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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

An der Kontrolle kommt keiner vorbei

20.03.2017

Sande An der Kontrolle kommt keiner vorbei: Selbst der Fahrer, der beim Anblick der Polizei-Kontrollstelle am Oldenburger Damm in die Eisen geht, wendet und seinen Weg zurückfährt, wird gestellt und kontrolliert. „Dieses Verhalten ist natürlich sehr auffällig“, sagt Markus Wallenhorst, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland: Seine beiden Kollegen Tim Bachem und Alexander Bleeker sind da bereits in den Einsatzbulli gesprungen, um das flüchtende Fahrzeug einzuholen.

Wer in der Nacht zu Sonntag nach Sande hineinfuhr, wurde garantiert an einer der Kontrollstellen herausgewunken. 22 Polizeibeamte der Inspektion Wilhelmshaven-Friesland und benachbarter Inspektionen, sechs Kollegen vom Zoll und zwei Polizei-Hundeführerinnen kontrollierten jedes Fahrzeug.

In acht Stunden 400 Fahrzeuge kontrolliert

22 Polizeibeamte aus dem Bereich der Polizeidirektion Oldenburg haben zwischen 21 und 5 Uhr in der Nacht zu Sonntag rund 400 Fahrer kontrolliert.

In vier Fällen saßen Fahrer unter Drogen- oder Alkoholeinfluss am Steuer – die Beamten leiteten ein Strafverfahren wegen Trunkenheit und drei Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Drogenkonsums ein. Vier Fahrer hatten keinen Führerschein. In einem Auto erwischten die Polizisten einen Heranwachsenden, gegen den ein Haftbefehl besteht – er wurde in eine Jugendarrestanstalt gebracht. In einem Auto wurde ein Teleskopschlagstock gefunden – der fällt unter die verbotenen Gegenstand nach dem Waffengesetz.

Bei einem Beifahrer wurde eine geringe Menge Marihuana entdeckt. Gegen den jungen Mann wurde ein Strafverfahren eingeleitet und das Cannabis sichergestellt.

Im Einsatz waren neun Polizeibeamte der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland sowie Kolleginnen und Kollegen anderer Polizeiinspektionen aus der Region, sechs Kolleginnen und Kollegen vom Zoll und zwei Kolleginnen der Diensthundführergruppe der Polizeidirektion Oldenburg.

„Wir haben Drogenspezialisten von überallher zusammengezogen“, erklärt Wallenhorst: Denn zu erkennen, ob ein Fahrer oder eine Fahrerin unter Drogen steht, sei nicht ganz einfach.

Die Mitglieder der Drogenkontrollgruppe werden speziell und intensiv geschult, erklärt Tim Bachem, der den Einsatz vorbereitet hat. „Natürlich haben wir eine bestimmte Klientel im Blick. Aber viel basiert auf Erfahrung und Bauchentscheidungen“, sagt er: In jedes Fahrzeug wird hineingeleuchtet. Haben die Polizeibeamten – immer zwei arbeiten zusammen – den Eindruck, dass sich die Kontrolle lohnen könnte, heißt es für den Fahrer auszusteigen.

Während einer der Polizisten anhand des Führerscheins die Personalien überprüft, beginnt der andere den Drogencheck: Hände nach vorn ausstrecken, auf einem Bein stehen – die Motorik und intensives Zittern der Finger geben Anhaltspunkte, ob jemand möglicherweise nicht clean ist.

Auch das Vorhandensein oder Fehlen von Pupillenreflexen sind Indizien: „Hat jemand Cannabis konsumiert, funktioniert der Pupillenschluss nicht: Bei Lichtreflexen pumpen die Pupillen, gehen auf und zu“, erklärt Bachem. Und das sei auch ein Grund, warum Autofahren unter Drogen so gefährlich sei: Die Sicht ist stark eingeschränkt.

Erhärtet sich der Verdacht, bittet die Polizei zum – freiwilligen – Urintest. „Wer nichts zu verbergen hat, ist meist sofort dazu bereit“, hat Bachem festgestellt. Zeigt der Schnelltest im Urin Spuren des Cannabis-Wirkstoffs THC (Tetrahydrocannabinol) oder anderer Drogen, wird die Blutentnahme angeordnet.

Und selbst wenn anhand der Blutprobe kein akuter Drogenkonsum nachzuweisen ist, folgt ein Verfahren: Wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Denn irgendwann hat die positiv getestete Person ja Drogen konsumiert.

Cannabis-Produkte sind übrigens noch bis 14 Tage nach Konsum im Urin nachweisbar. „Und das wissen viele nicht: Betäubungsmittel werden vom Körper viel langsamer abgebaut als etwa Alkohol. Und das bedeutet: Wer regelmäßig Drogen nimmt, und sei es auch nur, dass er gelegentlich kifft, darf grundsätzlich kein Auto fahren“, erklärt Bachem. Bislang gilt für Gerichte und Behörden ein Grenzwert von 1,0 Nanogramm.

Und noch etwas wird häufig vergessen: Heutige hochgezüchtete Cannabis-Produkte haben einen deutlich höheren THC-Gehalt als noch vor 20 Jahren – und damit dauert der Abbau im Körper auch länger.

Die Polizeiinspektion sieht die Großkontrolle als Präventions- und Erziehungsmaßnahme und Aufklärung: Die Statistik des vergangenen Jahres zeigt, dass auch in Friesland immer mehr Leute unter Drogen Auto fahren.

„Wir hatten 2016 mehr als 100 Fälle – Tendenz steigend“, sagt Wallenhorst. Kontrollen wie die in Sande sollen den Überwachungsdruck erhöhen und abschreckend wirken. „Hinzu kommt: Wenn wir nicht kontrollieren, haben wir auch keine Zahlen“, erläutert er.

Und dann wird es erneut lebhaft an der Kontrollstelle: Der Fahrer eines Transporters hat ganz offensichtlich das von der Polizei eingerichtete Tempolimit auf dem Oldenburger Damm übersehen und reagiert erst sehr verspätet aufs Haltesignal. Mehrere Beamte umringen den Kleinbus – der Fahrer hat deutlich mehr als die erlaubten 0,5 Promille Alkohol.