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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Qualm kilometerweit zu sehen

13.07.2019

Jever Über den Brand der Stadtkirche Jever am 1. Oktober 1959 gibt es viele Geschichten – mit einer Mär räumte Wilfried Fürlus in seinem Vortrag bei Jevers Senioren jetzt auf: „Es stimmt nicht, dass Kantor Günter Maurischat sich Einlass in die brennende Kirche verschaffte.“ Richtig sei, dass damals 18-Jährige das Abendmahlsgerät aus der Kirche holten.

Wie die schockierenden Bilder vom Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris um die Welt gingen, so breitete sich vor 60 Jahren die Information vom Kirchenbrand in Jever aus und überregional berichteten die Zeitungen darüber, so Fürlus.

Brandursache war vermutlich eine achtlos weggeworfene Zigarette, die nach Holzschutzarbeiten chemische Mittel im Dachstuhl in Brand setzte. Anders als beim Brand der Kirche in Golzwarden vor einigen Tagen, die nicht vollständig niederbrannte, war ein großes Problem in Jever, dass nicht ausreichend Löschwasser zur Verfügung stand.

Rund um Jever war damals die dichte Rauchwolke sichtbar – und ein Senior berichtete, dass sogar in Mederns die Rauchschwaden am Himmel sichtbar waren.

Das fehlende Löschwasser war das große Problem beim Kirchenbrand in Jever, so Fürlus. Er war acht Jahre alt, wohnte an der Wangerstraße, und spielte an diesem spätsommerlichen Donnerstagnachmittag in den Anlagen. Die Sirenen ertönten gegen 16 Uhr, er roch den Qualm und dann holten die Eltern die Kinder vom Spielen weg und brachten die Kirchplatzkinder zu Fürlus’ an die Wangerstraße. Der Ostwind trieb den Qualm, Funken und Glut über die St. Annenstraße bis zum Friedhof.

Die Feuerwehr hatte im heutigen Graf-Anton-Günther-Saal ihre Wache und war sofort zur Stelle. Ein Tanklöschfahrzeug stand für den Erstangriff zur Verfügung. Die Hydrantenwassermenge reichte für die vielen eingesetzten Strahlrohre nicht aus, so dass kaum ein hoher und weiter Strahl erreicht wurde, um der Flammen Herr zu werden.

Die Wasserförderung brachte wegen des langanhaltenden trockenen Sommers wenig Wassermenge aus den fast trockenen Graften. Mit dem Einsatz der Tanklöschfahrzeuge der Flugplatzfeuerwehr Upjever, die im Pendelverkehr Löschwasser nachtankten, und den Tanklöschfahrzeugen umliegender Feuerwehren gelang es immerhin, mit einer Wasserwand das Edo Wiemken-Grabmal zu schützen.

Sehr authentisch berichtete Wilfried Fürlus über das Ereignis. Rund eine Stunde nach Brandausbruch krachte der Dachstuhl in sich zusammen. Der wie eine Fackel brennende Dachreiter stürzte auf die Straße, Orgel, Kanzel, Kronleuchter und Gestühl gingen unwiederbringlich verloren. „Das war alles aus Holz und brannte lichterloh“, erzählt Fürlus.

Später fanden dann Bodenuntersuchungen auf der freigelegten Brandstelle statt – Archäologe Dr. Karl-Heinz Marschallek stellte fest, dass dort mindestens neun Kirchen gestanden haben.

Jevers Bevölkerung wollte den Wiederaufbau ihrer Stadtkirche im alten Stil. Der Oberkirchenrat in Oldenburg entschied jedoch, etwas Modernes bauen zu lassen, wie es bereits andere Landeskirchen vorgemacht hatten. Doch bei aller Kritik an dem Bauwerk stellte Fürlus fest: „Vom Orgelboden den Sonnenuntergang auf sich wirken zu lassen, vermittelt einen Eindruck davon, was Architekt und Fensterkünstler erreichen wollten.“

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