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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

KRIMINALITÄT: Nächtlicher Schock im Gästezimmer

17.08.2006

JEVER Der 74-jährige Vermieter hatte die Wanduhren in seinen beiden Gästezimmern mit Kamera und Mikrofon präpariert. Das junge Paar verließ fluchtartig die Pension.

von ulrich schönborn JEVER - Die Uhr im 50er-JahreDesign ist schräg in einen laienhaft geschreinerten Kasten montiert. In den Ecken des Zifferblattes befinden sich vier Bohrlöcher. Hinter einem der unteren Löchern hatte der Spanner eine handelsübliche Mikrokamera mit Lautsprecher versteckt.

Die Polizei in Jever ermittelt gegen einen 74-jährigen Besitzer einer Privatpension in der Marienstadt, der in seinen beiden Gästezimmern präparierte Wanduhren installiert hatte. Die Kameras hatten die Betten und Badezimmertüren im Blick. Bild und Ton wurden per Kabel auf einen Monitor und einen Lautsprecher übertragen, die im Schlafzimmer des 74-jährigen standen. Aufzeichnungsgeräte wurden nicht gefunden.

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Die Machenschaften des Vermieters flogen auf, weil ein junger Tischler aus England bereits am vergangenen Donnerstag beim Anblick der Uhr Verdacht geschöpft und bei näherem Hinsehen die versteckte Kamera entdeckt hatte.

Der 21-jährige Gaz Oswald hatte sich mit seiner Freundin Hannah Brawn in der Pension eingemietet. Die Mutter der 20-Jährigen stammt aus Jever, die Familie wollte ihre alte Heimat besuchen und Stadtfest feiern. Neun Tage wollte das junge Paar bleiben.

Gleich in der ersten Nacht machten die jungen Engländer die schockierende Entdeckung. Fluchtartig verließen sie die Pension, nahmen die Minikamera als Beweisstück mit und alarmierten kurz nach Mitternacht die Polizei.

Die Beamten fuhren sofort zur Pension und durchsuchten die Räume. Nach Angaben der Ermittler hatte der Vermieter die Uhr zwischenzeitlich bereits abgebaut.

Fündig wurden die Beamten dagegen im zweiten Pensionszimmer. Auch dort hing eine baugleiche, mit Kamera und Mikrofon präparierte Uhr an der Wand und war mit Lautsprecher und Monitor im Schlafzimmer verkabelt.

Die präparierte Uhr aus dem Zimmer der jungen Engländer blieb bisher verschwunden. Den Holzkasten fanden die Beamten in einem Gebüsch auf dem Pensionsgrundstück.

Die Polizei hatte den Vorfall eigenen Angaben zufolge aus „ermittlungstaktischen Gründen“ zunächst intern behandelt. Ans Tageslicht kam die Sache, weil die Opfer selbst am Dienstag eine örtliche Tageszeitung über den Vorfall informierten.

Der Vermieter war noch in der Nacht wegen möglicher Verdunklungsgefahr mit zur Polizeiwache genommen und verhört worden. Erst am nächsten Morgen, nachdem technische Spezialisten der Polizei die Pension durchsucht hatten, durfte der bisher unbescholtene Rentner wieder nach Hause.

Gegen ihn und seine Ehefrau wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verletzung des vertraulichen Wortes und heimlicher Bildaufnahmen eingeleitet. Es droht immerhin eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Bei der Hausdurchsuchung fanden die Ermittler auch noch einen Scanner, mit dem illegal Polizeifunk abgehört werden kann.

Auswirkungen auf den Pensionsbetrieb hat der Vorfall zunächst nicht. „Wir können ihm nicht verbieten, weiter Zimmer zu vermieten“, so Hans-Günther Rose vom Polizeikommissariat Jever. Die Tourist-Info in Jever zeigte sich entsetzt über die Vorwürfe. Sie wolle sich jetzt bei der Gästevermittlung an den verdächtigen Vermieter zurückhalten, bis der Vorfall geklärt sei.

Vor allem für Hannah Brawn sei die Entdeckung der versteckten Kamera ein traumatisches Erlebnis gewesen, so die Polizei. Das junge Paar, das inzwischen wieder abgereist ist, hat nach der schockierenden Nacht den Rest des Urlaubs in der Pension „Am Elisabethufer“ von Mary Eilers und Anton-Wilhelm Janssen verbracht und sich dort herzlich umsorgt von dem Erlebnis erholen können.

region, s. 11

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