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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Wie das Hospital Varel einen Fall Högel verhindern will

07.09.2017

Varel Unfassbare 90 Morde sollen auf das Konto des Krankenpflegers Niels Högel gehen, der in den Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst Patienten mittels eines Medikaments tötete, nur um sie danach wiederbeleben zu können. Er wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Aber was kann ein Krankenhaus tun, damit so etwas gar nicht erst passiert? Die NWZ hat beim St. Johannes-Hospital in Varel nachgefragt, welche Kontroll- und Schutzmechanismen es hier gibt.

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In Varel gibt es eine Vielzahl von Warnsystemen. Eines davon sind die sogenannten Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, in denen Todesfälle, Zwischenfälle und Komplikationen besprochen und aufgearbeitet werden. Häufen sich bestimmte Vorkommnisse, sollte das in den Konferenzen auffallen. Das St. Johannes-Hospital sei in dieser Hinsicht „ganz gut aufgestellt“, sagt Ute Kopperschmidt, Sprecherin der Friesland Kliniken. Allerdings sei die Sterberate von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich. Spezialisiert sich eine Klinik auf Intensivfälle, sei sie deutlich höher, als etwa in einer Geburtsklinik.

Genau überwacht werde im St. Johannes-Hospital auch die Ausgabe von Medikamenten. Verschreibungspflichtige Medikamente werden in der Patientenakte festgehalten und vom Arzt unterschrieben. Werden die Medikamente dem Patienten verabreicht, muss das auch der Pfleger eintragen und unterschreiben.

Die preisgekrönte NWZ-Reportage: „Warum stoppte niemand Niels Högel?“

Klingt erst einmal nicht gerade sicher. Wer etwas im Schilde führt, könnte ja einfach nichts eintragen. Allerdings wird beim Schichtwechsel durch die Ablösung auch immer kontrolliert, ob ein Patient seine Medikamente genommen hat. Das Personal kontrolliert sich also gegenseitig.

Fehlen zu bestimmten Zeiten mehr Medikamente als in den Patientenakten vermerkt sind, lässt sich ziemlich schnell feststellen, wer dahinter steckt. „Bei uns gilt das Vier-Augen-Prinzip“, erklärt Ute Kopperschmidt.

Bei Betäubungsmitteln sind es sogar sechs Augen. Hier muss sogar genau dokumentiert werden, was mit Restbeständen passiert. Dazu kommt, dass der Verbrauch von Medikamenten und die Stationen selbst regelmäßig unangekündigt kontrolliert werden.

Für das Krankenhaus steht dahinter auch durchaus ein wirtschaftliches Interesse. Ohne Kontrollen könnten sich schließlich auch Krankenhausmitarbeiter an den Medikamentenvorräten bedienen.

Wenn Unregelmäßigkeiten auftauchen, müssen sie aber auch gemeldet werden. Dafür gibt es das Meldesystem CIRS (Critical Incident Reporting System, zu deutsch etwa: System zur Meldung kritischer Vorfälle). Mitarbeiter können hier Fehler und Risikoquellen anonym melden, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Diese Meldungen werden von einem eigenen Team bearbeitet.

Der Gedanke dahinter: Die Mitarbeiter in diesem Team haben nichts mit den Stationen zu tun, sind daher auch nicht persönlich mit den dortigen Mitarbeitern bekannt und können so neutral und unabhängig an das Problem herangehen.

Zur Zeit befinde sich in dem Krankenhaus auch einiges in Überarbeitung. Grund hierfür sind aber nicht die Krankenhausmorde durch Niels Högel, sondern die Fusion des Vareler Krankenhauses mit dem Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch zur Friesland-Kliniken GmbH. Ziel ist, am Ende ein verbindliches System zur Patientensicherheit an beiden Standorten zu haben.

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