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DRK Jeverland Engpässe bei Blutkonserven schon jetzt absehbar

Noch können alle Krankenhäuser gemäß ihrer Bestellungen mit Blutkonserven versorgt werden.

Noch können alle Krankenhäuser gemäß ihrer Bestellungen mit Blutkonserven versorgt werden.

Jörg Carstensen/dpa

Jeverland - In den Sommermonaten werden regelmäßig die Blutkonserven knapp. Die Versorgungslage in Frieslands Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen ist zwar derzeit noch stabil. Allerdings ist die Spendenbereitschaft seit dem Wegfall der letzten Corona-Verordnungen im Februar weiterhin rückläufig. Schon jetzt sind Engpässe für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) absehbar. Das teilt DRK-Gebietsreferent Wilfried de Buhr auf Nachfrage mit.

„Konnten im ersten Quartal 2023 die Planzahlen mit 103 Prozent noch leicht übertroffen werden aufgrund des sehr hohen Werbe- und Medieneinsatzes, rutschten diese im zweiten Quartal bereits auf 99 Prozent ab. Im Monat Juli ging das Ergebnis nochmals weiter runter auf 85 Prozent“, so de Buhr.

Anlass zur Sorge

Vor allem in der Ferien- und Urlaubszeit ist das für den Blutspendedienst ein großer Anlass zur Sorge, sagt de Buhr. Bereits jetzt sei absehbar, dass in den kommenden Wochen die ersten Engpässe in der Versorgung mit Blutpräparaten auftreten werden und Bestellungen seitens der Krankenhäuser vereinzelt abgesagt werden müssen. „Damit ist dann auch ein OP-Plan in einem Krankenhaus nicht mehr in vollem Umfang umsetzbar und geplante Operationen müssen wieder abgesagt oder verschoben werden.“ Das trifft überregional zu und ist nicht nur für den Bereich Friesland gültig, betont de Buhr.

Was dazu noch wichtig ist

Im Durchschnitt spenden eher ältere Menschen Blut: 42,61 Prozent der Spender sind jünger als 40 Jahre, berichtet DRK-Gebietsreferent Wilfried de Buhr. Frauen spenden mit einem Anteil von 53 Prozent etwas häufiger als Männer.

Die Versorgungslage ist über alle Blutgruppen prozentual gleich.

Die Pauschalaussage, dass durch die Pandemie die Spendenbereitschaft geringer wurde, ist laut de Buhr so übrigens nicht richtig. „Nach dem ersten Lockdown 2020 wurden alle Blutspendetermine durchschnittlich besser besucht als erwartet“, sagt er. „Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, dass alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt waren. Wenn man unter Leute wollte, traf man sich gerne bei der Blutspende. Unter Schutzmaßnahmen konnte man sich hier aber zumindest wieder mit Menschen austauschen.“ Da die Blutspende zur medizinischen Notfallversorgung gehört, war es nie ein Thema, dass Termine nicht weiter stattfinden werden. „Jede Lockerung unter den Covid-19-Bestimmungen brachte den Blutspendediensten bundesweit sofort einen Termineinbruch und damit verbundenen Spenderrückgang.“

Ende 2022 war der Konservenbestand auf einem historischen Niedrigstand von 6000 Blutkonserven abgesackt. „Täglich werden in unserem Versorgungsbereich Deutschland mindestens 15.000 Blutkonserven Lagerbestand benötigt, um die Bestellungen der Krankenhäuser bedienen zu können. Ergo mussten wir in dieser Notzeit fast jede zweite Bestellung absagen.“

Blick nach Wilhelmshaven: Auch die Versorgungslage im Klinikum Wilhelmshaven ist derzeit stabil. Im Vorjahr hatte das Klinikum in den Sommermonaten zeitweise nicht so viele Konserven erhalten wie bestellt. Auch wenn keine Operationen verschoben werden mussten, hatte das die Planungen in der Einrichtung eingeschränkt. Das Klinikum benötigt acht bis zwölf Blutkonserven täglich.

Die nächsten Blutspendetermine des DRK Jeverland:

Montag und Dienstag, 28. und 29. August, 16 bis 20 Uhr, Jever, Feuerwehrtechnische Zentrale

Freitag, 15. September, 15 bis 20 Uhr, Sande, Schulzentrum

Montag, 18. September, 16.30 bis 20 Uhr, Cleverns, Feuerwehr

Montag und Dienstag, 25. und 26. September, 16 bis 20 Uhr, Schortens, Bürgerhaus

In Wilhelmshaven gibt es in diesem Monat noch folgende Termine:

Mittwoch, 16. August, 16 bis 20 Uhr, Feuerwehr Heppens, Güterstraße 60

Mittwoch, 30. August, 15.30 bis 19.30 Uhr, IGS, Friedenstraße 111

Donnerstag, 31. August, 15.30 bis 19 Uhr, Querrum GmbH, Bismarckstraße 185

Erfreulich ist für das DRK Jeverland eine Erstspenderquote von 10,8 Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres. Allerdings werden auch viele Spender aus gesundheitlichen Gründen von der Spende zurückgestellt, berichtet de Buhr – hier liegt die Quote in diesem Jahr bei 7,49 Prozent. „Über ein Jahr verlieren wir gut 10 Prozent unserer Stammspender über das Fehlen der Zulassungsvoraussetzungen für die Blutspende.“ Das kann bei Mehrfachspendern an der derzeitigen Altershöchstgrenze von 73 Jahren liegen, aber auch an der Einnahme von Medikamenten oder an hinzugekommenen Herz-Kreislauferkrankungen.

