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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Wenn Retter selbst Hilfe benötigen

11.08.2012

Varel Als Rainer Schmidt in den Lauf der Pistole blickt, weicht er instinktiv ein paar Schritte zurück. Eilig springt er aus der Wohnung, drängt einen Kollegen vor sich her die Treppe hinunter und hastet hinterher, „in Schritten über sieben Stufen auf einmal“, erinnert sich der Leiter des Johanniter-Ortsverbandes in Varel.

Unten angekommen, alarmiert er die Polizei. Die rückt mit Spezialkräften an und überwältigt den alkoholisierten Mann. Am Ende ist es eine Ladehemmung, die Schlimmeres verhindert hat. „So etwas vergisst man nicht“, sagt Schmidt. Elf Jahre ist das jetzt her. Der Vorfall fand im Landkreis Pinneberg statt. „In einem sozialen Brennpunkt“, wie Schmidt sagt. In einem der mehrstöckigen grauen Betonklötze von Elmshorn.

Heute, mehr als zehn Jahre später, ist der gebürtige Vareler in seine Heimat zurückgekehrt. Die Episode, von der Schmidt gerade erzählt hat, ist nur eine von vielen. Eine andere erzählt von einem Angriff auf die alarmierten Johanniter-Rettungskräfte mit einer Machete. Ein Helfer kann fliehen, ein Zivildienstleistender verbarrikadiert sich in der Küche des Angreifers – und entkommt schließlich durch ein Fenster – im ersten Stockwerk.

Immer häufiger werden professionelle Notfallhelfer in Niedersachsen Opfer von Gewalt. Einer Umfrage zufolge ist die Zahl der angegriffenen Lebensretter in den vergangenen Jahren gestiegen (NWZ  vom 25. Juli). Vor allem bei Einsätzen auf Volksfesten, Sportereignissen und anderen Großveranstaltungen sei Gewalt gegenüber Rettungshelfern inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr.

Die Nachwuchskräfte der Johanniter sind bisher nicht mit solchen Extremsituationen konfrontiert worden wie Rainer Schmidt. Da sie aber bei Großveranstaltungen wie Kramermarkt oder dem Stadtfest auf gewaltbereite Menschen treffen könnten, versuchen die Älteren der Ehrenamtlichen, den Nachwuchs vorzubereiten.

So gibt es etwa die „Psychosoziale Notfallversorgung“, eine Art Nachbereitung, oft durch Pfarrer oder Theologen. Oder auch Seminare, die gezielt auf den Ernstfall vorbereiten. „Die Möglichkeit sich Hilfe zu holen besteht bei den Johannitern 365 Tage im Jahr“, sagt Schmidt.

Dennoch, findet Schmidt, wird das Thema Gewalt bei der Ausbildung von Rettungskräften oft noch eher „stiefmütterlich“ behandelt. Marcus Cronau, der Johanniter-Fachbereichsleiter der Jugend in Varel glaubt, dass bereits ein Umdenken stattgefunden hat: „Es gibt Selbstverteidigungskurse. Der Bedarf ist bekannt.“

Tim Gelewski
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

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Johanniter | Polizei Varel

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