Bockhorn/Emden/Göteborg - Mal ist er in der Arktis, mal in der Antarktis, mal irgendwo dazwischen: Der Pilot Lukas Piotrowski, der es zuletzt bei seiner Arktis-Mission mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ in die Schlagzeilen geschafft hat, spricht über sein Leben zwischen den Missionen.
Umzug nach Schweden
Lukas Piotrowski hat zwölf Jahre in Bockhorn gelebt, doch wirklich zuhause fühlt er sich wohl nur in der Luft. Mittlerweile ist der 45-Jährige nach Göteborg in Schweden umgezogen. Zurzeit ist er in Emden, denn dort arbeitet der gebürtige Pole für den Helikopterdienstleister Heli Service. Drei Wochen arbeiten, drei Wochen frei, nur so kann das funktionieren.
„Die Piloten bei uns kommen aus ganz verschiedenen Ländern, das ist normal. In der Firma gibt es eine Unterkunft. Manchmal übernachte ich aber auch bei Freunden oder meiner Schwester“, sagt Lukas Piotrowski. Wenn er nicht gerade im Dienst der Polarstern über das ewige Eis fliegt, bringt er mit dem Hubschrauber zum Beispiel Personen auf Schiffe in der Nordsee oder holt sie von dort ab. „Ich muss dieses Jahr auch noch dreimal nach Irland, dort haben wir einen Auftrag für die Öl- und Gasindustrie.“
Viele Länder gesehen
Lukas Piotrowski hat schon unzählige Länder gesehen, vor allem aus der Luft. Als er mit 14 Jahren mit seiner Familie aus Polen nach Deutschland kam, hatte er schon den Traum, Pilot zu werden. Er ging zur Bundeswehr und wurde Militärpilot, flog Einsätze vom Balkan über Afrika bis Asien, auch in Afghanistan. Später wechselte er in die freie Wirtschaft.
Im vergangenen Jahr erlebte er drei Monate Dunkelheit in der Arktis: Bei bis zu Minus 47 Grad Celsius war er für das Forschungsschiff „Polarstern“ im Einsatz. Die Piloten haben die Neumayer-Forschungsstation versorgt. „Seit November ist die Sonne dort nicht mehr aufgegangen“, erzählt der Helikopter-Pilot. „Es ist interessant, den eigenen Körper in so einer Extremsituation zu beobachten. Die Dunkelheit schlägt sich aber schon auf die Stimmung wieder. Irgendwann kommt eine Phase, in der man müde ist, als wäre man zu früh aufgestanden.“
Dazu kommt die Kälte. „Man muss lernen, mit dieser Kälte umzugehen. Zieht man die Handschuhe zu lange aus, erfrieren die Hände, das merkt man erst gar nicht.“ Schnell geht es um Leben und Tod. Für den Hubschrauber gibt es im ewigen Eis nur einen einzigen Landeplatz, und das ist die „Polarstern“. „Wenn man irgendwo eine Sicherheitslandung durchführen muss, ist man in einer lebensbedrohlichen Situation“, sagt Piotrowski. Nächsten Winter geht’s in die Antarktis, da ist es dann wenigstens hell.
„In meinem Beruf ist man immer auf Achse. Da ist es wichtig, dass man zumindest planbare Freizeit hat, dann kann man sein Privatleben drumherum organisieren.“
