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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Geschichte: Von der Kaperfahrt fünf junger Segler

13.05.2017

Horumersiel In diesem Frühjahr ist es genau 50 Jahre her, dass der liberianische Frachter „Balmoral“ auf der Mellumplate strandete und wenige Wochen später zerbrach. Ein halbes Jahrhundert später ragen noch Fragmente des Rumpfes aus den tückischen Mahlsänden unweit des Leuchtturms und erinnern als stille Zeugen an die Geschichte eines verhängnisvollen Irrtums – und an die „Kaperfahrt“ von fünf Horumersieler Seglern.

Doch der Reihe nach: Der Frachter (1921 BRT, 87 Meter lang) fuhr mit Ballast von Gent nach Bremen. Norddeich-Radio hatte gemeldet, dass der Lotsendampfer sich wegen NW-Sturms auf Innenposition bei Tonne „G“ zurückgezogen habe. Der ortsunkundige Kapitän der „Balmoral“ glaubte nach dem Studium der Seekarte, der Weser-Lotse liege bei Tonne „G“ in der Olde-Oog-Rinne.

Als in stürmischer Nacht zum 13. März 1967 diese Position erreicht wurde, bemerkte man auf der Brücke, dass der dort erwartete Lotse viel weiter östlich lag, nämlich bei Tonne „G“ in der Außenweser, was an sich logisch war.

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Die „Balmoral“ nahm per Morsescheinwerfer mit dem Lotsen Verbindung auf. Als die vom Lotsenversetzer gemorste Aufforderung, zurückzulaufen, gegen 0.50 Uhr auf der „Balmoral“ entziffert wurde, war es bereits zu spät: Der Dampfer konnte bei brausendem Westwind und starkem Flutstrom nicht mehr gedreht werden. Um 1.15 Uhr hatte das Schiff die erste Grundberührung und wurde durch Wind und Strom weiter hart auf die tückischen Untiefen der Mellumplate versetzt. Dort blieb der Havarist hoch und trocken liegen; Gefahr für die Besatzung bestand zunächst nicht.

In den nächsten Tagen lief die Bergung an, blieb aber trotz mehrerer Anläufe letztlich erfolglos: --Am 16. März brachen dem Schlepper „Goliath“ aus Bremerhaven bei 7 bis 8 Beaufort die Trossen. Der Seenotkreuzer „H. H. Meier“ übernahm die zehnköpfige Besatzung. Nur der Kapitän und einige Offiziere blieben noch an Bord.

Am 20. März verließen auch der Kapitän, der Schiffskoch und der 2. Offizier als letzte den Havaristen. Am 6. April wurden die Bergungsversuche endgültig eingestellt. Am 12. April meldete die Wasserschutzpolizei: Das Schiff ist nicht zu retten.

Inzwischen lag die „Balmoral“ bei Niedrigwasser völlig trocken. Das Heck war tief in den Sand eingespült, der Steven ragte aus der Strandplate empor; der Rumpf hatte 10 Grad Schlagseite. Am 5. Juni stellten Experten des Wasser- und Schiffahrtsamts Wilhelmshaven fest: „Die Zerstörung ist nicht aufzuhalten.“ Um Ölverschmutzungen abzuwenden, wurden am 26. Juni noch 120 Tonnen Schweröl aus dem Wrack gepumpt.

An der Küste beflügelte das Wrack die Fantasie mancher Freizeitkapitäne. „Das Schiff wurde mehr oder weniger systematisch ausgeschlachtet und geplündert“, stellte die Wasserschutzpolizei Bremen fest.

Daran waren fünf junge Segler aus Horumersiel nicht ganz unschuldig, die dem Wrack am 8. Mai einen „Besuch“ abstatteten. Als sie Ausrüstung des Frachters mit einem vom Wrack erbeuteten Rettungsboot in Horumersiel an Land bringen wollten, überraschte sie Zollbeamter Herbert Sander aus Hooksiel. Funkausrüstung, Positionslaternen, Tauwerk und Proviant der „Balmoral“ kamen unter Zollverschluss. Das „Balmoral“-Rettungsboot nahm Zollkreuzer „Nesserland“ in Schlepp nach Wilhelmshaven. 120 Teile listet der Zoll auf.

„De moijen Roodwien hebbt se in’t Haben lopen laten“, erinnerte sich der frühere Sielwärter Bernhard Ihnken sen., der von seiner Dienstwohnung das nächtliche Geschehen beobachtet hatte.

Die Kaperfahrt der fünf „Seeräuber“ hatte ein gerichtliches Nachspiel vor dem Landgericht Oldenburg, wo im Januar 1968 vor vollen Zuschauerbänken ein erheiternder Prozess zum Freispruch der Angeklagten führte. Man habe, so die Einlassung vor Gericht – den „Fund“ ja dem Strandvogt melden wollen. Durch des Eintreffen des Zöllners habe sich das erübrigt.

Auch wenn das Schöffengericht feststellte, „das eine ganze Menge gegen die Unschuld spricht“, reiche das für eine Verurteilung nicht aus, sagte der Vorsitzende Richter, Amtsgerichtsrat Mehlmann,

Seitdem ranken sich um die „Balmoral“ jede Menge Döntjes und Legenden, von der abenteuerlichen Bergung der mächtigen Schiffsschraube bis zum köstlichen Rotwein, der in den Sielhafen geflossen war.

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