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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

20 Jahre Notfallseelsorge Im Jeverland: Sie fangen an, wenn die Retter abrücken

21.08.2019

Jeverland Früher gab es einen Melder – den reichte der eine Notfallseelsorger nach Bereitschaftsplan an den nächsten weiter. Heute, 20 Jahre später, ist jeder der elf Notfallseelsorger im Jeverland mit einem Alarmmelder ausgestattet. Sie werden gerufen, wenn es plötzliche, ungeklärte Todesfälle gegeben hat, sie sind dabei, wenn die Polizei Angehörigen Todesnachrichten überbringt, wenn sich schwere Unfälle oder andere Unglücke mit Toten ereignet haben und wenn Menschen vermisst werden. Dann werden die Notfallseelsorger von der Leitstelle angefordert.

Situation stabilisieren

„Wenn die Rettungskräfte abrücken, fängt unsere Arbeit an“, sagt Dieter Becker. Er ist als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen in Friesland Nord von Anfang an bei der Notfallseelsorge dabei. „Wir kommen in der Akutphase, sind da und begleiten Betroffene, bis Angehörige informiert und vor Ort sind“, sagt Becker.

Zum Beispiel, wenn der Partner trotz Wiederbelebungsversuchen durch den Rettungsdienst stirbt. „Dann versuchen wir zu tun, was gerade nötig ist. Wir wollen die Situation so stabilisieren, dass die Kette weitergehen kann und wir die weitere Begleitung in andere Hände legen können“, erklärt Pastor Stefan Grünefeld.

Vorbild der Notfallseelsorge ist der „barmherzige Samariter“ im Neuen Testament (Lukas 10,25-37): Kommen, helfen, das tun, was nötig ist, wieder gehen.

Neben der Betreuung von Opfern, Betroffenen, Angehörigen in Notsituationen gehört von Anfang an auch die Seelsorge für die Rettungskräfte zu den Aufgaben der Notfallseelsorger: an die Retter heranzukommen, sei bei Gründung der Notfallseelsorge nicht ganz einfach gewesen, erinnert sich Grünefeld. „Damals wurden wir etwas belächelt. Doch heute ist es fast selbstverständlich, dass alte Haudegen bei den Feuerwehren ihren Kameraden empfehlen, sich an uns zu wenden.“

Betreuung der Retter

„Die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren sind ja meistens als erstes da, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Sie stehen an vorderster Front – da bleibt dann schon mal etwas hängen“, sagt Diakon Fredo Eilts, der mit Grünefeld seit neun Jahren die Notfallseelsorge Friesland Nord leitet.

Nach dem schweren Unfall auf der B 210 bei Jever im vergangenen Jahr etwa führten die Notfallseelsorger mit den Feuerwehr-Einsatzkräften mehrere Gespräche – sowohl in der Gruppe als auch mit einzelnen. „Das wird dankbar angenommen“, sagt Eilts. Und wenn die Notfallseelsorger selbst Seelsorge benötigen, weil auch sie manche Fälle stark belasten, gibt es für sie ebenfalls Hilfe.

Vernetzung wichtig

Von Anfang an wichtig: Die gute Vernetzung mit den Rettern. Deshalb gibt es regelmäßige Treffen reihum bei den unterschiedlichen Rettungs- und Hilfsorganisationen von DRK über Feuerwehr bis THW. „Man kennt sich und es ist hilfreich zu wissen, wie der andere tickt“, sagt Grünefeld.

Ihr 20-jähriges Bestehen feiert die Notfallseelsorge Friesland Nord am Sonntag, 1. September: Der Tag beginnt um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche – das Thema: der barmherzige Samariter.

Danach präsentieren sich auf dem Kirchplatz bis etwa 14.30 Uhr alle Partner der Notfallseelsorge: THW, Polizei, Bundeswehr, Leitstelle, Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehren, DLRG, Rettungshundestaffel, DRK, die Schulseelsorge und CB-Funker aus der Region. „Das wird ein Mini-Blaulichttag“, kündigt Fredo Eilts an. Auch das Team der Notfallseelsorge ist natürlich dabei und steht allen Interessierten für Informationen und Fragen zur Verfügung.

Die Notfallseelsorge Friesland Nord

Vor dem Hintergrund der schweren Unglücke in Eschede und Remscheid gründeten am 1. September 1999 die Schortenser Pastoren Axel Kullik und Andrea Burfeind sowie Dieter Becker vom DRK als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Hilfsorganisationen Friesland Nord die Notfallseelsorge. Ihr Einsatzgebiet umfasst Jever, Schortens, Sande und Wangerland. Bereits 1997 hatte sich in Wilhelmshaven die Notfallseelsorge gegründet, Varel/Friesische Wehde folgte 2000.

In den 20 Jahren ihres Bestehens wurde die Notfallseelsorge Friesland Nord in mehr als 400 Fällen tätig. Von Anfang an gilt: Die Notfallseelsorge ist fest in die Rettungskette eingebunden. Das bedeutet, dass die Seelsorger von der Leitstelle zu Einsätzen gerufen werden.

Gerufen werden die Seelsorger bei plötzlichen häuslichen Todesfällen; um gemeinsam mit der Polizei Todesnachrichten zu überbringen; bei Hausbränden; bei Vermisstensuchen; bei Kindstod und bei allen psychischen Ausnahmesituationen.

Anfangs belächelt, nehmen heute auch die Rettungskräfte selbstverständlich die Unterstützung durch die Notfallseelsorger in Anspruch. In der Ausbildung der Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten hat die Vorstellung der Notfallseelsorge heute einen festen Platz.

Getragen und finanziert wird die Notfallseelsorge durch die Kirchen und durch Spenden.

Aktuell besteht die Notfallseelsorge Friesland Nord aus sieben Hauptamtlichen – Pastoren aus Jever, Sande und dem Wangerland – und vier Ehrenamtlichen – Mitglieder des DRK-Kriseninterventionsteams und ein Diakon im Ruhestand. Geleitet und koordiniert wird die NFS von Diakon Fredo Eilts und Pastor Stefan Grünefeld.

Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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