2500 Blutkonserven

„Es treten immer wieder vorübergehende Lieferschwierigkeiten bei einzelnen Blutkomponenten (zum Beispiel bei der Blutgruppe 0 Rhesus negativ) auf“, berichtet Ute Kopperschmidt, Pressesprecherin der Friesland-Kliniken. „Bisher ist es in der Folge nicht zu Verschiebungen geplanter Operationen oder Behandlungen oder zu einer beeinträchtigten Versorgung von Notfallpatienten gekommen.“ Auch sie bestätigt: Zurzeit ist die Versorgungssituation „zufriedenstellend“.

In Deutschland werden täglich bis zu 15.000 Blutspenden benötigt, um die Patientenversorgung in vollem Umfang zu gewährleisten. In den Friesland-Kliniken wurden laut Ute Kopperschmidt im vergangenen Jahr rund 2550 Blutkonserven benötigt – 700 im St.-Johannes-Hospital Varel und 1850 im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch.


Und wie viel Blut wird bei einem DRK-Termin im Jeverland gespendet? Das ist ganz unterschiedlich: „Sande ist mit durchschnittlich 180 Spendern pro Termin ein sehr stark frequentierter Termin“, berichtet de Buhr. Aber auch in Waddewarden wurden die Termine bei der Freiwilligen Feuerwehr in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich 80 Spendern immer besser besucht. Jedem Spender werden 0,5 Liter Blut entnommen, was 530 Gramm entspricht. Hieraus fertigt das DRK drei Blutpräparate für die Patientenversorgung an.

Krebsheilfürsorge

Das meiste Blut wird nach Angaben von de Buhr in der Krebsheilfürsorge benötigt. Erst danach kommen Bereiche wie Notfallmedizin und Operationen in den Krankenhäusern. Fast jedes vierte Blutpräparat wird für die Krebsheilfürsorge benötigt. Auch Ute Kopperschmidt teilt mit: „Blutkomponenten kommen in allen Abteilungen unseres Krankenhauses zur Anwendung. In der Hämatologie/Onkologie und der Unfallchirurgie/Orthopädie werden die meisten Blutkomponenten transfundiert.“

Generell gilt: „Alle sieben Sekunden wird in Deutschland irgendwo Blut benötigt“, so de Buhr. „Jeder von uns Menschen kann von jetzt auf sofort in die Situation kommen, dass er selber fremdes Blut benötigt. Bei der Betrachtung gehen wir aber auch einmal von den Unfällen oder den Krebserkrankungen weg.“ Denn zum Beispiel auch eine werdende Mutter, die bei der Geburt einen Blutsturz erleidet, wird nicht überleben, wenn kein Blut für die Versorgung da ist. Jemand, der an Leukämie erkrankt, kann im Rahmen einer Krebsersttherapie bis zu zehn Blutpräparate pro Woche benötigen, damit zumindest vorerst sein Überleben gesichert ist, macht de Buhr deutlich. „Ich persönlich finde es sehr schade, das Blutspenden in Deutschland nicht zu einer Selbstverständlichkeit gehört. Es ist die einfachste Art, sich sozial zu engagieren, fördert und stärkt die eigene Gesundheit, ist gesundheitlich ungefährlich und kostet gemessen am Ergebnis nur wenig Zeit des eigenen Lebens.“

Viel Werbung

Damit ist und bleibt die wichtigste Frage für das DRK: Wie bekommen sie Menschen motiviert, sich zur Blutspende anzumelden? Die Antwort: Der Werbe- und Medieneinsatz wird erhöht. „Presse und auch die Politik schalten sich zumeist mit Aufrufen positiv ein. Die Werbung erstreckt sich von Printmedien, über öffentlich wirksame Werbung in Form von Bannern bis hin zu Social Media und auch Radio- sowie teilweise Fernsehwerbung.“ Auch Prominente unterstützen das DRK regelmäßig mit ihrer Stimme.

Aber hilft das? „Leider läuft die Blutspende trotzdem an vielen Menschen einfach vorbei, da sie sich noch nie damit beschäftigen mussten oder konfrontiert sahen.“ Im absolut schlimmsten Fall müssten dann auch Notstandsmeldungen herausgegeben werden, sagt de Buhr. „Damit ist die Patientenversorgung im Rahmen der Transfusion nicht mehr gewährleistet. Menschen können und werden sterben, weil nicht genügend Blutpräparate für die Versorgung vorhanden sind.“

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt
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