Bockhorn - Was für Christiane Heiber ein „überaus glücklicher Zufall“ war, war für ihren Vater wahrscheinlich eine kleine Katastrophe: Weil er auf einer Geburtstagsfeier ein Gläschen zuviel getrunken hatte und danach noch Auto gefahren war, musste er für vier Wochen seinen Führerschein abgeben. Und schwups: Schon war seine 18-jährige Tochter, die erst vor kurzem ihren Führerschein gemacht hatte, seine Chauffeurin.
So konnte Christiane Heiber aus Bockhorn Anfang der 1970 Jahre endlich viel mit dem VW Käfer ihrer Eltern herumfahren. Schon vorher hatte sie auf jede Gelegenheit gelauert, sich den VW Käfer von ihren Eltern auszuleihen. Umso größer war die Freude, als ihr Vater auf einmal auf ihre Fahrkünste angewiesen war.
„Ich versuchte, mir meine Freude darüber nicht anmerken zu lassen. Großzügig bot ich mich an, in den nächsten Wochen seine Chauffeurin zu spielen und ihn täglich zur Arbeit zu fahren. Er nahm mein Angebot an und auf diese Weise war uns beiden gedient – eine Win-Win-Situation sozusagen – zumindest aus meiner Sicht“, erzählt die Bockhornerin.
„So bekam ich Fahrpraxis, konnte gelegentlich auch mit dem Käfer zur Schule fahren und bedauerte es, dass dieses Glück nur vier Wochen währte.“ Doch schon ein halbes Jahr später, der Käfer lief und lief und lief, hat Christiane Heiber ihr Abitur gemacht und eine Ausbildung begonnen. Ihr neuer Arbeitsplatz war aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen, und so schenkten ihre Eltern ihr den heiß geliebten Wagen. „Nun war ich stolze Besitzerin eines VW Käfers. Nur der Lack war bei dem in die Jahre gekommenen Fahrzeug nicht mehr sehr ansehnlich und er hatte einen weiteren Nachteil: Seine Farbe war ,rentnerbeige’, nicht gerade passend für eine Neunzehnjährige.“ Was für ein Glück, dass ein Bekannter, der eine kleine Autolackiererei hatte, dem Auto für wenig Geld einen neuen Anstrich verpasste – „ein serienmäßig nicht angebotenes Grasgrün“. „Von nun an fuhr ich mit einem unverwechselbaren Unikat durch unsere Kleinstadt.“
