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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Seenotretter Im Nordwesten: 365 Tage im Jahr einsatzbereit

31.12.2016

Wangerooge Der nasskalte Nebel liegt wie Blei über dem Wattenmeer und will sich partout nicht heben. Ein Wintertag wie oft auf den Ostfriesischen Inseln. Wirklich raus zum Hafen, um dort den Vormann des Rettungsboots zu treffen?

Da kommt eine Viertelstunde vor der vereinbarten Uhrzeit ein Anruf: „Das wird nichts mit uns heute – wir haben gleich einen Krankentransport. Vielleicht morgen.“ Dicker Nebel hält den ADAC-Hubschrauber in Sanderbusch am Boden.

Wenige Minuten später verlässt die „Wilma Sirkorski“ den Westanleger mit einem Patienten und Arzt an Bord. „Routine“ – wird Roger Riehl am nächsten Tag mit lässiger Handbewegung diesen Einsatz abhaken. Er ist einer der dienstältesten Vorleute an der Nordsee.

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Wangerooges Seenotretter

1863: Der Bremische Verein zur Rettung Schiffbrüchiger, Vorläufer der DGzRS, betreibt die Station Wangerooge. Es gibt ein 20-Fuß-Ruderrettungsboot mit sechs Riemen und einen Rettungsschuppen.

1884: Etwa 500 Meter nordöstlich des Dorfes baut die DGzRS einen neuen Rettungsschuppen.

1895: Die Station bekommt ein neues 8-Meter-Ruderrettungsboot mit dem Namen „Fürstin Bismarck“. Ein Gemälde des bekannten Marinemalers Claus Bergen macht das Boot weithin bekannt.

1939: Das erste Wangerooger Motorrettungsboot heißt „John Köster“.

1959: Die Station wird aufgelöst.

1971: Die Station wird wieder eingerichtet. Am 22. Juli wird das sieben Meter lange Seenotrettungsboot „Gesina“ im Hafen stationiert (liegt heute am Inselmuseum Alter Leuchtturm).

1981: Die Station erhält ein Auto, um die Mannschaft im Einsatzfall zum Westanleger zu transportieren.

1997: Neuen Rettungsschuppen am westlichen Ende des Ortes eingeweiht.

1999: Am 8. Juni Taufe des 9,5-Meter-Seenotrettungsbootes „Wilma Sirkorski“. Es ist das Typschiff einer völlig neuen Bootsklasse.

Gibt es Routine, wenn die „Wilma“ ausläuft, auslaufen muss, um Hobbyskipper aus Seenot zu retten, Fischkutter vor der Strandung zu bewahren oder Kranke von der Insel zum Festland zu transportieren? „Spektakuläre Einsätze haben wir eher selten“, meint Roger Riehl (66) in seiner ihm eigenen Bescheidenheit. 42 Jahre gehört er zur freiwilligen Besatzung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) – Station Wangerooge. Seit 1985 ist er als Vormann verantwortlich und mit weiteren sechs Seenotrettern Tag und Nacht bereit, sich für das Wohl anderer Menschen einzusetzen.

Auf 30 bis 40 Einsatzfahrten kommt die Station Wangerooge im Jahr. „90 Prozent fahren wir für die Freizeitschifffahrt“, berichtet Riehl. Oft haben ortsfremde Skipper Probleme mit der Buhne H, die vom Westkopf der Insel 1,4 Kilometer weit in das Seegat der Harle ragt und fast ganz unter Wasser verläuft. „Da brummen diejenigen, die sich nicht auskennen oder die Seekarte nicht lesen, immer wieder auf“, verrät der Vormann.

Im Zivilberuf war der gebürtige Insulaner Techniker bei der Kurverwaltung. Als junger Mann fuhr er gelegentlich mit den Hanken-Brüdern, einer Wangerooger Kapitäns-Dynastie, auf Kümos durch Nord- und Ostsee.

In mehr als vier Jahrzehnten hat sich Roger Riehl ausgeprägte Revierkenntnis angeeignet. Dieser Tatsache verdankt unter anderem Dirk Scholz sein Leben. Seine Jolle sinkt im September 2014 zwischen Wangerooge und Spiekeroog. Die Seenotretter bergen den stark unterkühlten Segler, nachdem ein Offshore-Hubschrauber schon eine Viertelstunde die Unfallstelle abgesucht und abdreht hatte, weil der Sprit zu Neige geht.

Die Alarmierung erreicht die Seenotleitung Bremen auf ungewöhnlichem Weg: Die Rettungsleitstelle aus dem sächsischen Grimma informiert die Seenotretter über einen Notruf. Eine Frau hatte berichtet, via Handy von einem Bekannten, der sich derzeit auf Wangerooge aufhält, über einen Seenotfall informiert worden zu sein.

„Ein Netz in der Schraube – das ist für Fischer die Katastrophe schlechthin“, schildert Roger Riehl einen anderen „Routinefall“. Die Kutter der Harlesieler Flotte fischen oft vor der Insel, an den Rändern von veränderlichen Sandbänken und tückischen Riffen. Wenn dann der Antrieb ausfällt, droht die Strandung.

„Jetzt zählt jede Minute“, weiß der Vormann, denn kommt ein Kutter erst einmal auf harten Grund fest, wird es schwierig. Bei Alarm geht es per Geländewagen mit Blaulicht zum Hafen. Auf der „Wilma“ heißt es „Hebel auf den Tisch“ – also volle Kraft voraus. Die 320 Pferdestärken des 6-Zylinder Cummins verleihen dem 9,41 Meter langen Boot eine Geschwindigkeit von 18 Knoten (33 Km/h).

„Spektakulär“ in gewissem Sinne ist auch der Einsatz im Oktober dieses Jahres, als die „Harlingerland“ mit 286 Fahrgästen an Bord vom Weg abkommt und im Wattenmeer auf eine Sandbank brummt. Die Seenotretter holen einen erkrankten Jungen und seinen Vater vom Fährschiff ab – die anderen Passagiere „dürfen“ noch neun Stunden an Bord ausharren, bevor sie den Festlandhafen Harlesiel erreichen.

„Wenn wir gerufen werden, fahren wir raus“, versichert der Vormann, sogar – wie vor einigen Jahren – in der Silvesternacht. Zu seinem Boot hat er absolutes Vertrauen. Jeden Tag fährt Roger Riehl zum Hafen und kontrolliert die Einsatzbereitschaft der Bootes. „Inzwischen habe ich als Rentner ja mehr Zeit“, sagt er lächelnd.

Die „Wilma“ kam 1999 als Neubau und Typschiff dieser Klasse zur Insel. „Die Zentrale hat die Vorleute an der Entwicklung dieses Bootes beteiligt“, erinnert er sich an vier Wochen Aufenthalt auf der Schiffswerft Fr. Schweers in Bardenfleth. Gegenwärtig werden sechs neue Seenotrettungsboote an der Unterweser und in Rostock gebaut. Erfahrungen, die Roger Riehl und seine Kollegen in etlichen Einsätzen gesammelt haben, fließen darin ein.

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