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Biosphärenreservat Jevers Landwirte lehnen Beitritt ab

Dietmar Reck
Landwirte Jever gegen Beitritt zum Biosphärenreservat: Von links Carl Noosten, Jan Janssen, Bernd Melchers, Holger und Gesa Helmerichs und Hilmar Beenken. Sowie Ella und Hanno Helmerichs.

Landwirte Jever gegen Beitritt zum Biosphärenreservat: Von links Carl Noosten, Jan Janssen, Bernd Melchers, Holger und Gesa Helmerichs und Hilmar Beenken. Sowie Ella und Hanno Helmerichs.

Dietmar Reck

Jever - Die Landwirte Jevers wehren sich gegen einen Beitritt der Stadt zur Entwicklungszone des Biosphärenreservats Wattenmeer: Der alte Stadtrat hatte das abgelehnt – doch im neuen Rat mit rot-grüner Mehrheit steht der Beitritt nun wieder zur Diskussion. Die Landvolkvereine Cleverns-Sandel-Möns und Jever sind besorgt – sie sehen im Beitritt zum Biosphärenreservat „schlummernde Auflagen“, die ihre Existenz bedrohen könnten.

„Keine Vorteile“

„Es gibt keine Notwendigkeit für einen Beitritt außer politischer Illusionen“: Wenn Jever nicht mitmacht, „verpassen wir gar nichts. Es gibt keine direkten Vorteile für die Stadt“, sagen Jan Janssen, Bernd Melchers, Holger und Gesa Helmerichs und Hilmar Beenken. Sie erinnern die Politik an das Motto „Stadt und Land – Hand in Hand“ und hoffen auf Einsicht.

Die Vorsitzenden Hilmar Benken und Bernd Melchers verweisen auf die weltpolitische Entwicklung: Die Ukraine, deren Getreide- und Raps-Produktion 12 Prozent auf dem Weltmarkt und 50 Prozent in der EU ausmachte, wird infolge des russischen Angriffskriegs wohl ausfallen. „So wird die deutsche Landwirtschaft mehr denn je gebraucht, um die Versorgung sicherzustellen.“

Risiken für Betriebe

Die Landwirte misstrauen den Versprechungen, die die Befürworter des Beitritts machen – sie sehen vielmehr Risiken für ihre Betriebe. „Fördergelder sind reine Köder“, sind die Landwirte überzeugt. Und: „Landschaftspflege und Umweltschutz sind doch bei uns längst praktiziert.“

Risiko Biosphärenreservat?

Das Biosphärenreservat Wattenmeer soll um eine Entwicklungszone auf dem Festland erweitert werden. Ziele sind dabei einerseits besserer Schutz des Wattenmeeres, andererseits eine nachhaltige Entwicklung unter Naturschutz- und Klimaschutzaspekten des Festlands. Allerdings: Von den 30 Wattenmeer-Anliegerkommunen im Nordwesen Niedersachsens sind bisher nur 12 der Entwicklungszone beigetreten. Überall sonst überwogen die Vorbehalte gegen mögliche neue und zusätzliche Auflagen.

Jevers Landvolkvereine wollen vor der Entscheidung im Stadtrat am 10. März alle Hebel in Bewegung setzen, um den Beitritt abzuwenden, denn es ist ihr Grund und Boden über den dabei weitestgehend verfügt wird. Am Dienstag, 8. März, 19 Uhr laden die beiden Landvolkvereine Cleverns-Sandel-Möns und Jever zu einer Diskussion in den Schützenhof Jever ein. Zu Gast ist Agraringenieur Carl Noosten, Vizepräsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland.

Doch die Landwirte in der Stadt sehen nicht nur ihren Berufsstand in Gefahr, ergänzt Jan Janssen aus Cleverns: Durch die Möglichkeit des Einwirkens der Nationalparkverwaltung auf Bauleit- und Entwicklungsplanung könnte die Stadt in ihrer Souveränität eingeschränkt werden. Hilmar Beenken und Bernd Melchers verwiesen auch auf mögliche Restriktionen für die Wirtschaft.


Holger Helmerichs vom Landvolkverein Jever befürchtet, das mit der Zustimmung zur Entwicklungszone das Höfesterben beschleunigt wird, was sich dann auch auf die Landschaftspflege negativ auswirkt. „Letztlich wird ein Beitritt Jevers zum Biosphärenreservat nur die ohnehin überbordende Bürokratie verstärken – deshalb sind wir dagegen“, so die jeverschen Landwirte.

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