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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Wo sind hier die Fluchtwege?

15.10.2016

Hohenkirchen Hermann Meyer hat sie miterlebt, die Sturmflut 1962 – und zwar auf der Insel Wangerooge. Er hat miterlebt, wie Existenzen vernichtet wurden und er hat miterlebt, wie Menschen beinahe ertranken – doch er hat Menschen gerettet. Das hat das Leben von Hermann Meyer verändert.

Denn kurz nach der Sturmflut hat sich Hermann Meyer entschieden, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten. „Ich hatte mich der Feuerwehr schon immer nahe gefühlt, aber das war ein ausschlaggebendes Ereignis“, sagt der heute 76-Jährige. Schließlich hat er bei der Sturmflut viele gerettet. „Ich habe Kollegen aus ihren Wohnungen geholt und durch das meterhohe Wasser auf den Schultern in Sicherheit getragen“, erinnert sich Meyer.

Einige Zeit später ist Meyer nach Hohenkirchen gezogen, hat geheiratet, ein Haus gebaut – und ist in die Wehr eingetreten. Das ist jetzt immerhin schon 51 Jahre her. Und in all den Jahren hat Hermann Meyer viel erlebt.

In seiner Anfangszeit waren es hauptsächlich Sturmschäden, bei denen die Kameraden ausrücken mussten. Aber auch die heftige Schneekatastrophe 1979 war dabei. „Damals mussten wir zu Fuß nach Hooksiel: doch für mich endete der Weg schon nach ein paar hundert Metern.“ Meyer lief durch eine zwei Meter hohe Schneewehe, rutschte aus – und brach sich das Bein. Mit Mühe halfen ihm die Kameraden heim, erst drei Tage später, als die Wege vom Schnee befreit waren, konnte er im Krankenhaus in Sanderbusch versorgt werden.

Mehr Verkehrsunfälle

Inzwischen hat sich die Arbeit für die Freiwillige Feuerwehr verändert, meint Meyer. „Es gibt zum Beispiel viel mehr Verkehrsunfälle.“ Davon hat er selbst auch viele gesehen. „Und die schlimmsten sind die, in die Kinder involviert sind.“

An einen Unfall kann sich Meyer noch besonders erinnern, denn da bekam er einen richtigen Schock: „Als wir die Meldung bekamen, dass ein junger Mann einen Unfall hatte, fiel mir sofort ein, dass mein Sohn auch unterwegs war. Und an der Unfallstelle sah ich schon von weitem, dass das Auto auch noch die selbe Farbe hatte.“ Da musste Hermann Meyer schlucken.

„Dann stellte sich aber schnell heraus, dass es nicht mein Sohn war.“

Das sollte jedoch zu einem der äußerst wenigen Momente zählen, in denen der Feuerwehrmann es mit der Angst zutun bekam. „Eigentlich kann ich das gut ab. Ich muss nur hinterher mit meiner Frau darüber reden, um alles zu verarbeiten.“

Doch Meyer findet: gerade als Ortsbrandmeister, so wie er selbst es war, muss man auch einiges aushalten können. „Man ist für alles verantwortlich – auch da kam ich schon in eine brenzlige Situation und hatte es sogar mit der Kriminalkommission zu tun.“

Grund dafür war ein Bauernhofbrand. Erst kurze Zeit zuvor hatte Meyer die Heuballen auf Selbstentzündung geprüft – doch es schien keine Gefahr zu bestehen. „Dann brannte der Hof trotzdem ab – und ich war schuld“, erinnert sich Meyer.

Zum Glück ging die Geschichte gut aus, und er wurde noch freigesprochen. Heute kann Meyer schon darüber schmunzeln: „Als Ortsbrandbrandmeister stehst du praktisch immer mit einem Bein im Knast.“

Nie an Arbeit gezweifelt

Trotzdem: In all den Jahren hat Meyer nicht einen Moment lang an seiner ehrenamtlichen Arbeit gezweifelt. Im Gegenteil: er hat immer weitergemacht, wurde Ortsbrandmeister, ist heute Ehrenortsbrandmeister und leitet die Altersabteilung. „Ich bin einfach Feuerwehrmann – durch und durch.“

Und das übrigens nicht nur bei Einsätzen: Wenn Hermann Meyer nämlich in den Urlaub fährt, dann gibt es da eine Sache, die er als erstes unbedingt erledigen muss: „Wenn ich in mein Hotelzimmer komme, dann schaue ich als erstes, wo die Fluchtwege sind.“

Und zum Geburtstag oder zu Weihnachten verschenkt er an seine Familie gern mal Rauchmelder. So ist das eben mit einem leidenschaftlichen Feuerwehrmann.

Antje Brüggerhoff
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965312

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