NWZonline.de

04.01.2018
Bild: Ralf Hirschberger/dpa

Gewalt In Friesland:
Angriffe gegen Einsatzkräfte nehmen erschreckend zu

Friesland Es sind erschreckende Bilder, die sich in vielen Städten Deutschlands in der Silvesternacht abspielten: In Leipzig bewarfen Randalierer die Polizei mit Böllern und Steinen, in Berlin wurden die Einsatzkräfte eines Rettungswagens mit einer Schusswaffe bedroht . Immer häufiger werden Rettungskräfte Opfer von verbalen und tätlichen Angriffen – auch im südlichen Friesland sowie in anderen Teilen der Region .

Der Rettungsdienst Friesland hat in der letzten Zeit mit einer immer größer werdenden Respektlosigkeit zu kämpfen. „Ich bin nun seit 25 Jahren im Dienst, die Toleranz gegenüber den Rettungskräften hat in den vergangenen Jahren abgenommen“, sagt Roland Eden, Leiter der Rettungswache: „Die Hemmschwelle ist einfach deutlich gesunken“. Während es früher ein bis zwei Attacken im Monat gegeben hätte, seien es heute schon mehrere an nur einem Wochenende.

Verbale Angriffe würden nach den Einsätzen schon gar nicht mehr erwähnt. „Man stumpft mit der Zeit ab“, sagt er. Dafür gebe es immer häufiger körperliche Angriffe – und das nicht nur von alkoholisierten Patienten. Besonders erschreckend: Einige würden sich später in sozialen Netzwerken mit ihren Taten brüsten. Eden: „Eine Kollegin von mir nimmt ihr Namensschild bei den Einsätzen schon immer ab“. Es kommt nicht selten vor, dass auch die Polizei als Unterstützung zu Einsätzen der Rettungskräfte gerufen wird. „Viele Jugendliche haben heute kaum noch Respekt, das gab es früher nicht.“

Auch im St.-Johannes-Hospital in Varel stellt Geschäftsführer Frank Germeroth gerade in der Notaufnahme, eine erhöhte Respektlosigkeit fest. „Die Mitarbeiter müssen sich dort eine Menge anhören“, sagt er. Gerade die Patienten, die länger warten müssten, hätten dafür oft kein Verständnis und würden ihren Unmut lautstark zum Ausdruck bringen. „Bei uns haben die Notfälle halt immer Priorität“, sagt Geschäftsführer Germeroth.

Die Feuerwehr Varel hat in den letzten Jahren keine negativen Erfahrungen gemacht. „Bei den jüngsten Nachrichten klingt es nahezu paradox, aber wir haben absolut keine Schwierigkeiten“, sagte Stadtbrandmeister Volker Sermond. Bei Einsätzen der Feuerwehren in Varel und Umgebung würde es keine Behinderungen bei den Arbeiten geben.

Polizeistatistik

In elf Fällen wurden Polizeibeamte im Landkreis Opfer von Gewalttaten, die später auch bei der Staatsanwaltschaft landeten. Das waren vier Fälle weniger als noch 2015.

Fünf Mal ging es dabei um Körperverletzung, Fälle von gefährlicher Körperverletzung an Polizisten bearbeitete die Staatsanwaltschaft 2016 keine.

Im Jahr 2015 gab es noch sechs Fälle der Körperverletzung und drei Fälle der gefährlichen Körperverletzung an Polizisten.

Im Jahr 2017 gab es bis Ende Dezember 22 Fälle in der Eingangsstatistik auf. Alle Angriffe auf Polizisten werden aber nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

In der Polizeistatistik ist in den letzten beiden Jahren entgegen des Landestrends im Landkreis Friesland keine deutliche Steigerung erkennbar. „Generell müssen wir aber auch feststellen, dass es eine deutlichere Zunahme an Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamten gibt“, sagt Andrea Papenroth, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland.

„Es ist natürlich immer tragisch, wenn jemand attackiert wird, der sich für Recht und Ordnung einsetzt“, sagt Papenroth. Im Vergleich zu den Städten Oldenburg und Wilhelmshaven handle es sich hier aber „noch um gesunde Zahlen“.

Es falle auf, dass es sich in 86 Prozent der Fälle um männliche Täter handle. In über der Hälfte der Fälle seien die Personen zudem alkoholisiert. Um für solche Fälle gewappnet zu sein, nehmen die Polizisten an Schulungen teil. Papenroth: „In der Akademie werden unseren Studenten in ihrem Dualen Studium verschiedene Module beigebracht“. Dazu zählen auch Abwehr- und Zugriffstechniken – in Theorie und Praxis. Besonders wichtig sei bei den Einsätzen die Eigensicherung. Damit die gewährleistet werden kann, nehmen die Polizisten in einem festen Zyklus an Fortbildungen teil. „Im Land Niedersachsen hat das einen großen Stellenwert“, sagt Papenroth. In der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland finden nach Vorfällen auch intensive Nachbereitungen statt.

Mit Blick auf die Fälle in Varel und der Friesischen Wehde hält Polizeisprecherin Andrea Papenroth aber noch einmal fest: „Die Stadt Wilhelmshaven ist kein Vergleich zum beschaulichen Landkreis Friesland.“

Weitere Internet-Angebote der Nordwest-Zeitung
  • Marketing im Norden
  • Panorama-Tour Oldenburg
  • Glückwünsche
  • Traueranzeigen
  • NWZ-Zustellgesellschaft
  • Mein Wardenburg
  • Mein Zetel
  • Mein Barßel
  • Mein Oldenburg
  • Mein Bockhorn
  • Mein Großenkneten
  • Mein Ovelgönne
  • Mein Westerstede
  • Mein Friesoythe
  • Mein Apen
  • Mein Brake
  • Mein Hatten
  • Mein Rastede
  • Mein Wiefelstede
  • Mein Nordenham
  • Mein Bad Zwischenahn
  • Mein Edewecht
  • Mein Jade
  • Mein Varel
  • Mein Wildeshausen
Kontakt   Impressum   DL-InfoV   AGB   Datenschutz  

© NWZonline 2017 - Alle Rechte vorbehalten.

Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG