stadt und Land schwer beschädigt worden. Anfang April wollen die Landwirte beraten, wie es weitergehen kann. „Dabei werden wir auch unsere ehrenamtlichen Aktivitäten auf den Prüfstand stellen“, sagte er. Die Motivation dafür und auch für den vorgeschlagenen runden Tisch zur gemeinsamen Ausgestaltung des Biosphärenreservats gehe bei den Landwirten gegen Null.

Ausschussvorsitzende Elke Vredenborg (SPD) gab der CDU als Antragstellerin kein Rederecht, um noch einmal die Argumente für die Befassung mit ihrem Antrag zusammenzufassen. Zuvor hatte sie ebenso mit der SWG verfahren, die ebenfalls einen Befassungsantrag gestellt hatte. „Keine Diskussionen! Es geht nur um die Frage, ob wir uns überhaupt mit dem Thema befassen sollen, nicht um Inhaltliches“, begründete Vredenborg ihr Vorgehen. Schließlich hätte sowohl CDU als auch SWG mehrere Seiten schriftliche Begründung mitgeliefert.

Vredenborg zitierte außerdem Umweltminister Olaf Lies, der mit Blick auf die Sorge der Landwirte betont, der Beitritt zum Biosphärenreservat habe keinerlei rechtliche Auswirkungen auf die Belange des Naturschutzes.