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NWZonline.de Region Friesland Blaulicht

Kameraden geben sich kämpferisch

09.11.2017

Zetel Feuerwehrwagen, Blaulicht und dutzende Feuerwehrkameraden aus allen Abteilungen – nur weit und breit kein Feuer. Allerdings hatten sich die Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Zetel am Dienstagabend auch nicht zum Löschen vor dem Zeteler Rathaus versammelt. Sie wollten ein Zeichen setzen – das, so zeigte sich später, aber offenbar nicht gesehen wurde oder nicht gesehen werden wollte.

Um 18 Uhr sollte im Sitzungssaal des Rathauses der Verwaltungsausschuss der Gemeinde tagen. Wichtigster Tagesordnungspunkt aus Sicht der Feuerwehr: Die Entscheidung über das neue Feuerwehrhaus, das in Zetel gebaut werden soll. Die Feuerwehrleute hatten sich selbst in die Planung eingebracht, heraus kam ein Bau mit einem Obergeschoss. Die SPD im Zeteler Rat hatte allerdings beantragt, ein ebenerdiges Feuerwehrhaus zu bauen, um Geld zu sparen. Diese Variante wird von der Feuerwehr abgelehnt, weil sie nicht den Bedürfnissen der Kameraden gerecht werde.

Gegen kurz vor sechs kommt Bürgermeister Heiner Lauxtermann aus dem Rathaus und tritt vor die versammelten Feuerwehrleute. Er bittet sie, abzuziehen. „Das was ihr jetzt hier macht, das hilft niemanden und wird auch niemanden beeindrucken“, sagte Lauxtermann. Er machte aber ebenso deutlich, dass er auf der Seite der Feuerwehrleute stehe: „Ich muss möglicherweise einen Beschluss umsetzen, der nicht meiner ist.“ Er bevorzuge die Planung, die zusammen mit der Feuerwehr in der Planungsgruppe entstanden ist. Der Verwaltungsausschuss aber entschied sich gegen diese Variante.

Nach der Ansprache Lauxtermanns vor dem Rathaus löste sich die Versammlung auf. Die Feuerwehrleute zogen mit ihren Fahrzeugen kurz nach sechs Uhr wieder ab – unter Beobachtung einiger Ausschussmitglieder, die das Treiben vom Fenster aus verfolgten.

Noch am gleichen Abend, nach der Sitzung, stattete Heiner Lauxtermann der Feuerwehr einen Besuch in kleiner Runde ab, um die Entscheidung mitzuteilen. An diesem Donnerstag wolle er am Abend zudem noch einmal vor der ganzen Mannschaft über den Beschluss des Verwaltungsausschusses sprechen.

Bei der Feuerwehr ist die Stimmung jetzt entsprechend schlecht – aber auch kämpferisch. „Wir geben uns so damit noch nicht zufrieden“, kündigte Gruppenführer Denis Haesihus im Gespräch mit dem „Gemeinnützigen“ am Mittwoch Widerstand an. Man werde sich noch einmal in der Planungsgruppe zusammensetzen und überlegen, welche Möglichkeiten man nun noch habe. „Wir wollen nicht einfach aufgeben.“

Im Vorfeld der Sitzung hatten bereits einige Feuerwehrleute angekündigt, notfalls ihre Ämter nieder legen zu wollen, sollte sich die Politik tatsächlich für die kleinere Variante aussprechen. Droht Zetel nun, nach der endgültigen Entscheidung, ohne funktionierende Freiwillige Feuerwehr dazustehen? „Dazu kann ich im Moment noch nichts sagen. Ich weiß nicht, ob diese Drohung auch tatsächlich umgesetzt wird“, sagte Denis Haesihus.

Unterdessen hat die SPD/FDP-Gruppe im Zeteler Gemeinderat ihre Entscheidung für die günstigere Variante noch einmal bekräftigt.

In einer Mitteilung der Gruppe an den „Gemeinnützigen“ heißt es: „Die zweigeschossige Variante (...) stieß innerhalb der SPD/FDP-Gruppe von Anfang an auf Kritik wegen ihres Umfangs und auch wegen der Höhe der Kosten.“

Die Parteien monierten, dass in der Diskussion um den Bau immer von einer „kleinen Lösung“ die Rede sei. Dabei sei der Unterschied tatsächlich minimal. „Bei einer Gesamtfläche von 1177 qm (groß) und 1137 qm (klein) beträgt der Unterschied gerade mal 40 qm. Diese 40 qm ergeben sich aus dem Wegfall des Treppenhauses, weil eingeschossig (-33 qm), einer Reduzierung des (eigentlich gar nicht notwendigen) Katastrophenschutzraumes (-28 qm) und einer Reduzierung des Bereitschaftsraumes (-8 qm)“, schreiben die SPD und FDP. Andere Räume würden dafür größer ausfallen.

Auch in der Funktionalität sei der Unterschied minimal. Hier gehe es im Wesentlichen um die Lage der Atemschutz-Werkstätten. „Die Feuerwehr möchte sie im Verwaltungsbereich haben, die SPD/FDP-Gruppe – wie vom Architekten vorgeschlagen – im Werkstattbereich, um eine klare Trennung zwischen Verwaltungs-, Schulungs- und Sozialbereich und dem Übungs-, Einsatz- und Wartungsbereich sicherzustellen“, heißt es.

Der Vorwurf der Wehr, sie sei von laienhaften Politikern überstimmt worden, gehe ins Leere, da beide Varianten vom selben Architekturbüro geplant worden seien. Die Politik habe nichts verändert.

Außerdem sprechen die Politiker von „Verantwortungslosigkeit gegenüber den Gemeindefinanzen“, wenn man in diesem Zusammenhang von einer „Sparversion“ spreche. Zetel habe in den nächsten Jahren noch „gewaltige finanzielle Anstrengungen“ zu bewältigen. Als Beispiele nennen SPD und FDP den Bau einer zusätzlichen Krippe für 1,6 Millionen Euro, den Bau neuer Räume für die Grundschule für etwa eine Million Euro und die Anschaffung zweier neuer Feuerwehrfahrzeuge für rund 1,6 Millionen Euro. Da seien die eingesparten 140 000 Euro eine wesentliche Hilfe für die kommenden Investitionen, ist sich die Gruppe sicher.


Ein Video von der Demonstration der Feuerwehr und eine Stellungnahme von Denis Haesihus finden Sie auf der Facebook-Seite des „Gemeinnützigen“ unter   www.facebook.com/nwzfriesland 

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