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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Rache an Polizisten wird zum großen Eigentor

18.05.2017

Jever /Oldenburg Das war eine ungeheuere Anschuldigung: Ein Polizist aus Wilhelmshaven soll in Ausübung seines Diensts eine „Fahne“ gehabt haben. Das hatte ein 61 Jahre alter Mann aus Jever bei der Polizei in Schortens ausgesagt.

Null Promille

Nur: An der Anschuldigung war nichts dran. Deswegen ist der 61-Jährige auch wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt worden. Ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Jever ist am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg rechtskräftig geworden.

Am Vorfallstag war der 61-Jährige durch Wilhelmshaven gefahren. Mit im Auto auf dem Beifahrersitz saß seine Frau. Weil beide nicht angeschnallt waren, wurden sie von dem Streifenpolizisten auf dem Fahrrad angehalten.

Das Ehepaar aus Jever zeigte sich ungehalten und soll irgendwelche Ausreden für das Nichtanschnallen parat gehabt haben. Davon hatte sich der Polizist aber nicht beeindrucken lassen. Er forderte von den beiden die Namen. Die Frau des Angeklagten gab dann dem Polizeibeamten gegenüber einen Fantasienamen an, was aber schnell enttarnt war.

Als alles erledigt war, konnten der Angeklagte und seine Frau weiterfahren. Sie hatten sich offenkundig geärgert. Die Frau des Angeklagten soll dann zu ihrem Mann gesagt haben, dass der Polizist eine „Fahne“ gehabt habe. So fuhr der 61-Jährige dann zur Polizeiwache nach Schortens und meldete dort die angebliche „Fahne“ den zuständigen Beamten. Die riefen dann sofort in der Polizeiinspektion in Wilhelmshaven an. Der Streifenpolizist wurde herbeizitiert und musste dann „pusten“. Das Ergebnis: 0,0 Promille.

Wie könne er nur behaupten, der Streifenpolizist habe eine Fahne gehabt, hielt der Vorsitzende Richter Alexander Wiebe dem Angeklagten am Mittwoch vor. Alkohol im Dienst sei ein schweres Dienstvergehen, machte Richter Wiebe dem 61-Jährigen die Tragweite seiner Verleumdung klar.

Berufung zurückgezogen

Gegen das Urteil des Amtsgerichts Jever hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. Er habe nichts gegen Polizisten, sagte er. Vor dem Landgericht Oldenburg wollte wohl einen Freispruch erreichen. Aber daraus wurde nichts. Der Angeklagte würde doch wohl nicht glauben, dass er mit seiner Berufung Erfolg haben würde, sagte der Richter.

Er riet dem Angeklagten, seine Berufung zurückzunehmen. Das tat der dann auch. Der Prozess wurde von rund 30 Polizeischülern verfolgt.